Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

15.01.11, Maike Siebold

Arm, aber glücklich: Millionäre pfeifen auf ihr Geld

Früher faszinierten die Menschen Geschichten, in denen es jemand vom Tellerwäscher zum Millionär schaffte. Heute beeindrucken uns eher die umgekehrten Geschichten.

Zum Beispiel, die von Karl Radeber der bereits mit 32 Jahren Millionär war. Er besaß Luxusautos, einen Segelflieger, ein Haus in der Provence, ein Chalet in Tirol. Bei einem Urlaub in einem Fünf-Sterne-Hotel auf Hawaii hatte er ein Aha-Erlebnis. Die Glitzerwelt kam ihm nur noch künstlich und oberflächlich vor. Kurz nach seiner Rückkehr hatte er ein besonderes Erlebnis auf einer Berghütte. Die Wirtin verschüttete beim Servieren die Apfelschorle und sagte einfach nur „Jessas“. Rabeder erzählt später: „Das war einer der magischen Momente – ein Moment, der nicht für Geld zu haben ist“. Ihm wird klar: “Wenn ich nicht jetzt mein Leben von Grund auf ändere, werde ich es nie mehr tun.“ Er verkauft sein ganzes Habe und gründet die Stiftung „MyMicrocredit" – mit dem Ziel Kleinkredite zu günstigen Konditionen an verwaiste Kinder in Südamerika zu vergeben. Mit diesem Geld können sie sich eine berufliche Existenz aufbauen. Karl Radeber selbst lebt  in einer kleinen Wohnung, von wo aus er sich der neuen Arbeit widmet.

Dem Amerikaner John Wood erging es ähnlich. Er arbeitete als hoch dotierter Manager bei Microsoft. „Mein Job hatte Annehmlichkeiten“ erklärte er. „Die Reisen, die Kreditkarte, der Chauffeur, das Büro, in dem eine Fußballmannschaft hätte trainieren können. Es sah alles wirklich gut aus - aber es hat mich nicht befriedigt. Da war eine Leere. Ein Unbehagen.“ Auch bei ihm wurde eine Reise – in diesem Fall nach Nepal -zum Wendepunkt in seinem Leben. Er kündigte seinen verantwortungsvollen Job, um Schulen in der sogenannten Dritten Welt zu bauen und gründete die Hilfsorganisation Room to Read. Mittlerweile besuchen 1,5 Millionen Kinder in Asien und Afrika Schulen, die von seiner Organisation finanziert wurden. Der Schwede Curt Degerman erkannte es schon vor einem möglichen Luxusleben, das Geld ihn nicht glücklich machen würde. Er lebte als Stadtstreicher als er mit 60 Jahren an einem Herzinfarkt starb. Die Gäste auf seiner Beerdigung sagten: "Es ist besser für ihn, als noch einen Winter durchzustehen". Zu diesem Zeitpunkt wusste keiner, dass der Verstorbene Millionär war. Sein Nachlass belief sich auf 1,2 Millionen Euro. Jahrzehntelang zog Degerman von Mülltonne zu Mülltonne auf der Suche nach Pfandflaschen. Nach vollbrachtem Tageswerk ging er in die Stadtbücherei, wo er sich ein beachtliches Wissen über die Welt der Börse aneignete. Seine Pfandeinnahmen investierte er in Aktien und baute so ein Vermögen auf.

Die drei ganz verschiedenen Männer aus unterschiedlichen Ländern haben eines gemeinsam: Ihre Radikalität im Umgang mit Geld und Besitz. Sie tun genau das, was Jesus von den Reichen fordert., „Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben,“ (Mk 10,17-27)  sagt Jesus dem reichen Jüngling im Markus-Evangelium. Er hatte gefragt, was er tun müsse, damit ihm ewiges Leben sicher sei. Die Antwort gefällt dem reichen Jüngling nicht - er fühlt sich überfordert und zieht sich enttäuscht zurück. 

Über das konsequente „Abgeben“ machen wir uns ungern Gedanken. Wir beruhigen uns meist selbst, in dem wir immer mal wieder ein wenig von unserem Überfluss abgeben und z.B. spenden. Doch die Forderung Jesu ist deutlich radikaler: Er will, dass wir alles den Armen geben. Für mich persönlich ist das eine große Herausforderung. Ich kann und will nicht alles verkaufen, aber ich kämpfe stets für gerechtere Strukturen – für eine gerechtere Verteilung des Geldes und gebe oft viel. In der Tat - Geld allein macht nicht glücklich.

 

Audiobeitrag Arm, aber glücklich: Millionäre pfeifen auf ihr Geld


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen