Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

05.04.11, Pastor Christoph Neumann

"Auf dem Abstellgleis"

Es gibt Zeiten, da werden wir von heute auf morgen ins Abseits gestellt. Das kann eine Krankheit sein, die plötzlich unser Leben auf den Kopf stellt.

Wir haben den Eindruck, auf einem Abstellgleis zu stehen. Das kann auch der Verlust der Arbeitsstelle sein, der unsere Lebensträume zerstört. Natürlich. Das Leben geht dann irgendwie weiter. Aber es fehlt die Begeisterung. Die Ziele, für die man einmal Feuer und Flamme war, sind in weite Ferne gerückt. Und wenn man dann nicht mehr der Jüngste ist, braucht man jemanden, der noch an einen glaubt und der eine zündende Idee hat, wie die schwer entflammbar gewordenen Träume neu entfacht werden können.

Von eine solchen Erfahrung erzählt die Bibel. Mose, so heißt der Mann um den es geht, hatte eine hervorragende Ausbildung am Hof des Pharaos hinter sich. Auf diese Weise erreicht er dort eine gehobene Stellung. Doch irgendwann erfährt Mose seine wahre Herkunft: Seine israelitischen Eltern lebten als Gastarbeiter unter schlimmen Verhältnissen im Land. Seine Landsleute werden vom Pharao als Sklaven zur Errichtung von Prachtbauten böse ausgenutzt. In Mose wächst plötzlich der Traum, seinen Leuten zu helfen. Doch gerade seine Leidenschaft für Gerechtigkeit wird Mose zum Verhängnis. In blindem Eifer erschlägt er einen ägyptischen Aufseher. Doch die schlimme Tat wird schnell bekannt. Und Mose muss fliehen.

So verliert Mose von einem auf den anderen Tag alles, was er hatte. Reichtum. Eine angesehene Position. Einfluss. Arbeit. Auf der Flucht findet er in der Gegend von Midian eine neue Bleibe. Ein Schäfer, der in dieser öden Gegend auf der Suche nach Weideland ist, überlässt ihm seine Schafe. Der Mann vom Hof des Pharaos findet sich als Hilfsarbeiter zwischen blökenden Schafen wieder. Aus der Traum von Freiheit und Gerechtigkeit. Mose, ein Mann auf dem Abstellgleis. Doch dort, mitten in der Steppe Midians wird Moses Traum wieder wach. Er wird wieder Feuer und Flamme. Er hört eine Stimme, die ihn an seinen Traum erinnert. Da ist jemand, der ihm sagt: Vergiss deinen Traum nicht. Geh nach Ägypten und setz dich für deine Landsleute ein. Ich gehe mit dir. Ich bin gewiss: Du schaffst das. Dafür sorge ich. Wir beide werden das hinkriegen. Denn auch ich setze mich für Gerechtigkeit und Freiheit ein. Für Mose ist klar: Die Stimme, die dort aus einem dornigen Busch erklingt, ist die Stimme Gottes. Gott ist Feuer und Flamme für Gerechtigkeit. Wenn auch erst zögerlich, erwacht in Mose neue Leidenschaft. Obwohl er schon alt geworden ist, wird er wieder neu Feuer und Flamme für einen alten Traum. Und eine große Aufgabe liegt wieder vor ihm.

Das war vor langer Zeit. Doch auch heute noch gibt es Menschen, denen es ähnlich ergeht. Ich denke da an Wolfgang. Viele Jahre arbeitete er in einem bekannten Unternehmen. Er hatte dort einen guten Job. Und verdiente nicht schlecht. Doch dann verlor er seine Arbeitsstelle Von heute auf morgen wurde er ausrangiert. Gerade er musste seine Arbeitsstelle verlieren, obwohl er sich schon lange sozial sehr engagiert hatte. Doch Wolfgang hat Freunde, die ihm Mut machen, nicht aufzugeben. Christen, die ihn ermutigen, etwas Neues zu wagen. So beginnt er noch einmal eine neue Ausbildung. Heute arbeitet Wolfgang in einer kirchlichen Einrichtung. „ Mit Gottes Hilfe habe ich wieder eine neue Aufgabe“ so sagt er, für die es sich lohnt, Feuer und Flamme zu sein.

Audiobeitrag "Auf dem Abstellgleis"


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