Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

23.01.11, Bettina von Clausewitz

Woran Promis glauben - Fritz Pleitgen

O-Ton: Ich kann mich erinnern, dass ich in der Schule bei weitem nicht in allen Fächern mit großem Interesse dabei war,

aber merkwürdigerweise haben mich zwei Fächer immer fasziniert: Das waren Geschichte und Religion. In beiden Fächern hatte ich immer sehr gute Noten. Und dieses Interesse ist auch später bei mir geblieben. 

Autorin: Das ist nicht unbedingt in der Berufswahl erkennbar, wohl aber in der Art, wie der Journalist Fritz Pleitgen seinen Beruf gelebt hat: als ARD-Korrespondent in Moskau, Ost-Berlin und Washington, als langjähriger WDR-Intendant und zuletzt als Geschäftsführer des Kulturhauptstadtjahres Ruhr.2010.  

O-Ton: Ich bin ja evangelischer Christ. Ich kann nicht behaupten, dass ich sehr fromm bin. aber ich werde doch bei vielen meiner Aktivitäten von dem geleitet, was ich im Konfirmandenunterricht mitgenommen habe, was ich in Gesprächen mit Theologen aufgenommen habe. Beispielsweise spielt mein Konfirmationsspruch eine wichtige Rolle: „So jemand auch kämpft, wird er doch nicht gekrönt, er kämpfe denn recht.“

Autorin: Ein Spruch, der den heute 72-Jährigen ein Leben lang begleitet hat, verbunden mit den Ideen der Bergpredigt, der Nächstenliebe und dem Bemühen darum, nicht vorschnell zu urteilen. Kein leichter Job für einen Journalisten im aktuellen Nachrichtengeschäft. Aber die Prägung durch das Elternhaus ist immer präsent geblieben, sagt Pleitgen, vor allem durch die Mutter und die Kindheit in der Nachkriegszeit. Bis heute schlägt er gern die Bibel auf, um darin zu schmökern.     

O-Ton: Daher habe ich auch die Einschätzung, dass man die Menschen nach ihrem Handeln und nicht nach ihrem Status beurteilen soll. Das hat mir übrigens auch als Journalist immer sehr geholfen, dass ich dann nicht allzu schnell urteilte, sondern ich habe mir das alles noch mal durch den Kopf gehen lassen -  ich hatte immer einen Kompass bei mir.  
          
Autorin:
Die Bibel als Kompass  - sie hat Pleitgen als Korrespondent in den Umbrüchen der Weltgeschichte begleitet. Und im Kulturhauptstadtjahr 2010, das  gleichzeitig Highlight seiner Karriere war -  und dramatischer Tiefpunkt. Nach der Love Parade-Katastrophe in Duisburg war Pleitgen der erste Verantwortliche, der von einer „moralischen Mitschuld“ sprach:     

O-Ton:  Als aufgeklärter Menschen habe ich mir für die Zukunft gesagt: Das gehört dazu, wenn man sich für etwas ausspricht, dann muss man auch den Zusatz anbringen: Es muss sicher sein! Es darf den Menschen nichts Böses tun. Und das habe ich leider nicht gefragt. Und deswegen bleibt das auch bei mir wie ein Schatten auf der Seele.       

Autorin: Nachdenklichkeit und ein kritischer Blick auf die Realität, das ist die Messlatte, die der alt gediente Journalist auch für seine persönliche Zukunft bereit hält. 
 
O-Ton: Ich bin ja jetzt 72 Jahre alt, da sieht man auch den Zielpfosten immer näher auf sich zukommen und dann versucht man doch Rechenschaft abzulegen vor sich selbst und dann stellt man fest: Mein lieber Mann, da ist einiges auf der Strecke geblieben. Und – nun gut, was mir da an Zeit noch bleibt, das versuche in dann hoffentlich zu nutzen, um die Scharten auszuwetzen (lacht), die ich mir selbst geschlagen habe.

Audiobeitrag Woran Promis glauben - Fritz Pleitgen


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