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Das Unkraut unter dem Weizen (Matthäus 13,24-30)
Ein Mann steht vor der Himmelstür. Er zögert, ob er überhaupt anklopfen soll. Er weiß es ja genau: Sein Leben war nicht so, wie es hätte sein sollen.
Immerhin: Beruflich hat er Karriere gemacht - naja, nicht immer auf geraden Wegen. Da hat er den einen oder anderen schon mal beiseite geräumt. Nun steht er vor der Himmelstür und überschlägt seine Chancen. In der Kirche war er zum letzten Mal bei seiner Konfirmation und ab und zu mal bei einer Beerdigung. Er hatte ja auch nur wenig Zeit. Dann fasst er sich ein Herz und klopft an. Und, welch Wunder: Petrus macht ihm auf. Ein Engel kommt auf ihn zu und bittet ihn mit freundlichen Worten, hereinzukommen. Der Mann geht in den Himmel und denkt erleichtert: "Das ging ja noch einmal gut!" Da bekommt er einen furchtbaren Tritt in den Rücken und stürzt auf den Boden. Ein schwarzes Ungeheuer lacht ihn schallend aus. Fragend schaut der Mann zu Petrus: "Ich dachte, ich wäre hier im Himmel?" Petrus hebt bedauernd die Schultern: "Wir haben hier jetzt den integrativen Himmel. Keiner wird mehr ausgeschlossen. Engel und Teufel arbeiten neuerdings Seite an Seite. Wie auf der Erde, nur ewig!"
Liebe Hörerinnen und Hörer, bei dieser Geschichte bleibt mir das Lachen im Hals stecken. Gott sei Dank ist sie frei erfunden. Ja, was wäre, wenn selbst im Himmel irdische Verhältnisse herrschten: Ewiges Hauen und Stechen, ewiges Kranksein und Sterben, ewige Mühe und Arbeit, ewiges Hoffen und Bangen? Wer soll das aushalten - immer und ewig?
Jesus erzählt eine andere Geschichte. Gott lässt in seinem ewigen Reich keine Ungerechtigkeit zu. Der Böse und das Böse haben im Himmel nichts zu suchen. Allerdings wird es auf der Erde das Böse und die Bösen immer geben.
Sprecherin: Mit der neuen Welt Gottes ist es wie mit dem Mann, der guten Samen auf sein Feld gesät hatte: Eines Nachts, als alles schlief, kam sein Feind, säte Unkraut zwischen den Weizen und verschwand. Als nun der Weizen wuchs und Ähren ansetzte, schoss auch das Unkraut auf. Da kamen die Arbeiter zum Gutsherrn und fragten: "Herr, du hast doch guten Samen auf deinen Acker gesät, woher kommt das ganze Unkraut?" Der Gutsherr antwortete ihnen: "Das muss einer getan haben, der mir schaden will." Die Arbeiter fragten: "Sollen wir hingehen und das Unkraut ausreißen?" "Nein", sagte der Gutsherr, "sonst könntet ihr aus Versehen den Weizen mit ausreißen. Lasst beides bis zur Ernte wachsen. Wenn es soweit ist, will ich den Erntearbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut ein und bündelt es, damit es verbrannt wird. Aber den Weizen schafft in meine Scheune."
Jesus spricht es nüchtern an: Solange wir auf dieser Erde leben, haben wir mit Ungerechtigkeit und Krankheit, mit Angst und Tod zu kämpfen. Wir werden den Himmel auf Erden nicht herbeiführen. Damit erteilt Jesus auch jeglichem religiösen oder ideologischen Fanatismus, der Andersdenkende oder -glaubende "ausrotten" will, eine klare Absage. Für Jesus ist klar: Das, was wir für "Unkraut" halten, muss mitwachsen bis zur Ernte. Gott allein hat eines Tages das Recht, über uns und unsere Mitmenschen einen endgültigen Urteilsspruch zu fällen. Wir nicht. Und das ist gut so.
Das Unkraut unter dem Weizen (Matthäus 13,24-30)
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