Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

15.11.10, Stephan Kiepe-Fahrenholz

Die Cindy aus Marzahn

Für Leute, die berufsmäßig lustig sind, gibt es in Deutschland eine ganze Reihe von Auszeichnungen.

Die vielleicht wichtigste ist der Deutsche Comedy-Preis, der jedes Jahr im Herbst verliehen wird. Dieses Jahr ging er schon zum zweiten Mal hintereinander an die Cindy aus Marzahn für ihre Rolle als Dauerarbeitslose. Was weniger bekannt ist: Die Cindy aus Marzahn, die eigentlich Ilka Bessin heißt, redet nicht wie die Blinde von der Farbe. Sie war selbst vier Jahre arbeitslos.

Einer Wochenzeitung hat sie kürzlich erzählt, wie das war. Die Besuche beim Arbeitsamt hat sie in furchtbarer Erinnerung. Mal wurde sie dermaßen angeschnauzt, dass Tränen flossen. Mal wurde ihr von der Beraterin vorgeschlagen, als Skilehrerin und Animateurin zu arbeiten – obwohl die Cindy schon damals 30 Kilo zu viel auf den Hüften hatte "Das sind Momente, da gibt man sich auf", sagt Ilka Bessin. "Das Loch, in dem ich saß, wurde immer tiefer."

Leute, die keine Arbeit haben, werden bei uns in irgendwelchen Maßnahmen geparkt, öffent-lich als Abzocker diffamiert, aber ganz gewiss nicht gefördert und erst Recht nicht in Arbeit vermittelt. Darüber kann und muss man sich aufregen. Aber immer mehr Menschen wollen das gar nicht mehr hören. Vielleicht ist es deshalb ganz gut, wenn auch mal jemand mit Sar-kasmus und Zynismus zum Thema macht, wie in diesem Land eigentlich mit den Ärmsten der Armen umgesprungen wird.

Sprecherin: Alexa Christ

Audiobeitrag Die Cindy aus Marzahn


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