Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

11.03.11, Pfarrer Michael Nitzke

Taufe

Nichts verbindet die christlichen Kirchen so sehr wie die Taufe. Die Taufe ist das einzige Sakrament, was sich evangelische und katholische Kirchen

ohne wenn und aber gegenseitig anerkennen. Es schafft eine enge Verbindung, dass jeder Christ irgendwann getauft wurde. Doch einige Christen beklagen dieses „irgendwann“. Sie wehren sich vor allem dagegen, dass Kinder getauft werden, die noch nicht einmal sagen können, ob sie das wollen oder nicht. Die Gegner der Kindertaufe pochen darauf, dass jeder Mensch vor der Taufe seinen Glauben bekennen soll und folglich auch eine ganze Menge über den Glauben weiß.

In den beiden großen Kirchen werden in der Regel Kinder getauft, die erst durch Eltern, Paten, Schule und Gemeinde an den Glauben herangeführt werden. In der evangelischen Kirche sprechen sie bei der Konfirmation ihr Glaubensbekenntnis und holen so das Ja zu ihrer eigenen Taufe nach.

Die evangelischen Kirchen begehen 2011 das Jahr der Taufe. Das Symbol für diese Aktion ist ein großes Geschenkpaket: Die Taufe, ein Gottesgeschenk.

Die Taufe ist das große Angebot Gottes an den Menschen. Gott schenkt nicht nur die Taufe, er schenkt seine Gnade. Die Gnade schenkt er ihm ohne Voraussetzung und Vorleistung. Daher kann er auch einem Säugling, der weder sprechen, hören, noch verstehen kann, seine Gnade durch die Taufe zusprechen. Das heißt die Taufe wird nicht erst gültig, durch das Bekenntnis des Getauften, sondern sie wirkt als Gottesgeschenk.

Natürlich waren die ersten Taufen im Urchristentum Erwachsenentaufen. Doch bald schon wurden die Haustaufen eingeführt – da wurden alle getauft, die in einem Haus lebten. Also höchst wahrscheinlich auch die Kinder. 

Jesus selbst hat seinen Jüngern den Auftrag zur Taufe gegeben, das war das letzte, was er ihnen mit auf den Weg gab. Und wenn man einmal genau hinhört, dann erkennt man, dass er keineswegs gegen die Taufe von Menschen war, die noch nichts vom Glauben wussten: „Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“

Die Lehre folgt der Taufe und geht ihr nicht voraus. Die Taufe ist also nicht Bestätigung für erfolgreiches Studium des Glaubens, sondern sie ist vorauslaufende Gnade, der der Täufling nachgeht, in dem er etwas über den Glauben lernt, der ihm geschenkt wurde. Und Christus besiegelt das, indem er ewige Begleitung verspricht: Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Natürlich bleibt es den Eltern unbenommen, ihre Kinder erst in einem Alter taufen zu lassen, in dem sie ihre Taufe bewusst wahrnehmen können, oder zu einer Zeit, in der sie sich selbst  entscheiden können. Aber dieser Wunsch soll nicht den Entschluss der Familien abwerten, die das große Gottesgeschenk der Taufe für ihr Kind annehmen wollen. Eine solche Offenheit gegenüber den verschiedenen Traditionen der Taufe ist heute nötig, damit es auch weiterhin heißen kann: Nichts verbindet die christlichen Kirchen so sehr wie die Taufe

Audiobeitrag Taufe


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