Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

11.02.11, Prof. Dr. Schmidt-Rost

Gottes Dienst

Es ist Abend geworden in Jerusalem. Der Lehrer aus dem Norden hat sich mit seinen Schülern zum Abendessen niedergelassen.

Sie sind nach Jerusalem gekommen, um das Passahfest mitzufeiern. Aber Jesus ahnt: dies wird sein letzter Aufenthalt in Jerusalem sein und dieses Essen wird  ihr letztes gemeinsames Mahl sein, die Lage hat sich für ihn zugespitzt, die politischen Kräfte, die ihn mundtot machen wollen, sind ganz dicht an ihm dran, haben sogar schon einen aus seinem Schülerkreis bestochen. Aber das Fest steht bevor, in Jerusalem drängen sich die Pilger, die jedes Jahr in großer Zahl zum Fest kommen, da fällt es selbst offiziellen Stellen schwer, einen in der Öffentlichkeit beliebten Mann einfach auf offener Straße zu verhaften. Jedenfalls fürchten die Gegner des Jesus aus Nazareth, eine öffentliche Aktion könnte zu Unruhen im Volk führen. Deshalb brauchen sie einen Spitzel, der ihnen einen günstigen Zeitpunkt für eine geheime Verhaftung zuspielt.

Jesus ist sich über seine Lage im Klaren, er will sich mit diesem letzten gemeinsamen Mahl von seinen Schülern verabschieden. Während des Essens steht er plötzlich auf, bindet sich einen Schurz um, und beginnt, seinen Jüngern die Füße zu waschen, einem nach dem anderen. Die Jünger sind verblüfft, sie haben sich doch wie üblich die Füße bereits vor dem Essen gereinigt. Aber während des Essens? Was will Jesus damit andeuten?

Petrus wehrt sich gegen die Aktion, will diesen Dienst nicht annehmen, sein Lehrer soll sich nicht zum Diener seiner Schüler machen. Aber um eine Umkehrung der Autorität geht es Jesus nicht und auch nicht um eine noch gründlichere Reinigung.
Wenn es aber nicht um einen Dienst und nicht um eine Reinigung, weder innerlich noch äußerlich geht, um was geht es dann?

Wenn ich dir nicht die Füße wasche, so hast du kein Teil an mir (Joh. 13, 8) sagt Jesus zu Petrus.

Liebe Hörerin, lieber Hörer! Hat Ihnen jemand in letzter Zeit die Füße gewaschen? Ich meine nicht Ihre Eltern, die Ihnen als Kind gezeigt haben, wie Sie sich gründlich waschen sollen, ich meine auch keine professionelle Fußpflege, sondern eine Verwandte, ein Freund? Die Füße gewaschen und massiert?
 
Das ist ein Vorgang, der zwei Menschen einander sehr nahe bringt. Wer sich die Füße waschen lässt, muß Vertrauen haben zu dem, der ihn wäscht. Das hat einen ganz natürlichen Grund: Eine Fußwäsche ist eine sehr persönliche Berührung, sie bedeutet eine tiefe, einfühlsame Begegnung. Die Berührung dieser Nerven strahlt weit in unseren Körper aus, denn in den Füßen enden viele Nervenstränge, die für unseren ganzen Organismus wichtig sind, wie die Ärzte längst wissen.
 
Das wollte Jesus seinen Jüngern als letztes Zeichen mit auf den Weg geben: Wenn ihr schonend miteinander umgeht, euch in euren Besonderheiten achtet, dann erlebt ihr die Gemeinschaft, die ich euch wünsche. Der Geist eurer Gemeinschaft wird der Geist der Schonung und Achtung sein, der Geist Gottes, der euch zu Leben hilft.

Audiobeitrag Gottes Dienst


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