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Heldin des Alltags
Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer! Einmal ein Held oder eine Heldin sein. Davon träumen manche schon seit Kindertagen.
Als Kinder haben wir uns als Helden verkleidet. Wir konnten fliegen, wir waren immer da, wo wir gebraucht wurden. Wir haben in gefährliche Situationen eingegriffen, das Böse besiegt und die Welt gerettet. Einmal groß und stark sein, einmal etwas ganz Tolles leisten, einmal ein Held sein, dieser Wunsch begleitet viele von klein auf.
Dabei ist es ganz einfach ein Held zu sein. Neulich im Radio hörte ich von einem Superheldenbedarfsshop im New Yorker Stadtteil Brooklyn, der alles das anbietet, was wahre Helden brauchen: Den hautengen Superman-Anzug, Capes in allen erdenklichen Ausführungen und Farben, dazu Eimerweise Kraftfelder, Flaschen mit Lichtgeschwindigkeit, Dosen mit Muskeln und vieles mehr. Eben alles, was ein Held braucht und der Sehnsucht nach dem Besonderen nachhilft.
Und dann begegne ich einer Heldin. Sie steht im Supermarkt in der Schlange an der Kasse vor mir. Auf dem Arm hat sie ein Kind, ihren Sohn vermute ich. Der hat sich gerade an einem Regal den Kopf gestoßen. Er weint und sie tröstet ihn. Als er sich beruhigt und sie ihn wieder in den Einkaufswagen gesetzt hat, klingelt ihr Handy. Es ist ihr Vater. Er scheint ein Problem zu haben. Ich höre, wie sie zu ihm sagt: Du, ich rufe da gleich an, mach dir keine Sorgen und reg Dich nicht auf, ich regle das für dich.
Da entdecke ich an ihrem Rucksack einen roten Filzanhänger. Darauf steht in weißer Schrift Heldin des Alltags. Ich muss lächeln. So sehen also Heldinnen aus. Ganz normal, ohne Catwoman-Anzug, sondern in Jeans und Pullover. Eine Frau, mitten im Leben, jeden Tag konfrontiert mit Ansprüchen. Jeden Tag gibt es viele Anforderungen zu meistern und den Alltag zu organisieren. Manchmal, das kenne ich auch, muss sie sicher drei Dinge gleichzeitig erledigen und noch mehr in ihrem Kopf haben. Und dabei muss sie ganz ohne Lichtgeschwindigkeitszusatz auskommen. Aber: Sie ist da, wenn sie gebraucht wird, sie tröstet und hilft weiter. Und manchmal rettet sie sicher auch Situationen durch Phantasie und Humor.
Um ein Heldin oder eine Held zu sein, brauche ich also gar nichts Besonderes zu sein oder zu leisten. Da wo ich lebe oder arbeite, mich einsetzen oder einbringen mit dem, was ich kann und bin, das reicht. Egal wie alt ich bin. Mich nicht zu scheuen, Verantwortung zu übernehmen und achtsam bleiben für das Leben.
Stimmt: Auch das ist manchmal schon schwer genug. Manches, was auf uns einströmt, ist nicht mit einem Fingerschnipsen zu schaffen. Unsere Kräfte sind begrenzt, das spüren wir immer wieder. Aber keine Heldin und kein Held muss alles aus sich heraus und allein schaffen. Auch wir nicht.
In der Bibel steht der Satz: Die auf Gott vertrauen, bekommen immer wieder neue Kraft, sie steigen auf mit Flügeln wie Adler. Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und werden nicht matt. (Jes 40,31)
Heldin des Alltags
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