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"Einer wirft die Brocken hin"
Ich werfe die Brocken hin. Die Welt ist böse. Die Menschen sind schlecht. Warum soll ich mich noch abrackern für eine bessere Welt?
Dafür, dass das Zusammenleben menschlicher und friedlicher wird?
So wird einer zum Pessimisten. Und manchmal sogar zum Weltverächter oder Zyniker, obwohl er einmal mit hohen Idealen begonnen hatte. Damals, während des Studiums hatte man noch Träume davon, wie die Dinge besser werden könnten. Einen Traum von einer besseren Welt. Heute ist nicht viel davon übrig geblieben. Die Wirklichkeit ist halt anders. Dann erscheint es doch besser, ganz darauf zu verzichten, hohe ethische und moralische Anforderungen an sich selbst und andere zu stellen. Aber müssen sich die Dinge so entwickeln? Muss man die Brocken hinwerfen, angesichts einer Welt, die ja wirklich einiges an Bosheit und Ungerechtigkeit anzubieten hat?
Ideale versagen, gemessen an der Wirklichkeit. Aber das wäre doch eine traurige Wirklichkeit, wenn wir sie nicht mehr an unseren Idealen messen würden. So hat es Richard von Weizsäcker, der ehemalige Bundespräsident, einmal gesagt.
Unsere Welt sähe ja wirklich trauriger aus, wenn es keine Idealisten mehr unter uns gäbe. Keine Menschen, die für einen Lebensentwurf einstehen, der das Leben schöner, gerechter und friedevoller macht. Den Entschluss, die Brocken angesichts einer bösen Welt hinzuwerfen, kannten schon die Menschen, von denen die Bibel erzählt. Da ist Mose. Ein Mann an der Spitze des Volkes Israel. Nach einer Befreiungsaktion, in der er das Volk aus Ägypten geführt hatte, macht er sich mit den Menschen auf den Weg zum verheißenen Land. Dort sollen andere Regeln als in der Sklaverei gelten. Dort wird ein neuer Lebensentwurf für das Volk gelten. Diesen Lebensentwurf empfängt Mose auf einem Berg von Gott: Als er vom Berg herunter steigt hat er sie im Gepäck: Die zehn Gebote. Auf zwei göttlichen Tafeln, geschrieben mit dem Finger Gottes. Moses Ideale.
Doch als er im Tal ankommt, holt ihn die Wirklichkeit ein. Das Volk feiert Orgien, macht goldene Gegenstände zu angebeteten Gottheiten und führt ein unmoralisches, ausschweifendes Leben ohne ethische und moralische Regeln.
Mose schmettert die beiden Tafeln mit den zehn Geboten Gottes zu Boden. Mose schmeißt die Brocken hin. Doch der Führer Israels wird nicht zum Pessimisten. Gott greift ein. Nicht zornig, sondern barmherzig. Gott fordert Mose nicht auf, die Scherben wieder zusammen zu sammeln. Mose soll zwei neue Tafeln herstellen. Die werden von nun an, bruchsicher aufbewahrt, das Volk begleiten.
Auf diesen Tafeln werden wieder die zehn Gebote stehen. Der Lebensentwurf Gottes für ein gelingendes Zusammenleben. Gott gibt Mose eine neue Chance.
So wird die Geschichte, in der Mose die Brocken hinwarf, zur Hoffnungsgeschichte. Wir brauchen uns nicht selbst und andere nicht zu überfordern. Wir können die Welt nicht retten. Aber mit Gottes Hilfe können wir ein wenig mitgestalten an dem Lebensentwurf Gottes. Die zehn Gebote haben nicht nur Mose und das Volk Israel ständig begleitet. Heute gelten sie in vielen Ländern als ein Lebensentwurf für ein gelungenes Leben. Und unsere Wirklichkeit wäre trauriger, wenn wir sie nicht daran messen würden
"Einer wirft die Brocken hin"
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