Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

17.11.10, Präses Alfred Buß

Sprechende Namen (2. Mose 1,13-21)

Zwei Namen: Schifra und Pua. Schon mal gehört? Sprechende Namen sind das: Schifra, das heißt Schönheit und Pua heißt Glanz.

 Dass diese zwei Namen in der Bibel überliefert wurden, freut mich. Denn sie gehören zwei aufrechten Frauen. Und es freut mich gerade heute – am Buß-und Bettag. Warum? Das erzähle ich Ihnen. Schifra und Pua sind Hebammen unter dem Volk der Hebräer. Dessen Vorfahren waren einst Nomaden gewesen. Während einer Hungersnot waren sie nach Ägypten gekommen. Gern hatte man sie damals ins Land gelassen, Ägypten brauchte Arbeitskräfte. Doch dann hatten sich die Hebräer stark vermehrt. Das Volk hatte viele Kinder bekommen und war sehr groß geworden. Das macht den Ägyptern und ihrem König – dem Pharao – nun Angst. Angst vor Überfremdung – wie so oft. Und was tut der Pharao? Er überzieht die Hebräer mit Zwangsarbeit. Sie müssen Ziegel brennen für mächtige Bauwerke. So erzählt die Bibel:

Sprecherin: Und machten ihnen ihr Leben sauer mit schwerer Arbeit in Ton und Ziegeln und mit mancherlei Frondienst auf dem Felde, mit all ihrer Arbeit, die sie ihnen auflegten ohne Erbarmen. 

Doch das fruchtet nichts – auch in der Sklaverei wird das Volk größer. Da greift der Pharao durch. Er weist die Hebammen an:

Sprecherin: Wenn ihr den hebräischen Frauen helft und bei der Geburt seht, dass es ein Sohn ist, so tötet ihn; ist`s aber eine Tochter, so lasst sie leben.

Und wie reagieren Schifra und Pua, die beiden Hebammen?

Sprecherin: Aber die Hebammen fürchteten Gott und taten nicht, wie der König von Ägypten ihnen gesagt hatte, sondern ließen die Kinder leben.“

Sie helfen neuem Leben auf die Welt – immer wieder. Der Pharao will Schifra und Pua zu Todesengeln machen. Doch das gelingt ihm nicht. Sie gehorchen Gott mehr als den Menschen. Nicht ihrer Angst vor dem Pharao geben sie nach, sondern folgen ihrer tiefen Überzeugung. Sie gehen nicht den einfachen Weg. Sagen nicht: Der Pharao hat’s so befohlen. Sondern widerstehen der Verführung des Todes – aus Ehrfurcht vor dem Leben. Und klug sind diese Frauen, ja listig und weise.

Sprecherin: Da rief der König von Ägypten die Hebammen und sprach zu ihnen: Warum tut ihr das, dass ihr die Kinder leben lasst? Die Hebammen antworteten dem Pharao: Die hebräischen Frauen sind nicht wie die ägyptischen, denn sie sind kräftige Frauen. Ehe die Hebamme zu ihnen kommt, haben sie geboren.

Zivilen Ungehorsam würden wir das heute nennen: Widerstand leisten, Rückgrat zeigen, Nachteile in Kauf nehmen, dem Leben dienen, Gott mehr gehorchen als den Menschen. Darin liegt Schönheit und Glanz. Auch heute brauchen wir Schifras und Puas. Ihre Zivilcourage. Gerade am Buß- und Bettag. Eintreten für das Leben. Abzockern nicht nachgeben. Dinge beim Namen nennen. Nicht einfach zuschauen und mitmachen, wenn unser Klima aufgeheizt wird. Auch unsere Enkel wollen leben. Kinder nicht in Armut hängen lassen. Dem täglichen Rassismus widerstehen. Dem Leben verpflichtet bleiben–- allen Pharaonen zum Trotz.

Sprechende Namen: Schönheit und Glanz. Dafür stehen Schifra und Pua mit ihrem mutigen Eintreten für das Leben.

Audiobeitrag Sprechende Namen (2. Mose 1,13-21)


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