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Organspende
Jetzt fängt mein zweites Leben an das war der erste Gedanke von Cordula Peters, als man ihr nach einer neunstündigen Operation den Beatmungsschlauch entfernte.
Die junge, sportliche Frau litt seit vielen Jahren an einer Lungenerkrankung. Das Atmen war ein einziges Martyrium, ohne Sauerstoffflasche lief nichts mehr. Es war so schlimm, dass Cordula Peters nicht mehr leben wollte. Doch dann riet der Arzt zu einer Transplantation. Heute lebt Cordula Peters mit der Lunge eines Organspenders und es geht ihr gut. .
Cordula Peters hat Glück gehabt. Jeden Tag sterben in Deutschland drei Menschen, weil sie nicht das bekommen, was sie brauchen, ein Herz, eine Lunge, eine Leber, eine Niere. Und zwar schlicht und ergreifend, weil es zu wenig Organe gibt, zu wenig Menschen, die bereit sind, Organe zu spenden.
Ich persönlich kann das gut verstehen. Auch ich habe keinen Organspendeausweis. Wer hat schon Lust sich mitten im Leben mit der Frage nach dem eigenen Tod zu beschäftigen und dem was dann passiert mit dem eigenen Körper, den eigenen Organen. Doch wenn man es tut, stellt sich als erstes die Frage: Ab wann bin ich eigentlich tot?
Der Hirntod sei ein untrügliches Todeszeichen, sagen die Mediziner. Doch wenn mein Hirn tot ist, bin ich dann wirklich auch ganz tot, auch als Mensch, als Person? Diese Frage ist wichtig, denn wenn ich mich für eine Organspende entscheide und tot bin, werden meine Kreislauffunktionen künstlich aufrecht erhalten. In welchem Sinne bin ich dann aber tot, wenn Herz und Kreislauf noch aktiv sind. Das ist eine schwierige Frage.
Deshalb hat man im Organtransplantationsgesetz von 1997 darauf verzichtet ein Todesdefinition vorzulegen. Vielmehr überlässt man die Todesfeststellung dem jeweiligen Stand der Wissenschaft. Das finde ich persönlich gut, denn schließlich tue ich das bei therapeutischen Verfahren auch.
Doch ist die Organentnahme ein Eingriff in die Schöpfung Gottes? Nein, sagen die Kirchen. Organe zu spenden, könne eine Tat der Nächstenliebe über den Tod hinaus sein. Sie sei aber keine Bringschuld. D.h. sie dürfe nicht zur Pflicht gemacht werden.
Eine Tat der Nächstenliebe schön und gut, aber nicht alles, was eine Tat der Nächstenliebe ist oder sein könnte, tue ich auch. Was mir bei dieser schwierigen Entscheidung hilft, sind aber Geschichten von Menschen. Sowie die von Cordula Peters. Für sie würde ich es tun. Und für all die anderen, die ich im Netz gefunden habe. Für Fynn Reuther, Hannes Camin, Kathie Zahn, Sabine Lemke, Tanja Lutz. Menschen wie du und ich, die plötzlich mitten im Leben krank werden und dringend ein fremdes Organ brauchen.
Wenn ich ihre Gesichter sehe, dann weiß ich, Gott der Freund des Lebens - will, dass wir Leben retten. Auch über unseren eigenen Tod hinaus. Und für das, was dann kommt brauchen wir weder Lunge, noch Herz, noch Niere, noch Leber, denn wie schreibt Paulus: Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib 1. Kor. 15, 42 f.
Organspende
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