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Nichts Neues (Lukas 2 / 2. Mose 3, Vers 14)
Sie haben ein neues Update bekommen. Auf dem Bildschirm meines Laptops öffnet sich ein kleines Fenster.
Alle Nasen lang erscheint dort irgendein Bildchen und macht mich darauf aufmerksam, dass es eine neue Software, eine neue Versicherung oder einen neuen Telefontarif gibt. Diesmal gibt es also wieder was zum Runterladen. Ob ich es installieren möchte, werde ich gefragt. Wobei ich die Wahl habe zwischen jetzt und später. Eigentlich möchte ich lieber später. Genau genommen möchte ich aber überhaupt nicht. Ich will auch das neue Bildbearbeitungsprogramm nicht haben, das mir im zweiten Fenster angeboten wird. Und auch kein neues Computerprogramm bestellen, das im dritten Fenster zu sehen ist. Nein, will ich nicht! Ich will überhaupt nichts Neues mehr! Es gibt Tage, an denen ich nicht mal die Zeitung lesen möchte, mit all den endlosen Neuigkeiten, die sowieso kein Mensch behalten kann. Manchmal will ich, dass wenigstens für ein paar Tage alle Dinge einfach mal genau so bleiben, wie sie sind. Schluss, aus, Ende! Datenspeicher voll!
Da bin ich eigentlich ganz froh, dass jetzt wieder Weihnachten ist, genauso wie jedes Jahr. Mit Weihnachtsmarkt, Glühwein und dem ganzen Programm. Und mit der immer gleichen Weihnachtsgeschichte von dem Kind, das damals in Bethlehem zur Welt kam, der großen alten Erzählung von dem zerbrechlichen kleinen Wesen, durch das Gott uns zeigt, dass er aufseiten der Hilflosen und Schutzbedürftigen steht.
Gott sei Dank mal nichts Neues, sondern das Altvertraute, das, was ich jedes Jahr gerne wieder von Neuem höre: Jesus kommt auf der Durchreise in einem Stall zur Welt, ohne medizinische Betreuung. Er muss auf jeden Schlafkomfort verzichten. Das einzige, was in der Notunterkunft als Schlafstelle zur Verfügung steht, ist ein Behälter, aus dem das Vieh sein Futter frisst. Und wie jedes Jahr gibt uns Gott durch diese Geschichte zu verstehen, wie er ist: nicht himmelweit entfernt, sondern so nah wie die mittellose Kleinfamilie von nebenan. Mit dem Kind in der Krippe veranschaulicht Gott, wie er von uns gesehen werden möchte. Nicht als unerreichbares, gesichtsloses Wesen, sondern als handfeste Wirklichkeit. Als jemand aus Fleisch und Blut, der zum Greifen nahe ist. Ein Gott der kleinen Leute, dem es nichts ausmacht, sich unter arme Schlucker und Habenichtse zu begeben. Das ist schwer zu begreifen und im Alltag leicht zu übersehen. Deshalb muss Gott uns das wohl jedes Jahr mit derselben alten Geschichte neu deutlich machen. Damit wir ihn nicht als graue Eminenz hinter die Wolken abschieben. Wo wir ihn dann einen guten Mann sein lassen, während wir hier unten in Neuigkeiten, Updates und Downloads ersticken.
Ich bin, der ich bin. So stellt sich Gott an einer anderen Stelle der Bibel vor. Man kann auch übersetzen: Ich werde sein, der ich sein werde. Mit andern Worten: Es gibt von Gott nichts Neues zu befürchten. Er beunruhigt uns nicht durch den ständigen Wechsel der Verhältnisse und belästigt uns nicht mit immer neuen Versionen seines göttlichen Wesens. Er ist und bleibt, wie er ist. Und wie er sich uns Weihnachten vorgestellt hat. Der Anker in unserem aufgewühlten Meer, der Fels in unserer wilden Brandung. Er ist, der er immer war. Und er wird morgen noch genau derselbe sein wie heute. Jederzeit, Tag für Tag und alle Jahre wieder.
Nichts Neues (Lukas 2 / 2. Mose 3, Vers 14)
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