Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

13.12.10, Pfarrer Albrecht Philipps

Der Sämann

Es gibt ein Lebensgefühl, das so verbreitet ist, dass es wohl alle kennen: Alles ist im Leben eigentlich nutzlos und vergeblich.

Es bleibt am Ende wenig bis gar nichts von meinem Leben übrig. Der Aufwand, den ich treibe, steht in keinem Verhältnis zu dem, was dabei rauskommt. Immer wieder mühe ich mich ab, den Stein den Berg hinaufzurollen, aber wenn ich fast oben angekommen bin, dann rollt er wieder hinunter. Über diesem allem steht die Frage: Lohnt sich mein Leben überhaupt?

Jesus kannte dieses Lebensgefühl auch. Deshalb erzählt er von einem Bauern, der das Saatgut auf dem Acker ausbringt. Aber dieser Sämann tut das nicht so, wie man das seit jeher und bis heute macht. Er prüft nicht vorher genau, wo er was aussät und beachtet dabei auch nicht, was da im Jahr zuvor gesät und geerntet wurde. Er stellt keine Proben zur Bodenqualität an. Er bereitet auch nicht den Acker vor, zumindest hören wir nichts davon.   Nein, all das macht er nicht. Dieser Sämann nimmt den wertvollen Samen in die Hand und wirft ihn einfach auf das Land. In alle vier Winde. Auf vier verschiedene Böden fällt die Saat dabei: Ein Teil der Samen, so erzählt es Jesus, fällt auf den Weg. Da kommen die Vögel und fressen es auf. Ein zweiter Teil fällt dabei auf felsigen Boden, die Saat geht zwar auf, aber weil sie keine tiefe Erde hat, verdorrt sie bald in der Sonne. Ein dritter Teil fällt unter die Dornen. Und die Dornen wachsen schneller als die Saat und ersticken sie schon im Keim. Das letzte Viertel schließlich fällt auf gutes Land. Dieser Teil der Saat geht auf und bringt viele Früchte hervor, dreißigfach, sechzigfach, ja sogar hundertfach ist der Ertrag.

Dieses Gleichnis erzählt uns Jesus, weil er damit uns damit Hoffnung geben will. Aber bevor Jesus von der Hoffnung, vom Erfolg des Sämanns spricht, redet er erstmal ausführlich vom Misserfolg. Dreiviertel der Saat ist verloren: von den Vögel gefressen, von der Sonne versengt und von den Dornen erstickt. So ist das auch mit dem, was wir planen und tun. Es gelingt uns bei weitem nicht alles, nicht jede Saat geht auf. Ein großer Teil unserer Arbeit und unseres Sorgens im Leben ist umsonst.

Da ist das Mühen um die eigene Gesundheit. Und auf einmal wird man doch schwer krank; oder ein Unfall durchkreuzt alle Lebenspläne. Da sorgen sich Eltern um ihren Sohn, wollen das Beste für ihn, sie investieren viel Zeit und Kraft in die Erziehung. Dann gerät er auf die schiefe Bahn, kommt in schlechte Kreise und nimmt Drogen. Achtzehn Jahre wird er alt, da stehen die Eltern mit Tränen am Grab ihres Sohnes. Saatgut, das verloren ist?

Da kann man schon mutlos und auch depressiv werden. Aber Jesus formt dieses Lebensgefühl um in ein Gefühl von Hoffnung und Gewissheit: Am Ende wird es sich doch lohnen. Am Ende geht doch die Saat auf. Vielleicht anders, als wir uns das gewünscht haben. Sicher auch weniger, als wir gewollt haben. Und vielleicht sind wir in unserer Leere und in unserem Scheitern Gott näher als in unserem Reichtum und dem Erfolg, den wir uns ja doch lieber selbst zuschreiben. Denn Gott wird unser Leben letztlich für sich als erfolgreich bezeichnen, trotz aller Rückschläge, die sicher vorhanden sind. Er lässt hundertfältigen Ertrag auf seinem Acker, in unserm Leben, wachsen.

Diese Gewissheit wünsche ich Ihnen an diesem Montag.

Audiobeitrag Der Sämann


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