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Orientierung für ein neues Jahr
Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer! Wie ein Buch mit 365 unbeschriebenen Seiten liegt das neue Jahr vor uns.
Am Ende dieses Jahres werden darin Geschichten zu lesen sein. Geschichten von Glaube, Hoffnung und Liebe. Geschichten aber auch von Gewalt, Hass und Krieg. Sie werden davon erzählen, wie in diesem Jahr Menschen einander geholfen und bekämpft, gerettet und vernichtet haben. An den meisten Geschichten werden Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, und ich nicht mitgeschrieben haben. Manche aber werden deutlich unsere Handschrift erkennen lassen
Was können wir tun, damit das Jahr 2011 ein möglichst friedliches Jahr wird?
Die Jahreslosung, also der christliche Leitspruch für das neue Jahr, weist uns den Weg: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Diesen Rat gab der Apostel Paulus den Christen in Rom im ersten Jahrhundert. Es ist noch heute ein guter Rat. Wer ihm folgt, dient dem Frieden.
Lass dich nicht vom Bösen überwinden. Mir gefällt, dass Paulus ehrlich ist. Nüchtern rechnet er mit Menschen, die böse sind und Böses tun. Und er hat Recht. Auch im neuen Jahr wird es Böses geben, selbst wenn wir uns heute Gutes wünschen und vornehmen. Menschen werden einander Böses antun. Ehepartner werden einander verletzen, Nachbarn gegeneinander vor Gericht ziehen, Schulkameraden einander drangsalieren, Völker übereinander herfallen. Auch uns selbst werden wir dabei ertappen, wie wir Böses denken, empfinden und tun...
Paulus macht sich und anderen nichts vor. Nüchtern sieht er die Wirklichkeit, wie sie ist. Zugleich ist er aber davon überzeugt, dass die Wirklichkeit ganz anders sein könnte und müsste. Deshalb fährt er fort: Überwinde das Böse mit Gutem. Das ist ein ungewöhnlicher Rat. Die meisten Menschen tun etwas anderes. Die meisten Menschen versuchen das Böse mit Bösem zu überwinden: Ein Ehemann beleidigt seine Frau im Streit. Darauf hin gräbt sie alte Geschichten wieder aus, die eigentlich längst erledigt waren. Ein Schüler macht sich über einen Klassenkameraden lustig. Dieser holt zu einem Faustschlag aus. Und was zwischen einzelnen Menschen täglich geschieht, prägt mitunter auch die so genannte große Politik. In der Politik mancher Länder gehört das Wort Vergeltungsschlag zum normalen Sprachgebrauch
Überwinde das Böse mit Gutem. Paulus weiß aus Erfahrung: Man kann Böses nicht wirksam mit Bösem bekämpfen. Wer das versucht, macht alles nur noch schlimmer. Der Ehestreit eskaliert und endet womöglich mit einer Scheidung. Die Auseinandersetzung zwischen Jugendlichen mündet in eine handfeste Schlägerei. Vergeltungsschläge heizen einen Konflikt zwischen Staaten eher an, als dass sie ihn lösen.
Aus seinem Glauben weiß der Apostel: Man muss Böses auch gar nicht mit Bösem bekämpfen. Jesus hat es vorgemacht: Als seine Gegner ihn beleidigten, schlug er nicht zurück, sondern warb mit Argumenten und Geschichten um ihr Einverständnis. Als sie ihn schließlich kreuzigten, betete er: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Wer dem Rat des Apostels Paulus folgt, wird gute Geschichten für das Jahr 2011 schreiben. Geschichten von Glaube, Hoffnung und Liebe.
Orientierung für ein neues Jahr
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