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Warten
Folgende Situation kennen Sie so gut wie ich, liebe Hörerinnen und Hörer: Sie haben jemanden eingeladen, und steht das Treffen unmittelbar bevor.
Es ist ein guter Freund, den Sie erwarten und den Sie lange nicht gesehen haben. Sie freuen sich sehr auf diesen Besuch, denn Sie haben sich viel zu erzählen. Weil Sie ihrem Gast den Aufenthalt so angenehm wie möglich machen möchten, überlegen Sie vorher genau, welches Essen es geben soll, welchen Wein Sie trinken werden und wie Sie den Tag gestalten werden. Am Abend vor dem Besuch gehen Sie vor dem Einschlafen in Gedanken noch einmal alles durch. Hab ich auch an alles gedacht? Ein Ereignis wirft seine Schatten voraus. Wenn uns etwas am Gelingen eines Besuches liegt, dann machen wir uns vorher Gedanken. Wir malen es uns in den schönsten Farben aus, wie es werden wird.
Die vier Wochen vor Weihnachten, die Adventszeit, ist eine Zeit des Wartens. Das lateinische Wort Advent heißt ja auf Deutsch Ankunft. Wir erwarten einen Gast. An Weihnachten ist Gott in diese Welt gekommen, so wie ein Gast uns besucht. Das Besondere daran ist, Gott selbst ist ein Mensch geworden ist. Er ist kein Wesen fernab von uns. Wir müssen uns auch nicht bemühen eine Verbindung aufzunehmen. Nein, es ist genau umgekehrt: er selbst kommt zu uns. Er nimmt Verbindung zu uns auf.
Nicht erst Christen warten darauf, dass Gott in diese Welt kommt und sie endgültig erneuern wird. Schon das Judentum ist von dieser Erwartung tief geprägt. In der Bibel gibt es eine Fülle von schönen Texten, die das beschreiben, wie es sein wird, wenn Gott uns begegnet. Der Prophet Jesaja beschreibt das einmal so:
Sprecherin: Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden. Dann werden die Lahmen springen wie ein Hirsch. Dann werden Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme im dürren Land. Es wird dort eine Bahn sein, die der heilige Weg heißen wird. Es wird da kein Löwe sein und kein reißendes Tier wird darauf gehen; sie sind dort nicht zu finden, sondern die Erlösten werden dort gehen.
Hier wird mutlosen Menschen Hoffnung gemacht. Da, wo wir Wüste und dürres Land sehen, werden Brunnen entstehen und es wird Wasser fließen. Aus der Dürre wird Fülle. Da, wo wir blind sind und nicht sehen können, wir nicht hören und nicht verstehen können, wo wir gelähmt sind, da werden unsere körperlichen und seelischen Gebrechen heil werden. Gott wird einen Weg in die Zukunft öffnen, der ein Weg ohne Gefahren und Unheil sein wird.
So wie ein bevorstehender Besuch eines Gastes Bilder und Vorstellungen in uns auslöst, so ist es auch mit diesem biblischen Text: der Prophet Jesaja stellt sich vor, wie es sein wird, wenn Gott zu uns kommt. Gott wirft schon sein Licht voraus. Und dieses vorausgeworfene Licht verändert uns und unsere Welt.
Warten
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