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Gedenkbrunnen
Autorin: Er steht mittendrin - an der Kreuzung zweier breiter Flure, unweit von Klassentüren, Lehrerzimmer, Garderobenhaken mit bunten Jacken.
Der Gedenkbrunnen der Frida-Kahlo-Schule in St. Augustin, ein Ort zur Erinnerung an verstorbene Mitschüler.
O - Ton1: Das ist eigentlich ne Selbstverständlichkeit, das ist eine Schule, die Körperbehinderte beschult und fördert, mehr als das; sie auch in ihrem Leben begleitet, und zu ihrem Leben gehört auch manchmal das Sterben, und uns war es einfach auch ein großes Anliegen, diesen Weg der Kinder nicht nur zu begleiten, sondern auch in Erinnerung zu behalten,
Autorin: sagt Schulleiterin Marlies Schelenz. Sie hat den Entstehungsprozess begleitet und unterstützt. Nun steht er da; ein Brunnen aus farbigen Fliesen mit einem fast zwei Meter langen Bachlauf, ungefähr hüfthoch, so dass auch Schüler, die im Rollstuhl sitzen, ins Wasser greifen können. Dort liege lose Natursteine, auf denen die Namen von verstorbenen Mitschülerinnen stehen. Farbige, gebrochene Steine, sprudelndes Wasser
O-Ton 2: sollte was lebendiges sein, es ist ja auch so, dass die Kinder die Steine mit nach Hause nehmen, das war anfangs für uns sehr verwunderlich, dass die auch wandern, die Steine, ...vom Brunnen in die Hosentasche vielleicht aufn Nachttisch, ... und am nächsten Tag wieder zurück in den Brunnen.
Autorin: Paul Zenner ist seit siebzehn Jahren Lehrer und Seelsorger an der Schule. Àllein in seinem ersten Jahr dort sind sechs Kinder gestorben. Seither begleitet er verwaiste Eltern und trauernde Mitschüler. Bewährt hat sich dabei die Entwicklung von Ritualen.
O-Ton 3: Ich geh dann in die Klasse, die Kinder spüren eigentlich schon, dass was anderes dran ist und in dem Moment, wo die Kerze angezündet wird, wissen sie eigentlich, hier gehts um, ja um Trauer, ...
Autorin: Zeit und Raum für Gefühle geben will der Pfarrer. Fragen werden gestellt, gemeinsam wird nach Antworten gesucht. Dann gibt Zenner einen Anstoß.
O-Ton 4: Wir haben eigentlich gar keine Worte für unsere Gefühle, vielleicht weiß die Seele auch mehr als wir sagen können. Und dann legen wir Stifte auf den Tisch und die Kinder malen. Uns ist aufgefallen, dass die Kinder eigentlich immer und immer wieder....ähnliche Bilder malen, es kommen Schiffe vor, Bäume oder Schmetterlinge, und dieses Motiv des Schiffes hat sich bei uns durchgetragen, Symbol dafür, wir gehen nicht unter oder wir sitzen alle in einem Boot.
Autorin: Das Bild eines Segelschiffes mit einem roten und einem gelben Segel und einem Baum als Mast diente als Vorlage für die Rückwand des Brunnens, der in den Pausen von Einzelnen oder kleinen Gruppen aufgesucht wird. Auch von der Schulleiterin.
O-Ton 5: Für mich sind die Gespräche immer sehr wichtig gewesen und jetzt gibt es Orte, an denen die Gespräche, auch atmosphärisch, ihren Sinn machen, .. und ich finde es immer wieder enorm bereichernd mit den Schülerinnen und Schülern, die sich dort auch versammeln, in son Austausch zu kommen, die haben oft die ehrlichsten und kreativsten ... Gedanken zu dem Menschen, der da nun gerade gestorben ist.
Autorin: Ob es nicht zu viel sei, wenn die Kinder ständig mit dem Tod konfrontiert werden, ist Paul Zenner gefragt worden. Daraufhin habe selbst er plötzlich Zweifel bekommen und die Frage an die Schülerinnen und Schüler weitergegeben. Ihre Antworten hat er festgehalten.
O-Ton 6: Erinnerung kann weh tun, aber ich bestimme selbst, wann ich mich erinnern möchte, sagt eine Schülerin. Vergessen ist eine Beleidigung, dann könnte man glauben, sie oder er wäre uns nicht wichtig gewesen. Ein anderer sagt: , Ich finde gut, wenn man darüber offen redet, damit man Abschied nehmen kann.
Gedenkbrunnen
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