Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

21.02.11, Pfarrerin Viktoria Keil

verändertes Glaubensbekenntnis

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer! In einem Gesprächskreis in meiner Gemeinde hatten wir uns vor einiger Zeit über das Glaubensbekenntnis unterhalten.

 Am Anfang dieser Gespräche war Peter, 48 Jahre reserviert:  Früher habe er das Bekenntnis gesprochen wie von selbst. Das habe er so im Konfirmandenunterricht gelernt und das gelte, und jetzt solle er darüber nachdenken, was jeder einzelne Satz sagt und ob das für ihn stimme? Da fühle er sich ja wie auf einem Boot auf dem weiten Meer und da kommt einer und macht mal probeweise ein paar Schiffsplanken los, um zu gucken, aus welchem Holz sie sind und ob das Boot wohl jetzt untergeht?

Glaube ist wohl eine ganz persönliche Erfahrung. Er lebt, verändert sich ein ganzes Leben. Der eine spricht gerne über diese ganz persönlichen Erfahrungen und formuliert sensibel und präzise, wo sein Glaube ihn trägt. Der andere denkt sich: Gott ist so groß, dafür fehlen mir die Worte. Und überlässt sich der Weite der alten Worte der Konzilsteilnehmer von Nicäa oder Konstantinopel in den ersten Jahrhunderten nach Christus. Was sich für den Einen als tragfähig erwiesen hat, fordert den nächsten zum Widerspruch heraus.

Da sitzt ein Gottesdienstbesucher neben mir und hat ganz andere Erfahrungen mit Gott gemacht. Manche Sätze des Glaubensbekenntnisses passen einfach nicht für ihn. Wie bei Werner, 70 Jahre: Für ihn sei das Glaubensbekenntnis  ein Wagnis, ein ganz persönlicher Augenblick vor Gott. Wenn er die Bilder des Glaubensbekenntnisses nicht zusammenbringen könne mit dem, wie er Gott erlebt habe,  dann könne er nicht mitsprechen. Dann fühle er sich ganz weit draußen und allein.

Die Bilder, die wir seit Jahrhunderten wie selbstverständlich sprechen und weitergeben, lösen auch Befremden aus, Menschen suchen nach Glauben an Gott, suchen ihn in den Texten unserer Gottesdienste und finden nicht das lösende Wort. Sie gehen dabei im wahrsten Sinne über Bord - einziger Rettungsring ist ein lauter Hilferuf: Ich verstehe diese Sprache nicht!

Seit ein paar Jahren wagen es ein paar Gemeindeglieder gemeinsam, unser Glaubensbekenntnis neu zu formulieren. Wir ringen um Worte und Inhalte wie die Konzilsväter der ersten Jahrhunderte. 

Da sind die, die jedes Wort für unersetzbar halten und die, die alles ändern wollen und reden miteinander. Es ist ein kostbares, altes, sturmerprobtes Boot, dieses Glaubensbekenntnis, mit dem wir unterwegs sind. Mancher sieht das Boot kentern, wenn wir nur an einer Planke klopfen und die anderen sehen es kentern, weil ihnen überall morsche Stellen ins Auge springen. Im Gespräch haben wir das Vertrauen gewonnen, dass wir beides im Blick behalten wollen. Wir wollen weder kentern, weil wir alle Planken lösen, aber auch nicht darum, weil wir ihre Zerbrechlichkeit übersehen.

Unser Schiff schwimmt auch dann, wenn wir morsche Holzplanken mit neuen Materialien verstärken. Sei der Boden auch modern durchsichtig aus Glas. Peter und Werner waren sich einig: Der Glaube bleibt für jeden und jede ein persönliches Geschenk Gottes.

Wenn wir gemeinsam Gottesdienst feiern, brauchen wir Verständigungen über das, was gemeinsam Halt gibt. Ohne Austausch ist das Glaubensleben in unseren Gemeinden nicht zu denken. Wir leben aus der Verständigung untereinander, was wir glauben.  Wir freuen uns an den Worten, die wir für unsere Innenseite des Glaubens finden und aussprechen können. Es ist ein Augenblick der persönlichen Echtheit vor Gott und Verbindung zum Grund unseres Lebens.

Audiobeitrag verändertes Glaubensbekenntnis


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