Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

22.02.11, Jörn Heller

Profigelassenheit (Römer 12,21)

Für die einen ist sie eine Zumutung, für die anderen Alltag: Die Jahreslosung für 2011. „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem!“

Für den Siegener Volker vom Hagen ist dieser Bibelvers eigentlich nichts Besonderes. Im Gegenteil. Für ihn steht er in engem Zusammenhang mit der eigenen Berufswahl.

O-Ton: Wir sind ja alle Polizisten geworden aus `nem gewissen Grund, wir stehen für die Schwächeren ein und versuchen natürlich, das Böse zu vermeiden.

Autor: Vom Hagen ist Kriminaloberkommissar und als solcher für Vorbeugung zuständig.  Überall, wo Gewalt eine Rolle spielt, versucht er durch gezielte Maßnahmen, ihr den Wind aus den Segeln zu nehmen, und das bereits im Vorfeld. Er besucht Schulen, geht in Jugendgruppen, ist aber auch bei öffentlichen Veranstaltungen präsent, wo es für gewöhnlich heftig zur Sache geht.

O-Ton: Wenn so Events sind wie zum Beispiel Fußballweltmeisterschaft, Europameisterschaft, sind wir als Kommunikationsbeamten vor Ort und versuchen dort, recht früh und niederschwellig, das Böse zu vermeiden, das heißt, wenn Eskalationen sind, recht früh anzusprechen.

Autor: Frühes Ansprechen, Deeskalieren, den Ball flach halten, das ist es, worauf es bei seiner Arbeit ankommt. Stellt sich die Frage, wie man so `was macht.

O-Ton: Ganz wichtig, keine beleidigenden Elemente mit reinbringen. Wir sehen jemand, der angetrunken ist, der rumpöbelt, dann gehen wir konkret auf ihn hin und sprechen ihn an, natürlich in einer Art und Weise, wo wir versuchen deeskalierend zu agieren. Es hilft nichts, den bös´ anzusprechen, agressiv anzusprechen.

Autor: Dabei kann sich Humor als Waffe erweisen, die auch den härtesten Brocken in die Knie zwingt. Vom Hagen erinnert sich an einen jungen Mann, den er verhaften musste, weil er andere mit einer Eisenstange verprügelt hatte. Obwohl sich der junge Mann beharrlich weigerte mitzukommen, musste der Kommissar lachen: Er selbst hatte kurz zuvor einen Zahn beim Kampfsport verloren, und dem jungen Mann fehlte fast die gesamte obere Zahnreihe.

O-Ton: Ich musste so lachen, weil der diese Zähne blank zeigte. Und dann kam schon die Aggressivität mir gegenüber: „Was lachst du?“ Da sag´ ich „Warte mal, mein Freund!“ und schob dann meine Lücke hoch, das heißt meinen losen Zahn, und dann schlug er mir auf die Schulter: „Ej, Kumpel!“, und ich konnte ihn dann so mit in den Streifenwagen setzen.

Autor: Nun ist freilich nicht jeder Kriminaloberkommissar, und nicht jeder bringt in seinem Alltag die Routine des Profis auf, durch die man gelassen Böses mit Gutem überwindet. Aber auch für solche Leute hat vom Hagen eine simple Faustregel parat, die immer nützt, wenn es ungemütlich wird:

O-Ton: Absolut neutral bleiben!“

Autor: Und das ist doch in jedem Fall besser, als sofort die Nerven zu verlieren.

Audiobeitrag Profigelassenheit (Römer 12,21)


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