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Vertrauen ist das schwerste ABC?
Guten Morgen, liebe Hörerinnen, liebe Hörer! Was glaube ich eigentlich? Auf welches Wissen stützt sich mein Glaube? Viele Menschen schwanken heute:
Ist Glaube allein meine Herzensangelegenheit, oder muss er sich auf prüfbare Tatsachen verlassen.
Glaube und Vernunft geraten so schnell in einen unauflösbaren Konflikt, denn für viele schließen sich Glaube und Vernunft fast zwangsläufig aus. Gerade junge Leute sprechen das offen aus. Der 13 jährige Felix aus meiner Jugendgruppe sagte mir: das mit dem Glauben sei ihm doch eine wackelige Angelegenheit und ziemlich unsicher. Er habe doch einen Verstand und was vor dem nicht bestehe, könne so gut dann auch nicht sein.
Jugendliche sprechen aus, was auch Erwachsene bewegt: Erkenntnisse durch die Vernunft erworben wackeln nicht, sie ist handfest. Sie lassen sich überprüfen anhand von festgelegten Gesetzen. Der Glaube bewegt sich daran gemessen auf unsicherem Gelände.
Da lässt sich nichts beweisen und an seine Wirksamkeit kann man eben nur glauben. Mancher kommt zu einer anderen Deutung: Der Glaube sei eine Mangelerscheinung. Wo der Verstand nicht mehr nachkommt, wird der Glaube wie eine Notleiter nachgeschoben. Er ist also der klassische Lückenfüller: wenn vernunftmäßig nichts mehr geht, kann man es ja ruhig mal mit dem Glauben versuchen
Herausragende Denker wie z.B. Augustin und gut 1000 Jahre später Martin Luther waren da anderer Meinung: Der Glaube braucht die Vernunft. Keine Gegensätze also, sondern notwendige Ergänzungen. Die Evangelisch-Reformierten lesen das gerne im Heidelberger Katechismus nach: Was ist wahrer Glaube, wird da gefragt und die Antwort wird gleich mitgeliefert: Er ist 1. eine gewisse Erkenntnis, 2. ein Für-wahr-halten und 3. ein herzliches Vertrauen. Für Schritt eins und zwei (Erkenntnis und Für-wahr-halten) wird die Vernunft gebraucht. Sie prüft die Erfahrungen, die z.B. andere Menschen mit Gott machen.
Der 3. Schritt des Glaubens, das herzliche Vertrauen, das ist schon ein waghalsiger Sprung, der Zeit braucht. Für den Einen ist der Glaube plötzlich da wie ein Geschenk, immer verlässlich und in jeder Krise griffbereit. Für die andere eine Suche nach dem Sinn im Leben im festen Blick auf Gottes Nähe zu allen, die in dieser Welt soviel Schmerz aushalten. Für den Dritten ist der Weg des Glaubens mit Zweifeln gepflastert, die auf Antwort warten. Und manche können nicht glauben. Der Verstand kann den Glauben nicht machen. Eines ist sicher: Der Glaube braucht die Chance, sich zu bewähren. muss sich im Leben bewähren.
Ausprobieren, drauflos glauben und Erfahrungen machen. Schwanken zwischen für-wahr-halten und für-falsch-halten. Dogmen kennen und beiseite legen, aber etwas versuchen und nicht in weiter Distanz verharren und an der Lebendigkeit vorübergehen. Die Dichterin Hilde Domin nennt das Vertrauen das schwerste ABC, das wir in unserem Leben lernen. Vertrauen lernen scheint ungewohnt, aber es gibt einen Augenblick, wo wir Vertrauen fassen. Wann und wie das geschieht, bleibt uns selbst ein Rätsel. Felix aus meiner Jugendgruppe sagte mir noch, er wolle besser verstehen und weiter prüfen, was es mit dem Glauben auf sich haben könnte. Die Geschichten von Jesus seien ihm dabei wichtig, die wären einfach cool: Wie er mit den Leuten spricht und die Wahrheit sagt und nie lügt. Einem solchen Mann könne man vertrauen. Vertrauen ist ein gutes Gefühl und gar nicht so wackelig, wie er gedacht habe.
Vertrauen ist das schwerste ABC?
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