Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

22.02.11, Pfarrerin Viktoria Keil

"Aufgefahren in den Himmel"

Guten Morgen, liebe Hörerinnen, liebe Hörer! Manche Sätze aus dem christlichen Glaubensbekenntnis sind vielen mittlerweile unverständlich geworden.

Besonders junge Leute haben mit der Sprache und der Bilderwelt der alten Texte so ihre Schwierigkeiten. So auch Lena, eine 13jährige Konfirmandin. Sie sagte: „Manches glaube ich einfach nicht. Jesus ist ‚aufgefahren in den Himmel’ Mit welchem Fahrstuhl ist so was möglich? Das passt doch nicht in unsere Zeit.“

Da hat sie recht. Das Weltbild der Menschen zurzeit Jesu und unser Weltbild heute unterscheiden sich völlig. Die Menschen vor 2000 Jahren glaubten an drei begehbare Stockwerke Himmel, Erde und Hölle. Zwischen diesen Stockwerken konnten sich nur Gott selbst und sein Sohn Jesus frei bewegen. Die moderne Physik hat unseren Blick auf den Himmel geweitet und erforscht das endlose Universum. Das Weltbild hat sich gewandelt und fordert unser Nachdenken über Himmel und Erde heraus. 

Der Himmel als obere Etage unserer Welt ist entzaubert. Um so drängender wird die Frage, wie wir unbeeinflusst von alten Weltbildern unser Glaubensbekenntnis verstehen können. Die Jugendlichen gehen gelassen mit den historischen Vorstellungen um, die Einfluss gewannen auf die christliche Lehre. Jasmin und Pauline, beide 14 versuchten sich vorzustellen, was Himmel für sie heute bedeutet.

Wenn Jesus ‚Aufgefahren ist in den Himmel’ Dann ist er überall, wo wir gehen und stehen. Er ist in allem auch in uns. Jesus ist jetzt beim Vater – wo er hergekommen ist -  und begleitet unser Leben.

Bis Jesus ‚Aufgefahren ist in den Himmel’ war er an Ort und Zeit gebunden, danach wirkte er für alle Menschen an jedem Ort der Welt. Er begleitet seither alle Menschen bis ans Ende der Welt, was auch immer passiert.

Aufgefahren in den Himmel verstehen sie so, dass Gott seinen Sohn wieder zu sich geholt hat. Sein Sohn ist jetzt Gottes rechte Hand und kann mitbestimmen. Seine Mitbestimmung bei Gott bewirkt, dass alles anders wird.
Die Jugendlichen haben ihre Sprache für den Glauben entdeckt.

Vielleicht geht diese Reise in die Gedankenwelt des Glaubens weiter, sie muss sich im Alltag bewähren. Oft stößt unser Sprachvermögen an unsere Grenzen. Worte für Gottes Nähe zu uns bleiben ein gewagter Versuch. Ich erkenne immer nur einen Teil.
Dabei hilft mir eine kleine Geschichte:

Ein alter Mann geht am Meer entlang und trifft auf ein kleines Kind, das immer wieder zum Meer läuft und mit einer Muschel Wasser holt. Die Muschel voller Meerwasser trägt es zu einem Loch und schüttet das Wasser hinein.

Der Mann fragt: Was machst du da? Ich hole das Meer hierher, antwortet  das Kind. Der alte Mann lacht von ganzem Herzen und sagt: Das geht doch nicht! Das Kind erwidert: Und du willst Gott in deinen Kopf bekommen?!

Audiobeitrag "Aufgefahren in den Himmel"


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