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Vaterunser im Hausgottesdienst
Guten Morgen liebe Hörerinnen, liebe Hörer! Vor einiger Zeit feierte ich mit einer 9oJährigen Dame ein Hausabendmahl. Ihre Tochter war ebenfalls dabei.
Ein paar Tage später erhielt ich von der Tochter einen Brief. Darin schrieb sie, die Abendmahlsfeier zuhause wäre für sie alle ein besonderer Augenblick gewesen. Besonders als sie alle miteinander das Vaterunser sprachen. Diesen Moment werde sie nicht vergessen Es schien mir so, schrieb sie weiter, als wäre die Gnade Gottes greifbar im Raum.
Wie gut, wenn Menschen das Wesentliche wahrnehmen können trotz der besonderen Situation eines Hausgottesdienstes. Wenn wir mit unserem alten Abendmahlskoffer erscheinen, haben sich die Familien lange vorbereitet: Die 90Jährige Mutter einer ganzen Familie sitzt im Sessel bequem und mobilisiert alle Kräfte. Alle zusammengerufenen Kinder und Enkelkinder mit Anhang stehen im Raum verteilt. Und sehen neugierig auf die Gegenstände, die dem Koffer entnommen werden: Kerzenständer, Brot und Wein, Kelch, Tellerchen und Kreuz.
Oft sind Kinder dabei, die genau wissen wollen, warum das Kreuz schon so zerkratzt ist. Dann erzähle ich, dass der Ökumenische Rat der Kirchen dies Abendmahlsgeschirr für die Kriegsgefangenenlager stiftete, damit auch dort Menschen Gottesdienst mit Abendmahl feiern können. Seither wird es gebraucht. Spätestens wenn die Kerzen entzündet werden, werden alle ganz still. Die ganze Familie ist zusammen und mancher darunter beugt sich dem Wunsch der Uroma in einen Ritus, der nicht mehr geläufig und vertraut ist. Für die Oma durchgehalten.
Diese selbst genießt diese Unterbrechung des Alltags, die vertrauten Worte der Bibel, die Nähe ihrer Familie und die Ruhe des Augenblicks. Kein Handy piept, kein Fernseher sendet flimmernde Bilder, die Familie mit Jugendlichen und Kindern darunter konnte die Stille aushalten. Jeder in der Familie konnte sich innerlich zurücklehnen und nachdenken. Jeder hört für sich die vergebenden Worte Jesu und schmeckt wie freundlich und nah dieser Gott ist. Mit ihm können wir reden wie mit einem Vater oder einer Mutter, weil wir ihn wie Vater oder Mutter ansprechen können.
In einem stillen Augenblick danach setzte die Oma zum Sprechen an, erzählte von den Stationen ihres Lebens, von den ungezählten gesprochenen Vaterunser-Gebeten, manchmal dahingesprochen wie automatisch, dann wieder von ganzem Herzen. Alle besonderen Momente ihres Lebens, zu Tode betrübte und himmelhoch jauchzende Augenblicke standen ihr vor Augen. Sie erzählte beeindruckend und endete mit den Worten: Mit Gott reden können wie mit einem Vater, das hat geholfen. Gottes Gnade war manchmal ganz weit weg, aber dann wieder zum Greifen nah.
In den 90 Jahren lagen Erfahrungen, denen sie standgehalten hat. Das Leben hat an ihren Kräften gezehrt, aber sie hat durchgehalten. Die alte Dame hat für ihre Kinder und Enkel eine Brücke über Jahrzehnte gebaut. Sie hat von ihren Erfahrungen erzählt. Bewahrt in den gesprochenen Worten des Vaterunsers.
Vaterunser im Hausgottesdienst
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