Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

31.10.10, Pfarrerin Antje Rösener

Ev. Sendung zum Reformationstag - Das Gespräch ist die Mutter des Segens

Atmo: Schule - Sprecher / Melanchthon: „Niemand scheint mir übler dran zu sein als diese Klasse von Leuten. Der Lehrer trägt etwas vor, da beschleiht den Wecihling der Schlaf

 während sich der Lehrer müde spricht. Fragst du daher am nächsten Tag nach dem, was durchgenommen wurde, so ist es zu dem einen Ohr rein- und zum anderen hinausgegangen. Die Arbeit beginnt von vorne.“  

Autorin: Nein, hier spricht kein Vertreter der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Wer sich hier so einfühlsam in die Berufsgruppe der Lehrer hineinversetzt, ist Philipp Melanchthon. Er war ab 1518 Griechischprofessor an der Universität Wittenberg. Vor allem aber war er in den Wirren der Reformation Martin Luthers wichtigster Freund, Weggefährte und Mitstreiter. Ohne seine Formulierungskünste wäre Luthers Bibelübersetzung ins Deutsche ein mühsam zu lesendes Buch geblieben. Ohne seine geschickten Verhandlungskünste hätte sich mancher Konflikt zwischen den Religionsparteien noch weiter zugespitzt. Ohne seine Leidenschaft für die Schule, das Lehren und die Bildung wäre die Reformation wohl kaum eine Bildungsbewegung für jedermann und jede Frau geworden. Melanchthon schrieb der evangelischen Kirche die Sorge um die Bildung des ganzen Volkes gleichsam ins Stammbuch.   

Sprecher / Melanchthon: „Die Jugend in den Schulen zu vernachlässigen heißet nichts anderes, als den Frühling aus dem Jahre hinwegzunehmen. Wahrhaftig nehmen die den Frühling aus dem Jahre hinweg, welche die Schulen verfallen lassen.“      

Autorin: Vor 450 Jahren starb Philipp Melanchthon. Er überlebte Martin Luther um 14 Jahre. Dieser hatte ihn schon früh gebeten, die Sache der Reformation weiterzuführen, wenn er, Luther, dies nicht mehr könne. Die beiden Freunde, im Leben innig verbunden, wurden auch im Tod nicht auseinandergerissen. Ihre Gräber können bis heute in der Schlosskirche zu Wittenberg besichtigt werden. Wenn Melanchthon allerdings heute aus seinem Grab auferstehen und seine euphorischen Sätze von damals über die Schule wiederholen würde, dann würden wir ihn vermutlich doch für ziemlich weltfremd halten.  

Sprecher / Melanchthon: „Das schulische Leben verdient das höchste Lob. Es bildet jenen glücklichen Zustand ab, in dem die Menschen im Goldenen Zeitalter, falls es ein solches gegeben hat, gelebt haben oder sicherlich gelebt hätten.
Keine Aufgabe ist Gott so wohlgefällig wie die Erforschung und Verbreitung von Wahrheit und Gerechtigkeit. (…) Deshalb kann kein Zweifel bestehen, dass der Lebensform des Lehrens und Lernens das  größte Wohlgefallen  Gottes gilt und dass den Schulen im Blick darauf der Vorrang vor Kirchen und Fürstenhöfen gebührt, weil man in ihnen mit größerem Einsatz nach der Wahrheit strebt.
          
Musik: Jochen Rieger, CD Choräle beflügeln, Titel 1: Schönster Herr Jesu

Autorin: Dabei war Melanchthon kein Träumer, kein abgehobener Visionär, kein wirklichkeitsfremder Theoretiker… -  eher ein Überzeugungstäter mit Charisma und: Ein Naturtalent. Als er im Alter von 21 Jahren zum Professor an der Universität in Wittenberg berufen wurde, sieht er selbst fast noch aus wie ein Schüler. Klein und schmächtig soll er gewesen sein, gerade mal 1,50 groß. Aber es dauert nicht lange und seine Vorlesungen sind überlaufen. Während in Luthers Vorlesungen 400 Studenten sitzen, sollen es bei Melanchthon 600 gewesen sein. Praeceptor Germaniae – Lehrer Deutschlands, so wurde er schon zu seinen Lebzeiten genannt.       

O-Ton Schülerin (9 Jahre) D1 – 07+14: „Ich find gut, dass man gelobt wird, weil, dann wird man vielleicht auch so ein bisschen ermutigt, dass man weitermachen kann, auch wenn man ein paar Aufgaben falsch hat, weil das ist ja wirklich nicht schlimm und dann kann man die ja auch noch verbessern.

O-Ton Schüler (15 Jahre) D2 / 03: „Ich finde ein guter Lehrer, der muss einfach kreativen Unterricht machen, der muss das Gefühl erwecken, dass er selbst auch Spaß daran hat, so haben die Schüler dann auch Spaß und alle sind glücklich.“

O-Ton Schülerin (18 Jahre) D2 / 05: Ich finde auch, abwechslungsreicher Unterricht ist wichtig, dass man auch mal meinetwegen ein Buch liest oder so, dass man auch darüber diskutiert, verschiedene Medien einsetzt und verschiedene Methoden, wie mal Diskussionsreden, Partnerarbeit, Gruppenarbeit, mal Referate, dass man das alles abwechslungsreich gestaltet.

