Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

29.01.11, Pfarrer Eko Alberts

Such, wer da will, ein ander Ziel (eg 346)

Musik 1 - Choral: (1. Strophe): Such, wer da will, ein ander Ziel,/ die Seligkeit zu finden;/ mein Herz allein bedacht soll sein,/ auf Christus sich zu gründen./

Sein Wort sind wahr, sein Werk sind klar,/ sein heilger Mund hat Kraft und Grund,/ all Feind zu überwinden.

Sprecherin: Such, wer da will, ein ander Ziel, die Seligkeit zu finden; mein Herz allein bedacht soll sein, auf Christus sich zu gründen. Sein Wort sind wahr, sein Werk sind klar, sein heilger Mund hat Kraft und Grund, all Feind zu überwinden.

Autor: Liebe Hörerinnen, liebe Hörer, wenn ich diesen Choral „Such, wer da will, ein ander Ziel“ höre oder singe, vor allem wenn es alle fünf Strophen sind, muss ich an einen Musikerwitz denken:

Sprecherin: Ein Cellist spielt den ganzen Tag nur einen Ton. Seine Frau beschwert sich: "Es gibt Leute, die können auch noch andere Töne spielen." Der Cellist: "Die Anderen suchen den richtigen Ton. Ich habe ihn gefunden."

Autor: Warum mir dieser Witz einfällt? Sie mögen mir verzeihen, aber der ganze Choral ist für mich wie ein Ton. Nein, ich meine das nicht despektierlich. Der Königsberger Domkantor und Hofkapellmeister Johann Stobäus hat eine durchaus lebendige Melodie zum Lied beigesteuert. Ursprünglich hatte er sie für ein Hochzeitsgedicht komponiert. Auch ist der Text kunstvoll verfasst. Denn der Dichter Georg Weissel, geschätztes Mitglied des Königsberger Dichter- und Musikerkreises, wusste die Verskunst in Jamben und Trochäen trefflich auszuüben. Doch in allen Zeilen des Liedes klingt ein und derselbe Grundton durch. Aber das macht es nicht monoton oder eintönig, es macht seinen Reiz aus. Weissel schrieb es zu seiner Amtseinführung als Pfarrer am 3. Advent 1623 und bezog sich inhaltlich auf den Evangeliumstext dieses Sonntages:

Sprecherin: Als Johannes der Täufer im Gefängnis von den Werken Christi hörte, sandte er seine Jünger und ließ ihn fragen: „Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?“ Jesus antwortete und sprach zu ihnen: „Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf, und Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.“ (Matthäus 11, 2-6)

Autor: Na also! Die Boten hören: die Suche muss nicht vergeblich sein. Die Worte und Werke Christi sind klar und überzeugend! Georg Weissel bekennt es unumwunden: Mein Herz ist entschieden: Leben, Glück und Seligkeit finde ich bei Christus allein. Er fragt uns: Und was ist mit euch? Sucht ihr noch?

Musik 2 - Choral (2. Strophe): Such, wer da will, Nothelfer viel,/ die uns doch nichts erworben;/ hier ist der Mann, der helfen kann,/ bei dem nie was verdorben./ Uns wird das Heil durch ihn zuteil,/ uns macht gerecht der treue Knecht,/ der für uns ist gestorben.

Sprecherin: Such, wer da will, Nothelfer viel, die uns doch nichts erworben; hier ist der Mann, der helfen kann, bei dem nie was verdorben. Uns wird das Heil durch ihn zuteil, uns macht gerecht der treue Knecht, der für uns ist gestorben.

Autor: Ja, Menschen suchen, fragen, tasten und testen. Sie vermuten und probieren, jagen und sehnen sich, verlangen und träumen – was und wonach? Ach, vordergründig nach vielerlei und nichts. Aber wenn es drauf ankommt, meine ich, suchen sie nach dem einen Ton, dem tragenden Ton für ihr Leben. Sehnsüchtige Suche um endlich zu finden, gefunden zu werden, Klangkörper werden für den heilenden Ton, in dessen Erklingen das ganze eigene Dasein vibriert und zugleich endgültig aufatmet! Auf dieser Suche trifft mich Georg Weissels Ton. Er lässt mich aufhorchen. „Christus ist Herr“, das ist der Grundton seines Liedes. Und darin schwingen die Obertöne mit und geben seinem Grundton die Klangfarbe: Hier ist ein wahrer Helfer, bei ihm verdirbt nichts und niemand. Christus macht, dass wir vor Gott gerecht werden. Daraus wird nun eine leidenschaftliche Bitte:

Musik 3 - Choral (3. Strophe): Ach, sucht doch den, laßt alles stehn,/ die ihr das Heil begehret;/ er ist der Herr und keiner mehr,/ der euch das Heil gewähret./ Sucht ihn all Stund von Herzensgrund,/  sucht ihn allein; denn wohl wird sein/ dem, der ihn herzlich ehret.

Sprecherin: Ach, sucht doch den, laßt alles stehn, die ihr das Heil begehret; er ist der Herr und keiner mehr, der euch das Heil gewähret. Sucht ihn all Stund von Herzensgrund, sucht ihn allein; denn wohl wird sein, dem, der ihn herzlich ehret.

