Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

28.01.11, Pastor Stephan Kiepe-Fahrenholz

Datenschutz

Alljährlich am 28. Januar und heute zum fünften Mal wird europaweit und auch bei uns der Datenschutztag ausgerichtet.

In Berlin und in mehreren Hauptstädten der Bundesländer treffen sich Datenschutzbeauftragte und am Datenschutzrecht Interessierte. Mit internen Fachveranstaltungen, aber auch mit öffentlichen Erklärungen soll den Bürgerinnen und Bürgern die Notwendigkeit des sorgsamen und vorsichtigen Umgangs mit den eigenen Daten nahegebracht werden. Und mahnende Worte richten sich an Politik, Wissenschaft und Behörden, sich beim Sammeln von Informationen gegenüber der Privatsphäre des Einzelnen die notwendige Zurückhaltung aufzuerlegen.

Gesetzlich geregelt ist der Datenschutz in Deutschland noch nicht so lange. Nach den Auseinandersetzungen um die Volkszählung 1983 wurde bundesweit das Datenschutzgesetz erst 1990 in eine verfassungsrechtlich einwandfreie Form gebracht. Das hat nichts daran geändert, dass es um die Reichweite und die Grenzen des Datenschutzes immer wieder Diskussionen gibt.

Wenn Vater Staat die Kriminalität besser bekämpfen will und nach mehr Sicherheit ruft, heißt das automatisch immer auch, dass er vorsichtshalber möglichst von allen alles wissen will. Wie groß die bei irgendwelchen Behörden angesammelten und jederzeit abrufbaren Datensammlungen über mich sind, will ich lieber gar nicht wissen. Auch Zeitungen und Fernsehen mit dem Recht auf Informationsfreiheit oder die Wissenschaft mit ihrem Recht auf Forschung sind nicht unbedingt immer die Verbündeten des Datenschutzes. Und die Bürgerinnen und Bürger selbst, um deren Schutz es ja beim Datenschutz vor allem geht, haben dazu ein höchst zwiespältiges Verhältnis. Einerseits wächst mit Recht die Furcht, dass inzwischen fast jedermann in jedermanns Privatleben herumschnüffeln kann. Andererseits wächst aber auch der Drang nach Austausch und Kommunikation. Und die Unbefangenheit, mit der Millionen von ansonsten durchaus vorsichtigen Menschen auf Facebook und anderen Netzwerken ihr Innerstes nach außen kehren, ist mindestens so monströs wie die Berge von Spam und Werbung, die man sich damit nebenbei einhandelt.

Datenschutz will, das ist die Grundidee, den „gläsernen Menschen“ verhindern. Das ist, trotz aller Informations- und Kommunikationsfreiheit, ein wichtiges Ziel auch für Christinnen und Christen. Gläsern, durchsichtig oder, mit einem alten Wort, „offenbar“ soll und kann der Mensch nach biblischer Überzeugung nur einem Gegenüber sein. „Wir müssen alle“, hat der Apostel Paulus geschrieben, „offenbar werden vor dem Richtstuhl Christi“. Das klingt für heutige Ohren ziemlich abenteuerlich nach der großen Schlussabrechnung. Gemeint ist aber eigentlich: Es gibt in dieser Welt eine Instanz, vor der jedes Versteckspiel aufhört, vor der keiner mehr den andern über den Tisch zieht und wo ich ohne Tricks und Masken bloß der Mensch bin, der ich bin. Aber diese Instanz ist eben nicht mein Nebenmensch. Und eben deshalb soll und kann und darf kein anderer Mensch, auch nicht im Namen des Staates, der Freiheit oder der Wissenschaft, so viel von mir wissen, dass er sich am Ende zum Richter über mich und andere aufschwingt.

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