| |
sich Zeit nehmen
Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer! Waren in Ihrer Weihnachtspost auch Rundbriefe? Sie wissen schon:
Das sind jene computergeschriebenen vervielfältigten Briefe, die manche Menschen an ihre Verwandten, Freunde und Bekannten schicken. Meistens sind solche Rundbriefe sehr informativ:
Sprecherin: Walter ist am Anfang des Jahres zum Oberinspektor befördert worden. Im Frühjahr hatte die ganze Familie eine hartnäckige Erkältung, von der wir uns erst nach Wochen wieder erholt haben. Lisa ist in der Schule abgesackt; sie kommt mit ihrer neuen Klassenlehrerin nicht gut zurecht. Leon geht jetzt zur Musikschule und lernt Klarinette.
Zum Schluss kommen dann die Weihnachts- und Neujahrswünsche und manchmal ist noch eine kleine handschriftliche Notiz angefügt:
Sprecherin:Wir müssen uns im neuen Jahr unbedingt mal wieder sehen!
Einerseits lese ich solche Rundbriefe gern, denn sie befriedigen ausgiebig meine Neugier. Die Tatsache, dass mein Name noch im Verteiler des Absenders steht, zeigt mir außerdem, dass die freundschaftliche Verbindung noch vorhanden ist. Andererseits erzeugen Rundbriefe in mir eine gewisse Ratlosigkeit: Wie soll ich darauf antworten? Ich müsste mir sehr viel Zeit nehmen, um auf all das Erzählte einzugehen. Ich müsste Walter zu seiner Beförderung gratulieren und ihn fragen, ob damit auch ein neuer Aufgabenbereich verbunden ist. Bestimmt trägt er jetzt mehr Verantwortung. Die Familienerkältung würde ich in meinem Brief nicht zum Thema machen, aber Lisas Schulleistungen wären zu erwähnen. Haben die Eltern schon daran gedacht, Lisa die Schule wechseln zu lassen? Und Leon müsste ich für den Klarinettenunterricht Mut zusprechen. Er braucht ja in jeder Hinsicht einen langen Atem, um das Instrument spielen zu können. Ich könnte ihm davon erzählen, dass unsere Kinder manchmal keine Lust zum Üben hatten, aber durchgehalten haben und heute ganz passabel ihre Instrumente spielen.
Ich müsste mir sehr viel Zeit nehmen, um auf die Rundbriefe zu antworten, die auf meinem Schreibtisch liegen. Will ich das und kann ich das? Ich will es mir vornehmen. Vor wenigen Tagen erst haben wir Weihnachten gefeiert. Wir haben uns daran erinnert, dass mit der Geburt des Jesuskindes in Bethlehem Gott selbst in unsere Welt gekommen ist. Ich könnte auch sagen: Gott hat sich Zeit für uns genommen. Wie gut das den Menschen getan hat, erzählen die Geschichten von dem erwachsenen Jesus. Einmal zum Beispiel heilt Jesus in Jerusalem einen Gelähmten. Aber nicht husch-husch und Hier haben Sie ein Rezept, sondern aufmerksam und geduldig. So stellt er dem Kranken auch die Frage, die für jede Heilung schlechterdings grundlegend ist: Willst du gesund werden?
Gott hat sich Zeit für uns genommen und er nimmt sie sich bis heute. Sonntags im Gottesdienst zum Beispiel. Da ist er bei uns, wenn wir singen und beten, auf Gottes Wort hören und uns am Abendmahlstisch oder Altar versammeln.
Weil Gott für mich Zeit hat, will ich im neuen Jahr auch Zeit haben Zeit für die Menschen, mit denen ich in Familie und Freundeskreis verbunden bin. Ich will ihnen schreiben und es kann ja auch eine E-Mail sein. Ich will mich telefonisch bei ihnen melden und mich mit einzelnen auch treffen. Ob ich dazu die Zeit haben werde? Nun, das neue Jahr hält 52 Sonntage bereit. Freie Zeit, die Gott mir schenkt. Warum sollte ich nicht etwas von dieser freien Zeit weiter verschenken?
sich Zeit nehmen
|