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Unter Gottes Gnade
Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer!Sami ist eine Frau aus Marokko. Von ihrem Freund wurde sie nach Deutschland geholt, illegal, ohne Papiere.
Wie zigtausende andere lebt sie in einer Schattenwelt mit ganz eigenen Gesetzen: sie bekommt legal keine Arbeit, ist nicht versichert, rechtlos, lebt ständig in der Angst, entdeckt und abgeschoben zu werden.
Schwanger werden das wäre eine Lösung, Schwangere werden sie nicht abschieben, denken sie und ihr Freund. Aber: sie fliegt auf. Polizisten holen sie aus der Wohnung, verhaften sie. Alles Bitten hilft nicht es gibt keine Gnade. In der Verhandlung vor Gericht schildert sie ihr ganzes Dilemma: Unverheiratet schwanger sein bedeutet eine Schande in ihrer Heimat. Wenn sie zurückkehrt, ist sie eine Ausgestoßene, eine Schande für die ganze Familie. Bitte, sagt sie, lasst mich hier bleiben. In meiner Heimat gibt es für mich und das Kind keine Zukunft.
Der Richter hört sie an, das Gericht zieht sich zur Beratung zurück. Dann das Urteil: Sechs Monate Haft, zur Bewährung, danach wird sie abgeschoben. So ist das Recht. Da gibt es keine Gnade. Auch wenn der Richter nach der Urteilsbegründung in eigener Sache sagt: dass er sie versteht. Dennoch: Gnade vor Recht gibt es in diesem Fall nicht.
Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Dieser Satz steht im Alten Testament. Mitten zwischen Vorschriften und Gesetzen, Lebensordnungen und Verhaltenscodex. Er ist Teil des Segens, den die Priester den Israeliten sagen sollten, wenn sie sie segneten.
Der Herr Lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Gott blickt uns freundlich an. Er sieht uns an mit den Augen der Liebe, die er zu seinen Geschöpfen empfindet. Da liegt kein dunkler Schatten über uns, vor dem wir Angst haben müssten.
Natürlich: An Gesetze müssen auch wir uns halten. Regeln gilt es einzuhalten. Auch in der Beziehung zu Gott. Das weiß das Volk Israel sehr genau. Das wissen wir auch. Aber dennoch: Wie oft hat Gott Gnade vor Recht ergehen lassen? Ist immer wieder auf sein Volk zugegangen, hat ihre Wege verlängert, nicht abgeschnitten, hat ihnen eine verheißungsvolle Zukunft gegeben. Er hat einen Raum geschaffen, in dem Leben möglich ist, unter seinem Schutz.
Ein gnädiger Gott, der uns liebevoll sein Licht schenkt und unser Leben ins Licht taucht, uns einhüllt mit seiner Gnade. Gestalt geworden ist sie in Jesus Christus. Das haben wir gerade an Weihnachten gefeiert. Seitdem erstrahlt die Welt in einem anderen Licht. Wir müssen nur hineintreten und uns beleuchten lassen, und in diesem Licht leben.
Ich weiß nicht wie die Geschichte der jungen Frau aus Marokko weitergegangen ist. Auf jeden Fall fordert sie mich heraus: Nicht nach dem Motto zu leben: Was geht mich das an oder das wird schon werden. Wir können mit Gottes liebevollem Blick auf uns die Welt versuchen ein bisschen heller zu machen im Einsatz für Menschen, die in ihrem Land schutzlos sind und gnadenlos behandelt werden.
Denn: Gott lässt sein Angesicht leuchten über uns und ist uns gnädig.
Unter Gottes Gnade
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