Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

16.11.10, Präses Alfred Buß

Sich einen Namen machen

Sich einen Namen machen, das ist gar nicht so leicht.In den 90er-Jahren spielte ich ab und an als Torwart mit bei Benefizspielen zugunsten der Kinderkrebshilfe.

Um Zuschauer zu locken, waren auch ehemalige Stars aus der Bundesliga dabei – so Reinhold Wosab, in den 60ern ein großer Name bei Borussia Dortmund. Ich war ein Nobody. Deshalb rief man mich schlicht „Torwart“. Als ich ein paar Mal ganz gut gehalten hatte, fragte mich Wosab: „Wie heißt du?“ Wie heißt du? Und ich lernte: Einen Namen muss man sich erst machen.

Sich einen Namen machen – das treibt an. Davon träumen viele. So schön und so stark sein wie Heidi Klum. Gewinnen, wenn sie Deutschlands Next Topmodel sucht oder Deutschland seinen Superstar oder das Supertalent. Das sehen wir in Casting-Shows, in der Politik, in der Gesellschaft und auch in der Kirche.

Der Wunsch, sich einen Namen zu machen, ist nicht neu. Schon vor Urzeiten haben Menschen davon geträumt, z.B. beim Turmbau zu Babel:
 
Sprecherin: Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen (Gen 11, 3.4)

Der Turmbau zu Babel ist sprichwörtlich geworden. Sich einen Namen machen: Da muss das Größte, Beste, Höchste her. Ein Turm, der bis an den Himmel reicht. Nur Superlative zählen. Du musst herausragen – oder du bist ein Nobody. Jesus sah das ganz anders:

Sprecherin: Die Jünger traten zu Jesus und fragten: Wer ist doch der Größte im Himmelreich? Jesus rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen (Mt 18, 1-3).

Ein Perspektivwechsel ist das, und was für einer! Gefragt wird nach den Größten – und Jesus zeigt auf die Kleinsten. Unsere Blickrichtung geht senkrecht nach oben – doch Jesus schaut nach unten. Gerangelt wird um den vornehmsten Platz – doch Jesus stellt ein Kind in die Mitte. Mitten unter sie. Ein Kind mit verschrammten Knien und verschmiertem Bonbonmund. Es hat sonst nichts vorzuweisen. Ist vielmehr angewiesen auf Fürsorge und Schutz. Es muss sich keinen Namen machen. Es hat schon einen. Und ist schon wer. Seine Würde beruht nicht auf Leistung. Das Kind hat sie geschenkt bekommen, gratis, von Anfang an. Noch bevor ich geboren wurde, sahen mich deine Augen, Gott - sagt Psalm 139. Würde ist ein Gottesgeschenk. Ich bin schon wer. Wenn wir das doch aus tiefstem Herzen leben könnten, mitten im Markt der Eitelkeiten. Wer ist der Superjünger? Das genau ist die Denkfalle, in die Jesu Jünger getappt sind.

Bei Gott muss sich keiner einen Namen machen. Denn er kennt einen jeden von uns bei Namen. Ich bin schon wer. Ich muss weder Supermodel noch Superstar werden.

Sollten Sie sich in nächster Zeit bei dem uralten Spiel ertappen: Wer ist größer, schöner, attraktiver oder gar merken, dass sie doch nicht so gut aussehen wie Brad Pitt, dann denken Sie daran: Sie haben es gar nicht nötig, sich einen Namen zu machen. Sie sind schon wer.

Audiobeitrag Sich einen Namen machen


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