Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

01.01.11, Pfarrer Dietmar Silbersiepe

Woran Promis glauben: Jürgen Becker

O-Ton: Also das ewige Leben ist als Konstruktion eigentlich nicht attraktiv, das ist zu lang.

Autor: Das meint zumindest der Kölner Kabarettist Jürgen Becker. Seit Monaten ist er unterwegs mit seinem Programm: „Ja, was glauben Sie denn – Eine kabarettistische Götterspeise“. Vor einem seiner Auftritte habe ich ihn gefragt: Und Sie, woran glauben Sie denn, Herr Becker? Glauben Sie an Gott? An ein Leben nach dem Tod?

O-Ton: Ne Zugabe hätte natürlich jeder gerne, und ich finde, dass die Religionen einen Trostfaktor haben dadurch, das man sagt, wenn jetzt’n Kind stirbt oder so was, dass das dann irgendwie ausgeglichen wird durch ein Weiterleben nach dem Tod, das ist ein ganz schöner Gedanke.

Autor: So schön, dass man auf die Idee kommen könnte, die Menschen haben sich das ausgedacht? Den Glauben an den Himmel und das ewige Leben als religiöse Selbsttherapie sozusagen?

O-Ton:  Also ich glaube Religion funktioniert so: Man denkt sich einen Punkt über sich und denkt dann, was denkt der jetzt über mich? Und dadurch kann ich auf mich selber runtergucken. Und man hat im Grunde genommen ein Navigationssystem.

Autor: Okay, da kann ich mit. Gott als ein Punkt über mir, außerhalb der sichtbaren Welt, ja klar! Sonst wär er nicht Gott. Und was der da oben über mich denkt, wie er zu mir steht, was er von mir will, das interessiert mich sehr.Ich für meinen Teil glaube: Gott hat uns alle geschaffen, damit wir seinen guten Willen auf dieser Erde beachten. Dazu hat er uns z.B. die zehn Gebote gegeben. Ein echt spitzenmäßiges Navigationssystem. Eins von ganz oben. Gott zeigt uns, wo’s lang geht und was gut für uns ist. Wir müssen’s nur tun.

O-Ton: Der Franz Meurer, ne, der katholische Pfarrer aus Höhenberg-Vingst, sagt immer: Gott regelt jar nix, dat müssen wir schon selber machen.

Autor: Genau! Was Gott uns vorgibt, setzen wir in die Tat um. Hoffentlich!

O-Ton: Es geht um den Frieden im Viertel, ne, die Leute müssen sich vertragen und sie dürfen sich nicht über die andern stellen. Ich denke einfach, die Religion fängt da an, menschenfreundlich zu werden, wo sie die Freiheit des Glaubens einfach an erste Stelle setzt und das auch für möglich hält, was der andere glaubt.

Autor: Gut, dass wir das hier mal klarstellen: Wer sein Navigationsgerät bei Gott auf Empfang stellt, wer sich von Gott den Weg zeigen lässt, der muss sich für Frieden, Freiheit und Toleranz einsetzen. Und wenn sich alle daran halten würden, hätten wir’n paar Probleme weniger in der Welt.

O-Ton:  Kann man sagen, ja.

Autor: Heißt ja alles zusammen genommen: Ist richtig gut, wenn man glauben kann: den da oben, den gibt es, dem sind wir nicht gleichgültig. Der sorgt dafür, dass wir hier auf der Erde klar kommen. Das tun wir, wenn wir uns von ihm navigieren lassen. Und am Ende, wenn wir nicht mehr sind auf der Erde, beschenkt er uns mit dem Himmel. Es sei denn: Es gibt ihn doch nicht. Und Sie Herr Becker? Was glauben Sie denn? Gibt es Gott oder ist er doch nur eine Projektion der Menschen?

O-Ton: Das muss nicht sein, dass Gott eine Projektion ist, das kann sein, muss aber nicht. Das ist, es gibt beide Möglichkeiten wissenschaftlich betrachtet. Wenn man ihn projiziert, kann er ja trotzdem da sein, das ist ja kein Widerspruch, ne.

Autor: Und wenn er da ist, was wird er wohl über Sie denken?

O-Ton: Ich leb ja immer so, dat wenn et Jott jibt, dat mer dann in den Himmel so jrade noch reinkommt, vier minus reicht aus. Und wenn sich hinterher rausstellen sollte, Jott jibt et doch nicht, dann lassen wir nach dem Tod den Kopf auch nicht hängen.

Autor: Wir bleiben im Gespräch, Herr Becker.

Audiobeitrag Woran Promis glauben: Jürgen Becker


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