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Schokolade und unser Wachstum
Vor einigen Wochen war ich mit unserem Sohnemann Ole, einem echten Racker von sechs Jahren, in Köln im Schokoladenmuseum.
Einfach grandios, diese süße, geballte Sinnlichkeit! Hier gibt es nicht nur Schokoladenbrunnen, sondern auch eine ganze transparente Produktionsstraße, in der die Herstellung von kleinen, leckeren Schokoladentäfelchen gezeigt wird. Faszinierend für kleine und große Jungs!
Was dabei auffällt: Schokolade möchte man nicht sein. Die geernteten Kakao-Früchte werden mit Macheten aufgeschlagen und auf Bananenblättern ausgebreitet. Das weiße, zuckerhaltige Fruchtfleisch beginnt daraufhin sehr schnell zu gären und entwickelt dabei Temperaturen von etwa 50 °C. Ganze 10 Tage dauert dieser Vorgang und währenddessen entwickelt die Kakaobohne ihre typischen Aromastoffe sowie ihre Farbe. Und dann erst die Schokolade: Von der Kakaobohne angefangen wird gemahlen, gemischt, gewalkt, gepresst, verteilt, erhitzt, gekühlt und schließlich stundenlang conchiert, was so eine Art Dauervermanschung ist und sehr lecker aussieht. Wenn ich mir vorstellte, Schokoladenbestandteil zu sein, dann wäre dieser Prozess wohl weniger lustig und führte garantiert zum Schleudertrauma. Macht uns Menschen nichts, schmeckt trotzdem.
Was mir dabei ganz plötzlich hängen blieb: Jede Form von Veredelung bei Nahrungsmitteln hat irgendwie mit Stress, Belastungen, Zerreißproben, Druck, Hitze und man möchte fast sagen mit Schmerzen zu tun. Warum nur glaube also ich viel zu oft, es würde bei uns Menschen anders laufen? Auf die sanfte Tour? Lässig und cool Veränderung erfahren ohne persönlichen Aufwand und ohne Kosten?
Richard Rohr, ein bekannter amerikanische Franziskanerpater sagt, dass eine Erkenntnis am Anfang eines menschlichen Reifeprozesses steht: Das Leben ist hart. Kein Picknick und kein Ponyhof, wie meine Mutter zu sagen pflegte. Was heißt das in der Konsequenz? Dass wir menschlich nicht reifen, wenn wir glauben, dass sich alles um uns dreht, dass alles leicht und locker sein muss und jede schwere Phase des Lebens als persönlichen Angriff auffassen. So denken Kinder - Erwachsene sollten weiter sein. Und ganz ehrlich: Ich ertappe mich selbst manchmal bei dieser kindischen Sicht...
(Die Bibel sagt, wir sollen es mit Freude begrüßen, wenn wir erprobt werden. Da denkt man als verwöhnter Westler erst mal: Nee, mit mir nicht. Das klingt ja pervers.) Aber die Wahrheit. IST: in der Hitze des alltäglichen Gefechtes reifen Menschen, unter Spannungen, Erprobungen und Anstrengungen nicht auf dem Sofa mit der Chipstüte. Entschuldigung, Schokoladentafel.
Auch wenn mir - das gestehe ich - die Sofa-Variante lieber wäre. Das Ziel des Menschen ist aber eben nicht, als Sofakartoffel zu enden. Sondern statt dessen einem Reifeprozess ausgesetzt zu sein, den Gott in seiner Liebe uns zumutet, damit wir ihm ähnlicher werden.
Ich wünsche Ihnen einen guten und gesegneten Tag.
Schokolade und unser Wachstum
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