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Nicht von dieser Welt
Es war eine Zeit, da nach vielen Jahrzehnten mit sozialen Unruhen und Kriegen nur noch eine Weltmacht herrschte.
Sie hatte alle politische Gewalt in der damals bekannten Welt an sich gezogen. Zwar blühten Geist und Kunst noch in den alten Reichen rund um das große Meer, aber politisch waren sie alle abhängig geworden. Die Regierung des Weltreichs gefiel sich darin, ihre Herrschaft als Reich des ewigen Friedens zu feiern und der Herrscher wurde Augustus, der Erhabene genannt.
In Jerusalem trat damals zum ersten Mal eine geistige Bewegung öffentlich auf, die nach und nach an Bekanntheit gewann. Sie stellte der militärisch-wirtschaftlichen Macht des Weltreichs eine ganz eigenartige Kraft gegenüber. Nicht den geistigen Glanz Athens, auch nicht den wirtschaftlichen Reichtum von Ephesus es ließ sich gar nicht so leicht ermitteln, worin diese neue Bewegung bestand, was ihr Profil war, sie war nicht politisch kritisch, vertrat kein sozial-revolutionäres Programm, und doch stand sie irgendwie quer zum üblichen Denken, zum Glauben an die Botschaften der Massenmedien, die sich damals schon längst etabliert hatten und mit verschiedenen Techniken von den Erfolgen der Erfolgreichen im Sport und in der Politik Kunde gaben. Auf Triumphbögen zu Ehren siegreicher Feldherrn und Denkmälern für Olympiasieger konnte man deren Heldentaten bestaunen, in Liedern und Geschichten davon erzählen hören.
Der Begründer jener eigenartigen Bewegung, Jesus aus Nazareth, hatte seinen Anhängern Zurückhaltung gegenüber der Staatsmacht empfohlen, aber weder Unterwerfung verlangt, noch Aufruhr gepredigt. Er wollte den Römern keine politische Macht entgegensetzen: Er lehrte: Gott ist nicht höchste Gewalt, sondern Güte und Liebe. Nur diese Vorstellung von Gott könne die Menschheit in einer globalen Welt letztlich vor dem Untergang durch Selbstzerstörung bewahren. Doch diese Vorstellung von Gott als Liebe hielten die politischen Machthaber schon damals für ziemlich gefährlich Sie meinten nicht ganz zu Unrecht, diese Auffassung untergrabe jede politische Ordnung, - und so war der Tod dieses Lehrers kein Irrtum der römischen Justiz: Das Weltreich musste in diesem Jesus von Nazareth offenbar eine Bewegung abwehren, die auch heute noch viele als eine Gefährdung der Gesellschaft ansehen; gerade weil sie nicht mit Gewalt wirkt, wird sie verdächtigt.
Mein Reich ist nicht von dieser Welt! Das hatte der Jesus aus Nazareth dem Statthalter des Weltreichs in Jerusalem, Pontius Pilatus, in einem Verhör mutig und ruhig entgegengehalten, - und dieser hatte sehr wohl verstanden: Hier unterläuft einer die Mechanismen, auf die sich Politiker sonst gerne stützen, hier lebt einer aus einer anderen Kraft als die Weltmacht Rom: Eben nicht aus dem Vertrauen auf Militär, Reichtum und Verstand, sondern
ja, aus welcher Kraft, was heißt das: Gott ist Liebe? Oder: er ist wie ein liebender Vater? Ist das mehr als Geschwätz?
Liebe Hörerin, lieber Hörer! Der Gedanke, dass Gott die Liebe sei, wie Jesus lehrte, hat sich noch längst nicht in aller Welt durchgesetzt, auch nicht in der Christenheit bis auf den heutigen Tag, aber er wirkt untergründig und nachhaltig, flößt Vertrauen ein, wo immer dieser Gedanke einleuchtet und zu Herzen geht. Und befähigt Menschen so durch alle Zeiten hindurch selbst zu außerordentlichen Taten der Liebe.
Nicht von dieser Welt
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