Autor: „Ach, sucht doch den, lasst alles stehn! Er ist der Herr und keiner mehr.“! Ja sucht leidenschaftlich und unaufhörlich! Geht aufs Ganze. Lasst euch nicht mit den billigen Tröstungen falscher Herren abspeisen: Sucht das Heil und nichts weniger! Das wahre Wohl eurer Seelen. Dass euer Leben geborgen sei und in Gott verankert, dass euer unruhiges Herz Ruhe finde und euch ein Licht aufgehe, eine wahre Freudensonne, die euch allen Nächten entreißt. „Christus die Freudensonne“, dieses Motiv nimmt Georg Weissel auch in seinem bekanntesten Lied auf: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“:

Sprecherin: „... Er ist die rechte Freudensonn, / bringt mit sich lauter Freud und Wonn. / Gelobet sei mein Gott, mein Tröster früh und spat.“

Autor: Auch in unserem Choral wird Jesus Christus so besungen: „Mein Freudensonn“. Georg Weissel ist gewiss: In Jesus Christus erstrahlt endgültig das Licht der Welt. Immer wieder wurde es erhofft und immer aufs Neue erwartet. Alte Hoffnungen und Versprechen für das suchende Volk Gottes  klingen an. Im biblischen Buch des Propheten Jesaja heißt es:

Sprecherin: Die Sonne soll nicht mehr dein Licht sein am Tage, und der Glanz des Mondes soll dir nicht mehr leuchten, sondern der HERR wird dein ewiges Licht und dein Gott wird dein Glanz sein. (Jesaja 60, 19)

Autor: Die Freudensonne ist aufgegangen. Ihr Licht wird nicht mehr verlöschen. Der Dichter will sich vom Glanz dieser Sonne durchdringen und bestimmen lassen. Sein Bekenntnislied wird zur innigen Bitte: lass mich den Grund meiner Hoffnung nie verlieren! Nicht in den Widrigkeiten, noch in den Eitelkeiten des Lebens. Sorge du selbst dafür, dass der Grundton meines Lebens ein Echo deines Wortes bleibt: beständig und getröstet, klar und vernehmlich.

Musik 4 - Choral (4. Strophe): Meins Herzen Kron, mein Freudensonn/ sollst du, Herr Jesu, bleiben;/ laß mich doch nicht von deinem Licht/ durch Eitelkeit vertreiben;/ bleib du mein Preis, dein Wort mich speis,/ bleib du mein Ehr, dein Wort mich lehr,/ an dich stets fest zu glauben.

Sprecherin: Meins Herzen Kron, mein Freudensonn sollst du, Herr Jesu, bleiben; laß mich doch nicht von deinem Licht durch Eitelkeit vertreiben; bleib du mein Preis, dein Wort mich speis, bleib du mein Ehr, dein Wort mich lehr, an dich stets fest zu glauben.

Autor: Den letzten Horizont spart Georg Weissel nicht aus. Er nimmt ihn betend in den Blick: Drohen am Ende sogar Kreuz und Schmerzen, und ganz sicher Leid und Tod, dann wende dich, mein Gott, nicht von mir ab. Ewig will ich Dir Lob singen.

Musik 5 - Choral (5. Strophe): Wend von mir nicht dein Angesicht, / laß mich im Kreuz nicht zagen; / weich nicht von mir, mein höchste Zier, / hilf mir mein Leiden tragen. / Hilf mir zur Freud nach diesem Leid; / hilf, daß ich mag nach dieser Klag / dort ewig dir Lob sagen.

Sprecherin: Wend von mir nicht dein Angesicht, laß mich im Kreuz nicht zagen; weich nicht von mir, mein höchste Zier, hilf mir mein Leiden tragen. Hilf mir zur Freud nach diesem Leid; hilf, daß ich mag nach dieser Klag dort ewig dir Lob sagen.

Musikinformationen:

Musik 1- 3:
CD-Titel: Such wer da will ein ander Ziel  
- Such wer da will ein ander Ziel (Strophe 1)
- Such, wer da will, Nothelfer viel (Strophe 2)
- Ach, sucht doch den, laßt alles stehn (Strophe 3)

Komponist: Stockmeier, Wolfgang (13.12.1931)
Textdichter: Weissel, Georg (1590-1635)
Urheber (m.V.): Stobaeus, Johann (06.07.1580-11.09.1646)

Dirigent: Mertens, Karl Heinz
Chor: Chorgemeinschaft an der Ruhr

Musik 4+ 5:
CD-Titel:   „Befiehl du deine Wege“ (private CD)
Track-Nr. + Titel:  Track 4; „Such, wer da will“, Str. 4+ 5

Text von Dichter:  Georg Weissel (1623)
Komponist:   Johann Stobäus (1613)

Chor:    Jubilate Chor
Leitung  und Produktion: Jochen Rieger

Audiobeitrag Such, wer da will, ein ander Ziel (eg 346)


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