Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

09.04.11, Pastor Christoph Neumann

Reisesegen

Wenn wir als Familie meine Großmutter besuchten, dann war das in meiner Kindheit eine kleine Weltreise. Fast einen ganzen Tag waren wir mit dem Zug unterwegs.

Heute fährt man diese Strecke in noch nicht einmal zwei Stunden. Wenn die Zeit kam, zurück zu fahren, war es für meine Großmutter selbstverständlich, dass wir, bevor wir aus dem Haus gingen, die Hände falteten, Dann sprach meine Großmutter ein Gebet und bat um Bewahrung und Begleitung auf der Reise. Diese Frau hatte zwei Weltkriege erlebt. Vertreibung und Flucht. Sie hatte erlebt: In unruhige Zeiten zu reisen, dass kann sehr gefährlich sein. Da war es für sie wichtig, sich vor der Fahrt in Erinnerung zu rufen: Ich bin nicht allein. Gott ist mein unsichtbarer Begleiter.

Den Wunsch nach der Begleitung Gottes haben sich Christen in jedem Gottesdienst bewahrt. Am Ende eines jeden Gottesdienstes spricht die Pfarrerin oder der Pfarrer den Segen. Diese Segenshandlung geht zurück auf den Gottesdienst im alten Israel. Damals war ein ganzes Volk unterwegs. Mit Zelten in einem nomadischen Leben. Gott hatte das Volk Israel aus Ägypten geführt. Und nun zogen sie durch die Wüste zu ihrem neuen Zuhause.

Auch damals war das Reisen gefährlich. Deshalb hatte Gott, so erzählt die Bibel, dem Volk durch Mose zugesagt, es auf dem Weg zu begleiten. Am Tag geschah das in einer Wolke die dem Volk Schatten spendete. Und in der Nacht leuchtete ein Feuerschein über den Israeliten. So fanden sie den Weg, ohne zu verunglücken

Am Ende eines jeden Gottesdienstes erinnerten sich die Israeliten an diese Zusage. Dies geschah durch den Segen, den der Priester mit erhobenen Armen aussprach:
Der HERR segne dich und behüte dich;
der HERR  lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der HERR hebe sein  Angesicht über dich und gebe dir  Frieden“.

So erinnert uns bis heute jeder Gottesdienst am Sonntagmorgen an jene alte Zusage Gottes: Wir sind auch im Alltag nicht allein. Wo wir auch unterwegs sind: Gott ist mit uns. Auch heute ist es nicht selbstverständlich, gesund und wohlbehalten zu Hause anzukommen.

Da kann es eine gute Angewohnheit sein, auch vor einer kurzen Fahrt einen Reisesegen zu sprechen. Nicht jeder findet dazu eigene Worte. Doch wer zum Beispiel im Internet ein wenig sucht, findet dort Gebete und Reisesegen. Worte, die wir nachsprechen können  Es gibt sogar  Reisesegen die man per sms auf sein Handy geschickt bekommt. Was mich betrifft, liebe ich einen Reisesegen, der aus Irland stammt.

Sprecherin:
Möge dein Weg dir freundlich entgegenkommen,
möge der Wind dir den Rücken stärken
Möge die Sonne dein Gesicht erhellen und der Regen um dich her die Felder tränken.
Und bis wir beide, du und ich, uns wiedersehen,
möge Gott dich schützend in seiner Hand halten.

Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen Pastor Christoph Neumann aus Iserlohn

Audiobeitrag Reisesegen


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