Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

06.11.10, Pfarrer Reinhard Ellsel

Das anvertraute Geld II (Matthäus 25,14-30)

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer! Jesus will uns davor bewahren, dass wir mit unseren Talenten und Gaben unter unseren Möglichkeiten bleiben.

Dazu hat er ein anstößiges Gleichnis erzählt. Psychologisch einfühlsam, spürt Jesus das Misstrauen vor Gott oder Mitmenschen als Grund dafür auf, dass mancher seine Gaben nicht zum Wohl anderer einsetzt und einfach vergräbt. So hält einer der Diener seinen Herrn für einen unbarmherzigen Chef, der nur an sich selbst und an seinen Profit denkt. Er sagt:

Sprecherin: "Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist. Du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst, wo du nichts ausgeteilt hast. Deshalb hatte ich Angst und habe dein Geld vergraben."

Diesen, ich nenne ihn mal den "Vergräber", überführt sein Dienstherr mit seinen eigenen Argumenten und lässt ihn die Konsequenzen spüren:

Sprecherin: "Du bist ein Faulpelz und Taugenichts. Wenn du wusstest, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und sammle, wo ich nichts ausgeteilt habe, warum hast du das Geld nicht wenigstens auf die Bank gebracht? Dann hätte ich es jetzt mit Zinsen zurückbekommen. Nehmt ihm sein Teil ab!"

Jesus rüttelt die Misstrauischen wach, weil Gott mit uns rechnet. Gott braucht uns nicht für sich selbst, sondern für diese Welt. Wir sollen beitragen zum Frieden und anderen helfen, die unsere Hilfe nötig haben. Mit den Gaben gibt Gott uns Aufgaben in der Gemeinde und am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft und in der Familie. So hat sich das Gott von Anfang an gedacht, dass wir seine Schöpfung bebauen und bewahren! Wir sind wichtig! Wir sollen uns nicht selbst vergraben!
In dem Gleichnis haben die ersten beiden Diener Vertrauen zu Gott. Haben sie denn gar keine Angst, etwas falsch zu machen? Ist der eine mit den zwei Zentnern nicht neidisch auf den mit den fünf? Könnten sie sich das Leben nicht schöner machen, als ihre Kräfte für jemand anderes einzusetzen? Diese Fragen scheinen ihnen gar nicht zu kommen. Vielmehr freuen sie sich, dass sie ihrem wieder eingetroffenen Herrn ihre Ergebnisse präsentieren können. Sie haben ihrem Herrn vertraut
- dass er ihnen eine sinnvolle Aufgabe anvertraute;
- dass er ihnen mit ihrer Gabe genau das richtige Maß zugemutet hat;
- und dass sie sich selbst fördern, wenn sie sich fordern.
Ihr Dienstherr freut sich über beide mit den gleichen Worten:

Sprecherin: "Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Mann. Du hast dich in kleinen Dingen als zuverlässig erwiesen, darum werde ich dir auch Größeres anvertrauen. Komm zu meinem Fest und freu dich mit mir!"

Jeder darf seinen Gaben entsprechend leben. Gott überfordert niemand. Für mich hat der Dichter Matthias Claudius das Gleichnis treffend auf den Punkt gebracht. Mit seinen Worten wünsche ich Ihnen einen gesegneten November-Tag:
Sprecher: "Sinne täglich nach über Tod und Leben, ob Du es finden möchtest, und habe einen freudigen Mut; und gehe nicht aus der Welt, ohne Deine Liebe und Ehrfurcht für den Stifter des Christentums durch irgendetwas öffentlich bezeuget zu haben."

Audiobeitrag Das anvertraute Geld II (Matthäus 25,14-30)


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