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Der die Schlüssel hat
Liebe Hörerin, lieber Hörer, Macht hoch die Tür, die Tor macht weit! So beginnt das erste Lied im Evangelischen Gesangbuch.
Vielleicht hat es Sie vor einigen Wochen auch zum Advent eingeladen. Es malt ja ein wirklich einladendes Bild: eine hohe Tür, ein weites Tor - das ist Offenheit, Zugang frei. So wird ein lieber Besuch eingelassen, so bietet sich ein freier Weg ins Leben an. Aber, wie das Lied schon andeutet: Türen sind nicht immer hoch und Tore nicht immer weit. Ja, es gibt Zeiten und Situationen, in denen Tor und Tür nur noch fest verschlossen erscheinen. Max Herrmann-Neiße, vor den Nazis geflohener Dichter, der 1941 einsam in London starb und heute fast vergessen ist, hat es so erfahren. Ein Licht geht nach dem andern aus, so heißt eines seiner Gedichte. Kaum fragt er, ob sich die Tür zu einer besseren Welt, einem gerechteren Leben, zum Leben noch einmal öffnen kann.. Wird das Tor noch einmal weit? Andere Befürchtungen und Ängste haben sich längst eingenistet:
Für immer schloß' vielleicht das Tor, von dem der Schlüssel sich verlor, bin ich vom Feind umstellt. Verfallen ist mein Vaterhaus, ein Licht geht nach dem andern aus, und immer dunkler wird die Welt."
Der Schlüssel hat sich verloren. Nicht hohe Tür und weites Tor! Kein Zugang frei, vor allem: kein Ausgang frei. Max Herrmann-Neiße sieht sich ausweglos eingeschlossen. Was ihm einst das Zuhause war, ist ein verfallenes Vaterhaus, in dem ein Licht nach dem anderen ausgeht. Ein Totenhaus. Er ist gewiss, wer hier wacht, wartet nur noch auf den Tod: ..immer dunkler..
Wird das das auch für mich einmal das letzte Wort sein, wenn ich vor jener Tür stehe, zu der mir der Schlüssel fehlt? Ich will mich dagegen jetzt schon entschieden wehren. Das ist nicht überheblich oder blauäugig. Ich habe dafür einen bestimmten Grund. Vielleicht teilen wir, Sie, liebe Hörerin, lieber Hörer, und ich diesen bestimmten Grund sogar. Als Christen dürfen wir uns nämlich festhalten an einer anderen Gewissheit, die uns Weihnachten ins Herz gegeben ist: Wir sind nicht in einer immer dunkler werdenden Welt eingeschlossen. Wir bleiben auf dieser Erde unvergessen. Wie Gott in seinem Sohn gekommen ist zu unserer Erlösung, so wird er wiederkommen. Unser Herr kommt, Christus der Herr. Und der ruft uns zu: Fürchte dich nicht! Ich habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. Er ruft es als der kommende Sieger. Er wird sein befreiendes Werk vollenden. Sogar die Mächte, die uns so völlig vom Leben ausschließen könnten, sind von ihm besiegt: Tod und Hölle. Er hat die Schlüssel uns da herauszuholen und wird es tun. Er baut das Vaterhaus aus, in das wir befreit einziehen sollen. Da wird die Gerechtigkeit ein Zuhause haben, werden die Traurigen getröstet, die Einsamen umarmt, die Bedrängten befreit und die Angefeindeten geehrt. Himmel und Erde werden darüber neu. Ich darf wissen: Das Tor ist nicht für immer verschlossen. Der Weg ins Leben liegt offen vor mir.
In mir klingt die Strophe eines Weihnachtsliedes nach: Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis, der Cherub steht nicht mehr dafür, Gott, sei Lob, Ehr und Preis.
Der die Schlüssel hat
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