| |
Gelitten
Guten Morgen, liebe Zuhörer, liebe Zuhörerinnen! Wir haben in meiner Gemeinde über das Glaubensbekenntnis gesprochen.
Wie es zu v erstehen ist und was es jedem einzelnen bedeutet. Ortrud 69, Jahre, warf in die Runde: Wenn ich das Glaubensbekenntnis spreche ich glaube an Gott, den Vater, den allmächtigen Schöpfer des Himmels und der Erde dann fühle ich mich verbunden, einmal mit dem, was ich von Gott früher gelernt habe, und den vielen Menschen rund um den Erdball, die diese Worte jetzt gleichzeitig oder auch zeitversetzt sprechen. Ich gehöre zu denen, die an Gott glauben. Ich bin vernetzt mit Unbekannten, von denen ich doch eines weiß, die glauben auch an Gott. Das tut mir gut.
Mancher in der Runde nickte zustimmend. Das kannten sie auch und sie genießen ihn, diesen Augenblick der Gewissheit. Empfinden wenigstens für einen Augenblick den Hauch der der ökumenischen Weite und freuen sich, dass etwas in ihrer Jugend Gelerntes bis heute Gültigkeit besitzt für alle Christen.
Diese Verlässlichkeit trägt viele. Es ist heute nicht selbstverständlich, zum Glaubensbekenntnisses bedenkenlos ja zu sagen: Was einmal als gutes Gerüst zum mühelosen Verstehen der christlichen Botschaft gedacht war, fordert eine andere Generation zum Nachdenken oder auch zum Widerspruch heraus.
Viele möchten selber Gott denken und finden das aufregend. Und wer an solcher Aufregung nicht so interessiert ist, liest die Lebensgeschichte Jesu im Neuen Testament. Und findet schnell heraus, dass sie kaum im Glaubensbekenntnis auftaucht. Wir waren uns einig, dass uns fehlt, wie heilsam Jesus Menschen begegnete, wie er das Leben gefeiert hat und Menschen, die sonst im Abseits standen, an seinen Tisch geholt hat.
Für die Konzilsväter des Glaubensbekenntnisses haben nur die Eckpfeiler seiner Biografie festgehalten: geboren wie ein Mensch von einer Frau, gelitten, unter Pontius Pilatus, dem römischen Statthalter in Jerusalem zu dieser Zeitgekreuzigt, gestorben und begraben, auferstanden
gelitten Für eine in der Gesprächsrunde war das Wort gelitten von besonderer Bedeutung. Für sie stecke darin die ganze Bedeutung des Lebens Jesu. Jesus habe gelitten hat unter der Gottesferne der Menschen, aber er konnte diese Gottesferne überbrücken und heilen. Jesus habe gelitten unter den ungerechten Machtverhältnissen, und ist unter diesen Machthabern zum Tod verurteilt worden. Für sie stehe deshalb gelitten wie eine Überschrift über dem Leben Jesu.
Die Wirklichkeit des Lebens Jesu in knappen Sätzen zusammen zu fassen, ist schon eine unlösbare Aufgabe. Das kann nur bruchstückhaften Charakter haben. Worte können nur begrenzt unseren Glauben fassen, weil er weiter reicht, als wir aussprechen können. Es lohnt sich, das mit eigenen Zwischensätzen zu erweitern. Lebenserfahrungen zwischen die Zeilen einzutragen.
So werden die ein Leben lang gesprochenen Worte lebendig und lassen erkennbar werden, was sich mit unserem Leben verbindet und was in den knappen Formulierungen verloren ging. Wir sammeln in unserer Gemeinde gerade diese Glaubensbekenntnisse: Junge Leute im Konfirmandenunterricht, Gesprächskreise beteiligen sich, Kirchenälteste wagen sich heran und suchen nach Worten. In den kurzen knappen Formeln zeigt sich zugleich geronnene Lebenserfahrung. Manchmal sind wir gemeinsam sprachlos, weil Gott mit unseren sprachlichen Bemühungen nicht zu fassen ist. Gott ist größer als ich jetzt hier so denke. Meinungen fächern sich weit auf und manches Gespräch endet mit dem Satz: Das muss ja schließlich jeder selber wissen. Wenn wir es nur nebeneinander stellen, verlieren wir den festen Boden gemeinsamer ökumenischer Bezüge und Gedanken. Aber dann ringen wir solange, bis ein gemeinsames Gerüst bleibt. Und das klappt.
Gelitten
|