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Ist Gott für mich, so trete (eg 351)
Musik 2 / 1. Strophe: Ist Gott für mich, so trete / gleich alles wider mich; / sooft ich ruf und bete, weicht alles hinter sich. / Hab ich das Haupt zum Freunde /
und bin geliebt bei Gott, / was kann mir tun der Feinde / und Widersacher Rott?
Autor: Schon ein kleines Lied kann viel Dunkel erhellen.
Verehrte Hörerinnen und Hörer, diese Worte, die dem Heiligen Franz von Assisi zugeschrieben werden, fallen mir ein, wenn ich Paul Gerhardts Choral höre. Aber fragen Sie mich bitte nicht, Warum?. Fürs Erste müsste ich dann so ähnlich antworten wie der Philosoph und Kirchenlehrer Augustinus auf die scheinbar einfache Frage nach der Zeit. Er sagte: Wenn mich niemand danach fragt, weiß ich es; wenn ich es einem Fragenden erklären soll, weiß ich es nicht.
Mit den Liedern Paul Gerhardts geht es mir kaum anders. Ihrer Wirkung aber kann man sich nur schwer entziehen: sie machen Mut, sie motivieren, sie spenden Trost.
Als Franz von Assisi im Jahre 1226 starb, war der Choral Ist Gott für mich so trete weder geschrieben noch komponiert. Paul Gerhardt dichtete den Text gut 300 Jahre später, im Jahre 1653. Die Melodie ist noch etwas älter. Sie stammt aus dem England des späten 16. Jahrhunderts.
Musik 3 (Orgel)
Sprecherin: Wir schreiben das Jahr 1653. Das Ende des Dreißigjährigen Krieges liegt gerade 5 Jahre zurück. Die verheerenden Folgen des Krieges sind überall noch unmittelbar gegenwärtig; in Brandenburg, wo Paul Gerhardt tätig war, und in ganz Mitteleuropa: Ganze Landstriche sind entvölkert und verwüstet, auch Gräfenhainichen im östlichen Sachsen-Anhalt, Paul Gerhardts Heimatstadt. Als Gerhardt 1651 seine erste Pfarrstelle bei Berlin in Mittenwalde antritt, sind dort drei Viertel der Bevölkerung ausgelöscht. Von Tausend Menschen leben noch 250. Von den Überlebenden fallen viele den Epidemien und Seuchen zum Opfer. Gerhardts Bruder Christian ist eines davon. Und wie viele ihrer Zeitgenossen leiden Gerhardt und seine Frau an dem bitteren Schicksal der hohen Kindersterblichkeit: Vier von ihren fünf Kindern sterben. Als einziger überlebt der Sohn Paul Friedrich die Eltern.
Musik 2 / 6. Strophe: Nichts, nichts kann mich verdammen, nichts nimmt mir meinen Mut: die Höll und ihre Flammen löscht meines Heilands Blut. Kein Urteil mich erschrecket, kein Unheil mich betrübt, weil mich mit Flügeln decket mein Heiland, der mich liebt.
Sprecherin (6. Strophe): Nichts, nichts kann mich verdammen, nichts nimmt mir meinen Mut: die Höll und ihre Flammen löscht meines Heilands Blut. Kein Urteil mich erschrecket, kein Unheil mich betrübt, weil mich mit Flügeln decket mein Heiland, der mich liebt.
Autor: Die große Dunkelheit, um im Bild des Franz von Assisi zu bleiben, das Elend des Dreißigjährigen Krieges, war allgegenwärtig. Und es waren nicht zuletzt die Lieder Paul Gerhards, bei denen die Menschen Hoffnung und Trost fanden. Und sie fanden beides auch und gerade in unserem Choral.
Musik 1 / 1. Strophe: Ist Gott für mich, so trete / gleich alles wider mich; / sooft ich ruf und bete, weicht alles hinter sich. / Hab ich das Haupt zum Freunde / und bin geliebt bei Gott, / was kann mir tun der Feinde / und Widersacher Rott?
Sprecherin: Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich; sooft ich ruf und bete, weicht alles hinter sich. Hab ich das Haupt zum Freunde und bin geliebt bei Gott, was kann mir tun der Feinde und Widersacher Rott?
