Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

07.03.11, Ralf Jupe

Närrisch

Ohne Bützen kommt heute keiner durch die Kölner Innenstadt. Die Narren stellen alles auf den Kopf. Und das finde ich ganz gut.

Denn hinter der ganzen Maskerade und dem Strömen von Alkohol steckt noch was anderes: Eine radikale Kritik an den Rollen, Zwängen und Beschränkungen, die unser normales Leben ausmachen.  Wenn Hartz IV mal keine Rolle spielt, oder das miese Halbjahrzeugnis.  Wenn es egal ist, ob ich eigentlich schüchtern bin, oder zum Lachen sonst in den Keller gehe. Weil das Leben noch viel mehr ist als ein acht-Stunden-Bürojob.

Schon Jesus wurde als närrisch bezeichnet.  Von seiner eigenen Familie. Er ist von Sinnen. Sagten sie. Das meint: Er ist verrückt.

Humor scheint Jesus jedenfalls gehabt zu haben:  Ihr siebt Mücken aus und verschluckt Kamele, kommentierte er das heuchlerische Verhalten von scheinheiligen Leuten.

"Wir sind Narren um Christi willen", hat Paulus später in der Bibel geschrieben und damit gemeint, dass wir alle gesellschaftlichen Konventionen radikal hinterfragen sollen.  Karneval ist dafür eigentlich eine gute Probe. Nach dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Zeit, die spielerische Kritik in Taten umzusetzen. Wie lebe ich mein Leben?  Was ist wirklich wichtig?  Was nehme ich nicht einfach hin, sondern tue was dagegen.

Sprecher: Daniel Schneider

Audiobeitrag Närrisch


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