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Johannes und Jesus
Liebe Hörerin, lieber Hörer, in jedem Menschen kann dieser Traum immer wieder aufflammen: der Traum von einer besseren, gerechteren Welt Gottes, von seinem Reich.
Heute nicht anders als in früheren Zeiten. Etwa vor zweitausend Jahren. Da gab es im Osten des Römischen Reiches an dem kleinen Fluss Jordan, am Rande der Wüste einen Prediger, der zur radikalen, persönlichen Umkehr rief. Denn der erste Schritt zu einer neuen, gerechten Welt geling nur, wenn jeder einzelne sich zum Neuen und Gerechten hin verändert. Zum Zeichen dafür ließen die Menschen sich im Fluss untertauchen. Das bedeutete: das Alte abwaschen, das alte Ich töten und gereinigt und als neuer Mensch wieder erstehen. Das war die Taufe des Johannes. Und dann erzählt die Geschichte: Und es ging zu ihm hinaus das ganze jüdische Land und alle Leute von Jerusalem und ließen sich von ihm taufen im Jordan und bekannten ihre Sünden. (Markus 1,5)
Die begeisterte Erzählung mag ein wenig übertreiben, aber der Traum von der besseren, gerechteren Welt bringt Menschen in Bewegung! Sie sind bereit, sich dafür einzusetzen auch wenn es sie etwas kosten sollte. Auch wenn unsere Politiker manchmal den Eindruck erwecken das wäre undenkbar und niemand wäre zu Einbußen und Einsatz für eine gerechtere Ordnung bereit. Es stimmt nicht. Damals bekannten die Menschen vor Johannes ihre Sünden, ihre Verfehlungen und waren bereit, ein neues Leben anzufangen. Johannes selbst ist seine Eindeutigkeit und Herrscherkritik, das wissen wir aus den Evangelien, später zum Verhängnis geworden. Seine Kritik der unmoralischen Zustände am Hof des Herodes kostete ihn den Kopf. Doch nichts hatte ihn davon abgehalten, den alten, ewig jungen Traum der neuen und gerechten Welt Gottes aufzugeben. Auch wenn er geahnt, ja, gewusst hat: Ich bin noch nicht derjenige, der diese Welt begründet. Nein, nach mir kommt einer, gegen den ich nur ein kleines Licht bin.
Das zeichnet ihn aus, diesen Prediger dort in der Wüste, der einen solchen Zulauf hat: Er macht sich deshalb nicht zum Heilbringer und nicht zum Guru; er stellt sich nicht als Maß aller Dinge in den Mittelpunkt. An solcher Selbstüberschätzung sind ja schon so viele gescheitert und scheitern sie immer wieder. Dann werden sie abgehobene Phantasten und Traumtänzer oder auch absolute Herrscher und Meinungsdiktatoren. Sie scheitern und ihre Gefolgschaft verrennt sich, weil sie sich selber nicht mehr relativieren. Und relativieren, d.h. sich in Beziehung sehen und sich ins Verhältnis setzen, das macht Johannes in aller Klarheit. Er relativiert sich an dem, er setzt sich ins Verhältnis zu dem, der nach ihm kommt. Der ist stärker als ich, sagt er,. Gegen den kochen wir alle doch nur mit Wasser, aber der bringt auf den Tisch, was wirklich zählt und satt macht. Wir halten vielleicht den Traum mühsam am Köcheln, aber der lebt ihn, der bringt die Wirklichkeit herbei. In ihm bricht Gottes neue, Gottes gerechte Welt sich Bahn. Der wird die Botschaft und diese Gewissheit so auf Erden verankern, dass sie nie mehr verloren geht. Er wird einen Geist in diese Welt bringen, der Menschen zu Gott und unter seine Herrschaft zurückführt. Wie das alles geschehen wird? Darüber hatte der Prediger dort in der Wüste gewiss keine genauen Vorstellungen. Aber bald tritt Jesus auf, der Christus. Und der beginnt sein Wirken, indem er predigt: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Kehrt um und glaubt an die Gute Nachricht! (Markus 1,15)
Jetzt also ist die Zeit angebrochen. Gott will nicht, dass der Traum fern bleibt und Sehnsüchte weckt. Sein Reich will und wird kommen. In den Worten und Werken von Jesus Christus wird der Traum schon Wirklichkeit.
Johannes und Jesus
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