Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

16.11.10, Stephan Kiepe-Fahrenholz

Geh doch nach Hause

Die armen Schweine, die gezwungen sind, von Hartz-IV zu leben, kriegen jetzt sage und schreibe fünf Euro mehr pro Monat.

Das ändert aber nichts daran, dass gleichzeitig der sogenannte Eingliederungstitel gekürzt wird. Das bedeutet: Weniger Ausbildungsplätze für junge Leute ohne Schulabschluss, die in einem normalen Betrieb nicht genommen werden. Weniger Beschäftigung für Menschen, die schon ewig erwerbslos sind. Die entweder so fertig oder so frustriert sind, dass sie keine echte Arbeit kriegen. Und froh sind, wenn sie irgendwas Sinnvolles zu tun kriegen.

Die Regierung will dafür nicht mehr so viel Geld ausgeben. Sie sagt: Besser die Kohle in die investieren, die schnell wieder in Arbeit vermittelt werden können. Vor allem jetzt, wo der Aufschwung da ist. Das klingt gut. Aber es funktioniert längst nicht überall. Gelsenkirchen ist nicht München. Und es gibt massenhaft Menschen, die nicht genug gelernt haben oder nicht gesund genug sind, um überhaupt genommen zu werden.

Was wird aus denen? Der Staat, der sparen muss, sagt ihnen: Nimm deine Stütze. Und dann geh nach Hause. Ihr werdet nicht gebraucht. Die Bibel sagt: Jeder Mensch hat einen unverlierbaren Wert. Wer das glaubt, wird sich dafür einsetzen, dass auch jeder Mensch Wertschätzung erfährt. Daran darf man einfach nicht sparen. Denn daran hängt, dass nicht irgendwann wieder einer behauptet, es gäbe wertvolles und weniger wertvolles Leben.

Sprecherin: Alexa Christ

Audiobeitrag Geh doch nach Hause


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