Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

10.01.11, Pfarrerin Annette Krüger

Lass dich nicht vom Bösen überwinden

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer!Wie du mir so ich dir! So lautet eine alte Regel. Und vieles in unserer Welt funktioniert auch nach diesem Prinzip.

Wer etwas einstecken muss, teilt genauso wieder aus. Ein Wort gibt das andere und manchmal endet das Ganze in handfesten Auseinandersetzungen. Niemand von uns kann sich sicherlich davon freisprechen, nicht schon einmal rachsüchtige Gedanken gehabt zu haben oder den Wunsch zu fühlen, es anderen mit gleicher Münze heimzuzahlen. Was daraus werden kann, wenn wir uns da hineinsteigern, wissen wir allzu gut: Gewalt erzeugt Gegengewalt und schon ist eine Spirale in Gang gesetzt, der nur schwer zu entkommen ist.

„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem!“ Diesen Satz hat der Apostel Paulus aufgeschrieben. Er ist das christliche Motto für dieses Jahr.  Auch eine alte Regel. Sie will uns anstiften, die Spirale der Gewalt zu unterbrechen und nach anderen Wegen zu suchen, Konflikte auszutragen.

Eine Geschichte dazu habe ich auch in der Bibel gefunden. David und seine Krieger hatten einen ganzen Sommer lang die Herden des reichen Gutsbesitzers Nabal vor wilden Tieren und einfallenden Räuberbanden beschützt. Mit den Viehhirten waren sie gut ausgekommen und nun stand das große Fest der Schafschur an.

David ging davon aus, dass sein Arbeit damit belohnt würde, dass er und seine Männer zu dem Fest eingeladen würden. Aber Nabal lachte nur darüber und dachte gar nicht daran, diesem hergelaufenen Kerl Gastfreundschaft zu gewähren. Was bildete der sich eigentlich ein?

David war tief in seiner Ehre verletzt. Er war wütend und wollte sich rächen. Alles was männlich war in der Familie Nabals, wollte er ausrotten. Seine Männer fanden das toll und machten sich mit David auf den Weg.Nabal hatte eine Frau, Abigail, die hörte davon, was zwischen den beiden Männern vorgefallen war. Und blitzschnell war ihr klar: Ich muss etwas tun, um das Schlimmste zu verhindern. Sie ließ Rosinenkuchen backen, lud diese zusammen mit Brot, gebratenes Fleisch und Wein auf einen Esel und ritt David entgegen. Als sie ihn erreichte, warf sie sich vor ihm auf den Boden.  Mutig und couragiert fand sie die richtigen Worte und bot ihm ein Versöhnungsessen an. Und David, versöhnt und zufrieden gestellt, ließ von seinem blutigen Vorhaben ab.

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Guten. Abigail hat klug und mit Phantasie dem Bösen Gutes entgegengesetzt.Das ist eine gute Anregung für unsere Alltagskonflikte. Miteinander reden, sich an einen Tisch setzen, Fehler eingestehen, dem andern seine Würde lassen. Wir haben ungeahnte Möglichkeiten. Sicher kann ich nicht verhindern, dass ich manchmal wütend reagiere, mich ärgere, verletzt werde, mich ungerecht behandelt fühle. Aber ich kann entscheiden, wie ich damit umgehe. Lasse ich mich davon bestimmen und lähmen oder schaffe ich es, es ein Stück auf Distanz zu halten und dadurch handlungsfähig zu bleiben. Dann können wir kreativ und mutig, beherzt und klug unsere Möglichkeiten entdecken und manchmal können dann kleine Wunder der Versöhnung geschehen.

Audiobeitrag Lass dich nicht vom Bösen überwinden


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