Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

05.11.10, Pfarrer Reinhard Ellsel

Das anvertraute Geld (Matthäus 25,14-30)

Liebe Hörerinnen und Hörer, Jesus hat ein Gleichnis erzählt, das mich nicht kalt lässt. Es handelt von einem Mann, der seinen Dienern Geld anvertraut hat.

Nachdem einige Zeit ins Land gegangen ist, rechnet er jetzt mit seinen Dienern ab. Dabei bestraft dieser Herr einen der Diener, weil der das anvertraute Geld nicht gewinnbringend vermehrt hat. Er hatte es einfach vergraben.

Ob uns dieses Gleichnis gefällt oder nicht - zunächst einmal müssen wir realistischer Weise feststellen, dass das Leben oft so ist wie in dem Gleichnis - knallhart und unbarmherzig. Und eben deshalb ist Jesus, Gottes Sohn, ja Mensch geworden, um das Leben, so wie es wirklich ist, mit uns zu teilen, in seiner ganzen Härte. Jesus erzählt nicht einfach ein paar erbauliche Geschichten vom lieben Gott. Und wie schön einmal alles werden wird, wenn ich nur fromm und brav bin. Das erzählt Jesus nicht. Jesus nimmt ernst, dass uns Gott manchmal sehr, sehr weit entfernt vorkommen kann, mitunter sogar feindlich und bedrohlich. Denn unser Leben ist manchmal sehr weit entfernt von Gott. Wie ungerecht diese Welt ist, erleben wir Tag für Tag.

Sprecherin: "Denn wer viel hat, soll noch mehr bekommen, bis er mehr als genug hat. Wer aber wenig hat, dem wird auch noch das Letzte weggenommen werden."

Mit diesen Worten zitiert Jesus einen Redewendung, die schon zu seiner Zeit die Runde machte. Das war schon damals ein eisernes Gesetz unserer Welt - und ist es noch heute. Wer viel hat, bekommt immer mehr. Denen, die wenig in ihrem Leben erreicht haben, wird auch das noch genommen. Unser Leben kann scheitern.

Und jeder von uns ahnt, dass er sich eines Tages vor einer Instanz, vor einem Gericht für das verantworten muss, was er aus seinem Leben gemacht hat. Manche wollen das gerne wegdrücken. Für mich aber bringt das eine Szene in dem Roman "Der Hauptmann von Köpenick" sehr deutlich zum Ausdruck. Da ist der Schuster Vogt. Vogt war straffällig geworden und ist nun nach Jahren der Haft entlassen worden. Bei seinem Schwager hat er Unterschlupf gefunden. Die beiden Männer unterhalten sich über ihr Leben. Vogt stellt sich genau vor, wie das sein wird, wenn er sich eines Tages vor Gott verantworten muss:

Sprecher: "Und denn stehste vor Gott, dem Vater. Und der fragt dir ins Jesichte: `Wat haste jemacht mit dein Leben?´ Und da muss ick sagen: `Fußmatten, die hab ich jeflochten im Gefängnis!´ Aber Gott sagt dir: `Jeh wech!´ sagt er. `Ausweisung´, sagt er. `Dafür hab ick dir det Leben nicht jeschenkt. Det biste mir schuldig. Wo is et? Was hast mit jemacht?´"

Diese Frage bedrängt auch mich: Was mache ich eigentlich aus meinem Leben, mit meinen Gaben und Talenten, die Gott mir in die Wiege gelegt hat? Ich verstehe das Gleichnis von Jesus zunächst einmal so:
Jesus gibt uns einen kräftigen Anstoß. Damit wir nicht unter unseren Möglichkeiten bleiben. Sondern dass wir mutig etwas machen aus unserem Leben. Schon heute.

Audiobeitrag Das anvertraute Geld (Matthäus 25,14-30)


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