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Jesus hat viele Gesichter! / Heute: Jesus, der Frauenversteher (vgl. Mk 5,27ff)
Männer und Frauen passen nicht zusammen. Das weiß inzwischen jedes Kind. Männer können nicht zuhören und Frauen nicht einparken.
Außerdem sind Frauen von der Venus und somit anders. Männer hingegen sind vom Mars. Anders sind sie aber auch. Glaubt man den gängigen Klischees und den zahlreichen Ratgebern zu Beziehungsfragen.
Dabei kann das Verhältnis zwischen Männern und Frauen so einfach sein. Viele Frauen suchen einen Mann, der sich in sie hineinversetzen kann, mit ihnen fühlt, sie achtet und respektiert. Ein Mann, der auch mal im Hintergrund steht und Frauen gleichberechtigt begegnet. Einer, der ihnen gut tut. Der sie einfach versteht.
Jesus ist so ein Mann, der Frauen versteht. Sogar ohne Worte. Das verdeutlicht zumindest die biblische Geschichte von der blutflüssigen Frau. Seit zwölf Jahren leidet sie an dieser Krankheit. Man muss nicht weiblichen Geschlechts sein, um zu wissen: dies ist ein äußerst unangenehmes Leiden; besonders unter den damaligen hygienischen Bedingungen. Doch diese Krankheit ist noch viel mehr. Das Schlimmste, was einer Frau passieren kann: ihre Weiblichkeit wird zutiefst verletzt. Sie kann kein normales Leben als Frau führen, wie es damals üblich war. Sie kann mit keinem Mann zusammenleben oder eine Familie gründen. Zudem gilt sie religiös und sozial als unrein und wird aus der Gesellschaft und der Glaubensgemeinschaft ausgeschlossen. Ihre Krankheit gilt als Strafe Gottes. Verständlich also, dass die Kranke all ihr Gut und Geld zu den Ärzten bringt und in jeder auch noch so sonderbaren Therapie Heilung vermutet. Aber vergebens.
Sprecher: Als diese Frau aber von Jesus hörte, kam sie in der Menge von hinten heran und berührte sein Gewand. Denn sie sagte sich: Wenn ich nur seine Kleider berühren könnte, so würde ich gesund. Und sogleich versiegte die Quelle ihres Blutes, und sie spürte es am Leibe, daß sie von ihrer Plage geheilt war. Und auch Jesus spürte sogleich an sich selbst, daß eine Kraft von ihm ausgegangen war (
).(Mk 5,27-30a) (020)
Autorin: Auf den ersten Blick erscheint Jesus hier als Heiler, der Wunder vollbringt, wo Ärzte längst aufgaben. Doch diese Geschichte von der blutflüssigen Frau ist auch eine besondere Beziehungsgeschichte:
Die kranke Frau wird geheilt. Ganz ohne Worte. Jesus lässt zu, dass sich die Frau nehmen kann, was ihr gut tut. Die zaghafte Berührung seiner Kleider beendet ihre langjährige Plage. Für einen Augenblick bleibt die Zeit stehen. Sie berührt ihn ganz im Verborgenen und doch vor aller Augen mitten in der Menge. Jesus schämt sich ihrer nicht. Nur er und sie spüren diese tiefe Verbindung. Vielleicht ist es eine Art Seelenverwandtschaft? Mit Sicherheit aber ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Sie wird geheilt, und er spürt seine Kraft. Welcher Mann wächst nicht über sich hinaus und gibt, was er hat, wenn eine Frau so an ihn glaubt.
Jesus ist ein Frauenversteher im ganz und gar positiven Sinn. Ein Mann, der sich in Frauen hineinversetzen kann, mit ihnen fühlt und sie respektiert. Er heilt die Frau nicht nur von ihrem Blutfluss, sondern von den Schattenseiten ihrer Weiblichkeit. Sie kann wieder als Frau leben, lieben, glücklich sein. So wie auch alle anderen Frauen, die Jesus begegnen.
Er setzt sich in aller Öffentlichkeit für sie ein. Ob für eine Prostituierte oder eine Ehebrecherin, die er vor dem Tod durch Steinigung rettet. (Vgl. Joh 8) Eine schreckliche Form der Todesstrafe, die heute immer noch in manchen arabischen Ländern praktiziert wird. Frauen sind für Jesus keine Menschen zweiter Klasse, sondern auch Geschöpfe Gottes.
Jesus versteht die Frauen, und das hat positive Folgen - auch für ihn. Auf ihre bedingungslose Treue kann er sich verlassen. Die Bibel erzählt von Frauen, die sich ständig in Jesu Nähe aufhalten, ihn begleiten und mit ihren finanziellen Mitteln unterstützen. Sie sind für ihn da, wenn er sie braucht. Fühlt er sich in seiner Todesstunde von Gott verlassen; so sind es die Frauen, die doch bis zuletzt in seiner Nähe ausharren. Jesus hat viele Gesichter. Auch ein weibliches.
Jesus hat viele Gesichter! / Heute: Jesus, der Frauenversteher (vgl. Mk 5,27ff)
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