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Was isst der Mensch? - Brot, das vom Himmel regnet. (2 Mose 16)
Meine Frage heißt diese Woche: Was isst der Mensch? Am liebsten Fleisch. Die Israeliten jedenfalls sehnen sich nach den Fleischtöpfen Ägyptens,
ls sie durch die Wüste wandern müssen. Mit Enthusiasmus hatten sie dieses Land unter Moses Führung verlassen, das Sklavenhaus Ägypten, wie sie es nannten. Zwangsarbeit und Demütigung waren ihr tägliches Brot dort gewesen. Dann hat Gott ihr Stöhnen endlich gehört und sie befreit. Ist das ein Aufbruch! Ihr Ziel ist das Gelobte Land der Freiheit. Das Land, in dem Milch und Honig fließen.
Jetzt wird alles, alles gut! So dachten die Israeliten, als sie Ägypten hinter sich ließen. So dachten viele im Irak, als Saddam besiegt war. So dachten viele Ostdeutsche, als die Mauer fiel. So denkt mancher Mensch, der einem Ägypten in seinem privaten Leben entkommen ist.
Aber so einfach ist das nicht. Man ist eben nicht mit einem Schritt im Gelobten Land. Zwischen dem Land der Knechtschaft und dem Land der Freiheit muss Israel die Wüste durchqueren. In der ersten Euphorie des Aufbruchs ist der Fuß leicht. Doch die Zeit zieht sich. Der Vorratsbeutel leert sich. Der Magen knurrt. Und irgendwann erlahmt der Schwung. Der Traum von der Freiheit zerbröselt. Der Aufbruch in die ersehnte Zukunft erscheint als Marsch ins Verderben.
Wollte Gott, wir wären in Ägypten gestorben, als wir bei den Fleischtöpfen saßen und jede Menge Brot hatten. Ihr habt uns wohl in diese Wüste geführt, damit wir vor Hunger sterben müssen. So murren die Freigelassenen. Vergessen ist offenbar, wie sauer das Leben und wie hart das Brot vormals war. Früher war doch nicht alles schlecht! Ägypten färbt sich rosarot. Die Vergangenheit wird verklärt.
An Gottes Stelle möchte man dieses undankbare, maulende Volk wirklich am liebsten schleunigst nach Ägypten zurückführen. Sollen sie doch bekommen, wonach sie jetzt quengeln. Doch so ist Gott eben nicht. Er nimmt den Protest ernst. Er ist nicht nur großzügig, er ist auch weise. Denn ihm ist klar: Wer nicht weiß, wie er über die Runden kommen soll, dem ist die schönste Freiheit nichts wert. Von einer Freiheit, die vor allem die Freisetzung in ein unsicheres Dasein bedeutet, wird sich schwerlich jemand begeistern lassen. Freiheit mit leerem Magen ist nur eine andere Form der Unfreiheit.
Bevor weiter von Freiheit geredet wird, muss erstmal für das Lebensnotwendige gesorgt werden. Denn solange das Brot zum Leben fehlt, kann der Mensch niemals frei sein. Freiheit und Brot gehören zusammen. Darum macht Gott dem protestierenden Volk ein erstaunliches Versprechen: Ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen. Und am nächsten Tag liegt es in der Wüste, rund und klein wie Reif auf der Erde. Manna nennen die Israeliten es. Aber damit noch nicht genug. Zum Manna schickt Gott auch noch Wachteln, damit keiner sich mehr nach den Fleischtöpfen Ägyptens zu sehnen braucht.
Ich höre diese erstaunliche Geschichte und fange für einen Moment an zu träumen: Kein Hubschrauber mehr am Himmel, aus dem geschossen wird im Namen der Freiheit. Kein Flugzeug mehr am Himmel, aus dem Bomben regnen im Namen der Freiheit. Vom Himmel regnet Brot. Keine Minen mehr, die den Boden bedecken. Von Brot ist die Erde bedeckt. Und die Menschen finden ein jeder soviel er zum Essen braucht.
Was isst der Mensch? - Brot, das vom Himmel regnet. (2 Mose 16)
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