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Alles nur finster?
Liebe Hörerin, lieber Hörer, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker, heiß es in der Bibel beim Propheten Jesaja.
Es gibt solche Zeiten, wer wüsste das nicht. Da kann man sich schon fragen: Gibt es auf dieser Erde eigentlich noch einen Ort ohne die langen Schatten der Gewalt, ohne die Schwärze der Furcht? Gibt es einen Durchbruch gegen die kurzen Horizonte des Todes in Hunger und Unrecht, Raubbau und Zerstörung? Gibt es das Land, wo die Sonne aufgeht, die alle Finsternis besiegt und jedes Dunkel einmal auflöst?
Max Herrmann-Neiße, ein armer Emigrant und Dichter, der vor den Nazis nach England floh und dort 1941 starb, kannte das Gefühl von der Finsternis überwältigt zu werden. Ein Licht geht nach dem andern aus, dichtete er. Die Lichter verlöschen. Es wird dunkel in der Welt. Sind noch Menschen da, die das Leben behaupten? Die Hoffnung aufrecht halten?
Schon liegen sie, wie Tote tun, als probten sie, im Grab zu ruhn, und nur ihr Atem flackert sacht. Ich fürchte dieses Schlafes Bann, der mich für immer halten kann, und bleibe wach in all der Nacht.
Wie eine Decke breitet sich die Müdigkeit aus, bei vielen erlischt die Widerstandskraft des Lebens. Furcht kriecht aus den Reihen der Erlöschenden. Wachbleiben ist die einsame Devise des Dichters. Doch wofür wachen? Nur aus Furcht einzuschlafen? War denn keiner, ist denn keiner auf dem Weg, den es nicht zu verpassen gilt?
In der Bibel, beim Propheten Jesaja, geht der Hinweis auf Finsternis und Dunkel über dieser Welt so weiter: Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.(Jesaja 60,2) Das ist Menschen in trostloser Lage zugerufen: Hoffnungen sind enttäuscht, Träume geborsten, die Zukunft höchst ungewiss. Trotzdem, eine Stimme wie aus dem Himmel hält dagegen: Der HERR, dein Gott geht auf! Er kommt, der Herrliche, der Retter, der von Licht umflossene! Erinnern wir uns? Davon war Weihnachten die Rede: die Hirten nachts auf dem Feld. Sie stehen im Dunkel, sind selber wohl dunkle Gestalten. Und plötzlich vor ihnen der Engel und die Herrlichkeit des Herrn leuchtete um sie, so erzählt dann das Evangelium. (Lukas 2,9) Und das ist ja wirklich Evangelium, d.h. Gute Nachricht.
Da geht die Herrlichkeit Gottes mitten in der Finsternis auf. Sie durchbricht das Dunkel der Hirtennacht. Aber nicht nur das: es bleibt nicht finster über der Erde und das Dunkel soll die Völker nicht verschlucken. Gottes Herrlichkeit verschafft sich einen Ort auf dieser Erde. Was die Hirten staunend hören, finden sie bestätigt im Stall, im Kind in der Krippe. Klein und fast verborgen kommt Gottes Licht der Liebe in die Welt. Aber in diesem Kind macht es sich auf den Weg, die engen Horizonte des Todes und aller Finsternis zu durchbrechen. Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker? Ja, Gott sei´s geklagt, das zeigt sich immer wieder. Aber seit Weihnachten gibt es immer wieder Menschen, die sich davon doch nicht begraben lassen. Sie wachen und schauen auf das unauslöschliche Licht, das gekommen ist und kommt.
Alles nur finster?
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