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Johannes der Täufer
Er war ein Mensch, der mit anderen Menschen vielleicht nicht so zurechtkam. Wir würden ihn heute einen Aussteiger oder einen öffentlichen Agitator nennen,
liebe Hörerinnen und Hörer. Er lebte in der Wüste von Judäa, dorthin hatte er sich zurückgezogen. Abseits aller Kultur und Zivilisation wollte er sein, um Gott zu finden. Er ernährte er sich dort von Honig wilder Bienen und von Heuschrecken. Er kleidete sich mit einem groben Mantel aus Kamelhaar mit einem schlichten Gürtel aus Leder. Die Rede ist von Johannes dem Täufer. In der Adventszeit erinnern wir uns besonders an ihn, weil er angekündigt hat, dass Jesus in unsere Welt kommen wird. Johannes ist ein Hinweis auf Jesus. Seinen Weg will er vorbereiten, seine Ankunft ansagen. Johannes ist eine Adventsgestalt, ein Asket, der fragt: Kommen wir mit weniger aus, wenn wir uns auf Gott einlassen?
Johannes war ein Mann, der sehen konnte, und zwar nicht nur mit den Augen, sondern auch mit dem Herzen. Er sieht mehr als andere Menschen erkennen können, weil er in die Tiefe blicken kann. Was er sieht, ist eine Menschheit, die an ihr Ende gekommen ist, die müde geworden ist und sich in ihrer Müdigkeit selbst bedroht. Bei seiner Kritik nimmt er kein Blatt vor den Mund und verschont niemanden. Seine Hörer beschimpft er, bezeichnet sie als Schlangenbrut und Otterngezücht. Denkt nicht, dass es so weitergeht wie bisher. Den Bäumen, die in die Himmel wachsen, ist schon die Axt an die Wurzeln gelegt. Wenn sie keine guten Früchte bringen, werden sie abgehauen. Egal ob es der König Herodes ist, den er wegen seines Lebensstils anprangert, oder ob es die Leute sind, die zu ihm in die Wüste kommen. Ändert euer Leben und kehrt um!
Man kann ihn mit Martin Luther King vergleichen, der von sich gesagt hat: Ich möchte, dass ihr an meiner Bahre sagt, dass ich ein Trommler war für Gerechtigkeit, für Frieden, für Gottes Wort. Wenn ich einem von euch den Weg zur Erlösung gezeigt und die Botschaft des Herrn verbreitet habe, dann war mein Leben nicht umsonst.
Jesus gehörte wohl zu den Jüngern Johannes des Täufers. Einige Zeit wird er mit ihm in der Wüste gelebt haben. Dessen Botschaft vom nahen Gericht Gottes hat er gehört. Johannes sagt, dass man sich im Fluss Jordan taufen lassen soll, um diesem Gericht zu entkommen. Deshalb wünschen sich manche heute auch Jordanwasser bei der Taufe. Nach ihm aber wird einer kommen, der nicht mit Wasser taufen wird, sondern mit apokalyptischem Feuer. Die Taufe des Johannes versteht er als letzte Möglichkeit, einem schrecklichen Ende zu entkommen. Jesus lässt sich von Johannes im Jordan taufen. Dabei öffnet sich er Himmel und der Geist Gottes kommt auf Jesus herab. Gottes Stimme sagt: Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.
In einer Darstellung von Mathias Grünewald auf dem Isenheimer Altar in Colmar ist Johannes so dargestellt, dass er mit einem überlangen Finger auf Jesus zeigt. Er, der Zeiger, weist auf den hin, der zu uns kommt. Seine Ehre ist es, auf Jesus hinweisen zu dürfen.
Fragen wir im Advent: Wie kommt Jesus zu uns? Die Antwort ist: Er kommt zu uns, indem er sich klein macht und sich so erniedrigt, dass er zu uns passt. Er trägt das Licht der Liebe Gottes bis in die tiefste Dunkelheit hinein.
Das wünsche ich Ihnen für heute, dass Sie etwas von seinem Licht sehen können.
Johannes der Täufer
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