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Große Namen
Er hat einen großen Namen, sieht gut aus, hat Ausstrahlung, zweifellos. Er kann argumentieren. Was er sagt, hat Hand und Fuß.
Und dann ist er noch einfühlsam, spielt seine Überlegenheit nicht aus. Ein gewinnender Typ, ohne Fehl und Tadel.
Ich ertappe mich bei dem Gedanken: So wärst du auch gern! So souverän, so beschlagen und so fehlerlos.
Kennen Sie solche Leute? Deren Name groß ist? Kennen Sie untadelige Idole? Ich meine: Kennen Sie sie ganz persönlich? Im persönlichen Umgang habe ich nicht einen einzigen kennengelernt.
Dabei kann man in Illustrierten oder im Fernsehen den Eindruck gewinnen, es gäbe solche tollen Leute zuhauf: Große Namen, Stars, Idole, die nicht nur erfolgreich sind, sondern auch noch perfekt aussehen und Tolles leisten. Sie sind Heldinnen von Schlankheit und Disziplin, sind sportliche Giganten und auch noch fair, oder Virtuosen auf jedem Parkett. Perfekt eben.
Fast könnte man meinen: Große Namen und Fehlerlosigkeit das gehört zusammen wie ein unzertrennliches Paar. Doch bei Licht besehen, ist wohl ein anderes Wortpaar unzertrennlich: Große Namen und Fehlbarkeit. Hinter wahrhaft großen Namen stecken fehlbare Menschen.
Menschen wachsen innerlich, wenn sie gut mit ihren Fehlern umgehen. Was schief läuft und krumm ist, wird von ihnen nicht weggeschoben oder verdrängt. Sie reiben sich daran, wenn sie versagen oder schuldig werden, ziehen Konsequenzen und finden den Weg ins Leben zurück.
Von solchen Leuten erzählt die Bibel zuhauf. Ein Beispiel ist Jakob. Einer der ganz großen Namen der Bibel, Erzvater Israels. Jakob ist ein Lügner. Und ein Betrüger.Von seinem Bruder Esau erschleicht er sich das Erstgeburtsrecht für ein Linsengericht. Seinem blinden Vater täuscht Jakob listig vor, der ältere Bruder Esau zu sein. So ergaunert er sich den väterlichen Segen und damit das Erbe. Dann ergreift er feige die Flucht. Erst nach Jahren kann er heimkehren, reich geworden, mit Familie, Tierherden und großem Gesinde. Doch je näher er der Heimat kommt, umso mehr fürchtet er den Zorn seines Bruders Esau.
Vor dem Überschreiten des Flusses ruhen Tiere und Menschen nachts aus. Nur Jakob findet keinen Schlaf. Irgendwann steht er auf, geht zum Fluss. Eine Gestalt versperrt ihm den Weg. Jakob setzt sich zur Wehr. Ein Ringkampf beginnt. Die ganze Nacht wogt der Kampf hin und her. Der Gegner lässt sich nicht bezwingen. Lebenskämpfe sind wohl so. Da graut der Morgen. In diesem Augenblick schlägt ihm der andere schmerzhaft auf die Hüfte. Doch Jakob lässt seinen Gegner nicht los. Er spürt: es ist Gott selber, der mit ihm ringt. Und sagt: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Da geht ihm die Sonne auf.
Seitdem hinkt Jakob. Er hat mit dem Leben und mit Gott gerungen. Hat dazugelernt. Sich verändert. Erst das macht seinen Namen groß. Von solchen Leuten erzählt die Bibel. Manchmal hinken die etwas an Leib oder Seele von ihrem Lebenskampf. Es sind keine Photoshop-Schönheiten oder Hochglanz-Helden. Die Bibel retouchiert nicht. Ungeschminkt zeigt sie Menschen, nach denen mancher Hahn nicht mehr krähen würde. Und macht ihre Namen groß. Große Namen dahinter stecken fehlbare Menschen. Bei Gott ist das kein Widerspruch
Große Namen
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