Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

30.12.10, Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann

neue Zeitrechnung

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer! Morgen geht das Jahr 2010 zu Ende. Das Jahr 2010 nach Christi Geburt.

Unsere Zeitrechnung orientiert sich also an der Geburt Jesu Christi, an Weihnachten.

Das kann man nicht nur an den alten Fachwerkhäusern bei uns im Lipperland gut erkennen. Oft sind einer oder mehrere Bibelsprüche an die Fassade gemalt, dazu das Baujahr des Hauses, zum Beispiel: A.D. 1752. Anno Domini, im Jahr des Herrn 1752 wurde dieses Haus erbaut.

Unsere Zeitrechnung richtet sich nach der Geburt Jesu Christi, weil zu Weihnachten eine neue Zeit angebrochen ist. Ich weiß: Das ist eine kühne Behauptung, und ich höre schon den Einwand der Kritiker: „Mit Jesus Christus soll eine neue Zeit angebrochen sein? Stimmt das denn? Sicher, in der Nacht seiner Geburt haben die Engel vom Frieden auf Erden gesungen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens!“ Aber wo ist denn der versprochene Friede? Immer neue und immer grausamere Waffen  haben die Menschen seitdem erfunden und damit einander das Leben zur Hölle gemacht. Gerade Menschen, die sich Christen nannten, haben sich nicht als Friedensstifter sondern als Kriegstreiber betätigt. Nicht einmal in allen christlichen Gemeinden herrscht Friede. Wie überall sonst streiten sich dort Menschen, sind eifersüchtig, spielen ihre Machtspiele. Das soll eine neue Zeit sein?!

Die Kritiker haben Recht mit ihrem Einwand.  Trotzdem bleibe ich dabei: Mit der Geburt Jesu Christi ist eine neue Zeit angebrochen. Unsere Vorfahren in der Zeit der Alten Kirche haben sich und anderen das anschaulich vor Augen geführt. Wenn sie getauft und damit in die Kirche Jesu Christi aufgenommen wurden, zogen sie weiße Kleider an. Damit zeigten sie es allen: „Ich gehöre jetzt zu Jesus Christus und alles ist neu geworden.“

Alles ist neu geworden. Wer getauft ist, weiß: Ich gehöre zu Jesus Christus. Er ist mein Herr und niemand sonst. Deshalb bin ich frei. Frei, mich nicht an das zu klammern, was schon immer gegolten hat. Frei, mich nicht von dem leiten zu lassen, was die anderen sagen. Frei, neue Wege zu gehen und Neues zu entdecken. - Wer getauft ist, weiß das. Gott nagelt mich nicht auf das fest, was ich in meinem Leben versäumt, verdorben und verpfuscht habe. Er verurteilt mich nicht, sondern sagt zu mir: „Schlag eine neue Seite auf. Fang neu an!“

In vielen evangelischen Kirchengemeinden in Deutschland wird das Jahr 2011 das Jahr der Taufe sein. Das Motto heißt: „Gottesgeschenk! Jahr der Taufe 2011.“ Die Menschen, die bereits getauft sind, möchten wir an ihre Taufe erinnern und daran, dass sie seit ihrer Taufe in einer neuen Zeit leben. Die anderen wollen wir einladen neu zu beginnen und sich taufen zu lassen. Dabei werden wir auch dies sagen: Wer neu anfängt, darf das nicht für sich alleine tun. Vor allem darf er anderen Menschen den Neuanfang nicht verweigern. Wer getauft ist, darf andere Menschen nicht auf ihre Fehler und Versäumnisse festlegen. Eigentlich müsste das dazu führen, dass zerstrittene Menschen wieder zueinander finden. Eigentlich müssten getaufte Menschen Friedensstifter sein. Ich jedenfalls will die Hoffnung nicht aufgeben, dass im neuen Jahr getaufte Christen Boten einer neuen Zeit sind. Der neuen Zeit, die mit der Geburt Jesu Christi angefangen hat.

Audiobeitrag neue Zeitrechnung


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