Autor: Wenn ich Paul Gerhards Choral jetzt erneut höre und darüber nachdenke, dann verblüfft mich zuallererst doch die Art und Weise, wie er mich beim Zuhören nein, nicht wirklich überrascht. Er vermittelt stattdessen: eine tiefe Vertrautheit, als würde man ihn schon immer kennen. Vielleicht liegt das Geheimnis, der Zauber seiner Wirkung darin, dass Melodie und Text schlicht wirken, als ob der Glaube selbst zum Lied wird und das Lied zum Glaubensbekenntnis. Wenn man mitsingt, kann man das spüren. Vermutlich ist das Paul Gerhardts persönlichster Choral. Das Lied, in dem Glaubenstiefe und Glaubensfestigkeit, seine tiefe persönliche Beziehung zu Gott einen gültigen Ausdruck gefunden haben.
Musik 2 / 2. Strophe: Nun weiß und glaub ich feste, / ich rühm's auch ohne Scheu, / dass Gott, der Höchst und Beste, / mein Freund und Vater sei / und dass in allen Fällen / er mir zur Rechten steh und dämpfe Sturm und Wellen / und was mir bringet Weh.
Sprecherin: Nun weiß und glaub ich feste, ich rühm's auch ohne Scheu, daß Gott, der Höchst und Beste, mein Freund und Vater sei und daß in allen Fällen er mir zur Rechten steh und dämpfe Sturm und Wellen und was mir bringet Weh.
Autor: Nun weiß und glaub ich feste. Feste! Diese Worte beschwören die unverbrüchliche Einheit von Glaube und Erfahrung. Wie schwer das Erfahrene auch sein mag. Eine Verbindung, in Text und Ton so berührend unmittelbar und eingängig zum Ausdruck gebracht, wie man es eben nur in Gerhardts Liedern findet. Erasmus von Rotterdam sagte einmal, seine Heimat sei dort, wo er seine Bibliothek habe. Für viele Menschen ist sie dort, wo Orientierung und Zuversicht ihren Ort haben so auch für mich. Für Paul Gerhardt war seine wirkliche Heimat im Himmel. Dabei drückt sein Text die Realität seiner Zeit ebenso zeitlos aus wie einen unbeirrbaren Wirklichkeitssinn. Und dennoch und gerade deshalb findet in diesem Choral eine überwältigende Zuversicht des Glaubens ihren Ausdruck. Den Geist Gottes spürte Paul Gerhardt im eigenen Herzen schon hier auf dieser Erde.
Instrumentalmusik (Nr. 3)
Sprecherin / 7. Strophe: Sein Geist wohnt mir im Herzen, regiert mir meinen Sinn, vertreibet Sorg und Schmerzen, nimmt allen Kummer hin; gibt Segen und Gedeihen dem, was er in mir schafft, hilft mir das Abba schreien aus aller meiner Kraft.
Autor: Hoffnung und Zuversicht leben für Christinnen und Christen zuerst und zuletzt von einem Vertrauen in Gott. Dies ist für mich die anrührende und zugleich aufregende Botschaft des Liedes. So simpel wie grundlegend. Aus dieser Erkenntnis heraus klingt Paul Gerhardts Choral als Gebet und als Lied an Gott und für die Menschen. Ein Lied, das viel Dunkel erhellt.
Musik 2 / 13. Strophe: Mein Herze geht in Sprüngen / und kann nicht traurig sein, / ist voller Freud und Singen, sieht lauter Sonnenschein. / Die Sonne, die mir lachet, / ist mein Herr Jesus Christ; / das, was mich singen machet, / ist, was im Himmel ist.
Sprecherin / 13. Strophe: Mein Herze geht in Sprüngen und kann nicht traurig sein, ist voller Freud und Singen, sieht lauter Sonnenschein. Die Sonne, die mir lachet, ist mein Herr Jesus Christ; das, was mich singen machet, ist, was im Himmel ist.
Musikinformationen:
1. Musik Strophen: eg 351.1.2.13 Chor: Kantorei Alte Kirche Wuppertal-Elberfeld Dirigent: Dietmar Kress Komponist: Hans-Hermann (1914)
2. Musik: CD: Paul Gerhard Befiehl du deine Wege Die große Choralsammlung Chor: Solistenensemble Ltg. Gerhard Schnitter Strophen: eg 351.1-3.6.13 (à 040) Verlag: Hänssler Verlag, Holzgerlingen
3. Musik: Instrumentalversion / Westfälisches Bläserensemble Auswahlchor des Posaunenwerkes in der Ev. Kirche von Westfalen Leitung: Werner Benz CD: Lobet den Herren, alle, die ihn ehren Die schönsten Lieder von Paul Gerhardt in Bläser-Sätzen aus fünf Jahrhunderten Track 6 / Länge: 5:10 min. Verlag: Gerth Medien, Asslar
Ist Gott für mich, so trete (eg 351)
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