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Rechenschaft geben
Dass Jesus am Ende aller Zeiten wieder auf die Erde kommen wird, das wird, liebe Hörerinnen und Hörer, seit alters her im Advent bedacht.
Die Adventszeit will uns daran erinnern: Jesus kommt noch einmal auf die Welt und dann werden wir Rechenschaft ablegen müssen über das, was wir getan und gedacht haben und auch über das, was wir nicht getan und nicht bedacht haben. Das kann einem vielleicht Angst machen. Das kann einen aber auch motivieren, sich besondern anzustrengen und sein Bestes zu geben.
In der Bibel wird uns dazu eine ganz eigenartige Erzählung überliefert: Das Gleichnis von den so genannten unterschiedlichen Talenten oder den verschiedenen Gaben. Jesus selbst erzählt es seinen Hörern. Er schildert darin einen Herrn, der seine Knechte mit finanziellen Mitteln für die Arbeit ausgestattet hat, sich dann auf Reisen begibt und nach seiner Rückkehr Abrechnung hält.
Der erste Knecht erhält fünf Zentner Silber. In der Abwesenheit seines Herrn treibt damit Handel und gewinnt dadurch fünf weitere Zentner Silber dazu. Der zweite erhält zwei Zentner Silber. Auch er handelt damit und verdoppelt sein Vermögen ebenfalls. Der dritte Knecht bekommt nur einen Zentner Silber. Aber der hat Angst vor seinem Herrn. Aus Furcht, das Silber zu verlieren, vergräbt er es in der Erde, um es ihm dann eines Tages wiedergeben zu können. Als der Besitzer schließlich nach langer Zeit zurückkommt und von seinen drei Knechten Rechenschaft über das anvertraute Silber fordert, lobt er die beiden, die das Vermögen durch Handel verdoppelt haben. Der dritte aber, der seinen Zentner Silber ängstlich in der Erde verbarg, dem wird dieser Zentner Silber abgenommen und er wird bestraft.
War er zu faul oder zu bequem? Ich glaube, er hatte Angst, etwas falsch zu machen. Und diese Angst hat ihn dermaßen gelähmt, überhaupt auch nur irgendetwas mit dem zu machen, was ihm anvertraut wurde. Er hat alles vertan, weil er aus Angst am Ende überhaupt nichts getan hat.
Vielleicht ist es diesem ängstlichen Menschen so ergangen, wie wir das ja auch kennen. Wir vergleichen uns mit anderen, wir schauen links und rechts neben uns und prüfen dabei das, was wir an Begabungen mitbekommen haben; das, was wir können. Wir berechnen daraus unsere Möglichkeiten, im Leben voranzukommen. Dabei stellen wir immer wieder sofort fest: Es gibt viele, die besser sind als wir, die schneller vorankommen, weil sie schlauer sind, oder geschickter auftreten können, weil sie gut reden können und ein größeres Selbstbewusstsein haben. Wie in einem Wolfsrudel ergibt sich daraus eine Rangordnung. Der eine hat und kann mehr, der andere weniger, manche stehen ganz unten.
Da wir uns aber immer mit anderen messen und vergleichen, übersehen wir, dass wir selbst reich beschenkt worden sind. Wir neigen dazu, unsere Fähigkeiten gering einzuschätzen, wenn wir feststellen, dass andere mehr können und mehr haben. Das führt dazu, dass wir unser Leben und unser Können nicht mehr als ein Geschenk annehmen, dass wir dabei übersehen, wie viel wir von Gott geschenkt bekommen haben. So vergraben wir uns buchstäblich selbst.
Jesus möchte mit dieser Erzählung keine Angst machen. Er möchte uns vielmehr die Angst nehmen und uns dazu ermutigen, mit unseren Fähigkeiten so umzugehen, dass wir sie für uns und für andere zum Guten nutzen. Wer sein Leben einzig dazu nutzt, es zu retten und zu bewahren, der wird es mit tödlicher Sicherheit verlieren. Der allzu Ängstliche wird leer dastehen. Der aber, der hingeht und sein Leben nutzt, für sich und für andere, der es nicht brach liegen lässt, wird am Ende reich sein.
Rechenschaft geben
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