Sprecher / Melanchthon (Zitate S. 41): „Wir sind dazu geboren, uns im Gespräch einander mitzuteilen. Weshalb? Doch nicht bloß, um Liebesgeschichten vorzulesen, auf Gastmählern zu wetteifern oder darüber zu reden, wie man am besten Geld scheffeln kann. Nein, die Menschen sollen einander über Gott und die Pflichten der Ethik unterrichten. Das wechselseitige Gespräch möge in guter Gesinnung erfolgen, das heißt, es soll eine wirklich angenehme Auseinandersetzung über diese grundlegenden Dinge sein.“       

Autorin: Dass Lernen abwechslungsreich sein kann und immer wieder auch Spaß machen sollte – Lehrern wie Schülern, dass Lob und eine angenehme Atmosphäre die Lernbereitschaft fördern, das wissen die Schüler von heute, das wusste auch Philipp Melanchthon. Als hochbegabter Junge bekam er früh Privatunterricht, weil die Familie sein außergewöhnliches Talent für alte Sprachen wie Griechisch, Hebräisch und Latein fördern wollte. Sein Lateinlehrer Johannes Unger ließ ihn eine Grammatikregel nach der anderen auswendig lernen und aufsagen. Sooft der Junge einen Fehler machte, schlug er den Knaben, um ihn anzuspornen. Aus diesem Erlebnis scheint er Konsequenzen gezogen zu haben. Denn später greift er viele reformpädagogische Ideen des Humanismus auf.

„Das Gespräch ist die Mutter des Segens“ – dieser Gedanke steht wie ein Regenbogen über allem, was Melanchthon im Schulwesen auf den Weg gebracht hat. Ziel von Bildung war es für ihn nicht, die alten Texte auswendig zu lernen. Ziel aller Bildung ist das eigenständige Denken und Diskutieren.  
      
O-Ton: Schüler (15 Jahre) D2 / 10: Ich würd den Lehrern einfach den Tipp, sie sollen mal die Schüler fragen, was sie von dem Unterricht erwarten, (…) wie sie den gestalten sollen.

O-Ton: Schülerin (18 Jahre) D2 / 12: „Wenn der Lehrer fragt, wie das Thema erarbeitet werden soll, so habe ich schon oft miterlebt, dass die Schüler dann auch Vorschläge gegeben haben und der Unterricht dann auch viel flüssiger lief und sich dann auch alle beteiligt haben. Sonst ist es ja oft so, dass meistens nur ein oder zwei sich aktiv beteiligen und der Rest halb schlafend da dem Ganzen folgt, aber wenn man die Schüler mitgestalten lässt, dann ist es oft so, dass auch alle daran teilnehmen.“

Musik: Another brick in the Wall,   

Autorin: Kritik an der Schule gibt es nicht erst, seitdem Lehrer, Schüler und Eltern sich mit Turboabitur und Gemeinschaftsschulen auseinander setzen müssen. Kritik an der Schule gab es immer. Und damit auch diejenigen, die Reformpläne entwickelten und diese unter das Volk brachten. Melanchthon gehörte zu ihnen.“Über die Notwendigkeit, die Studien der Jugend neu zu gestalten” – so lautete bereits der Titel seiner ersten Vorlesung an der Universität in Wittenberg. Wie kommt Melanchthon dazu, diese Frage so früh in den Mittelpunkt zu stellen? Was treibt ihn an, so grundsätzlich über das Bildungssystem zu philosophieren? Im Zuge der Reformation wurden viele Klöster aufgelöst und mit ihnen die Klosterschulen. Sieht man von vereinzelten Stadtschulen ab, gab es auf einmal noch weniger Bildungsmöglichkeiten für das Volk.

So entstand ein Vakuum an schulischer Grundbildung. Melanchthon und Luther waren davon überzeugt: Religion ohne Bildung führt zu chaotischen Zuständen, ohne Bildung verrottet auch das Gemeinwesen und verludern die Sitten eines jeden Einzelnen. Im Brustton dieser Überzeugung schreibt Melanchthon 1524 das Vorwort zu Luthers Schrift „An die Ratsherren aller Städte deutschen Landes“ und formuliert darin:   
      
Sprecher / Melanchthon (Kuropka S. 4): „Die Zungen sollte man denen herausschneiden, die in ihren Predigten weit und breit der unerfahrenen Jugend vom Studium abraten. Wir sehen doch, wie einst die Religion ins Wanken geriet, als man der ungebildeten Barbarei Tür und Tor öffnete. Und ich fürchte, es kommt wieder dahin, wenn wir nicht mit Händen und Füssen das herrlicheGeschenk Gottes, die Wissenschaften, verteidigen“    

Autorin: So kam es zur Gründung erster evangelischer Schulen z.B. in Eisleben und Nürnberg. Melanchthon fungierte infolge an vielen Orten als Berater. Er überlegte, wie man neue Schulen finanzieren und organisieren könnte. Darüber hinaus schrieb er Unterrichtspläne für verschiedenste Fächer, reformierte die Lernmethoden und machte sich Gedanken über die Ausbildung der Lehrer und Pfarrer.

Musik: Another brick in the Wall, Lazy

Übrigens wurden neben Knabenschulen auch Mädchenschulen gegründet. Martin Luther forderte dies bereits 1524. Auch Melanchthon unterstützte die Bildung der Mädchen, um diese – wie er sagt – vor allem auf ihr Leben als Hausfrau und Mutter gut vorzubereiten. Der Unterricht selbst sollte strukturiert sein durch feste Unterrichtsinhalte und Zeiten, vorgesehen waren aber auch Phasen, in denen die Schüler selbstbestimmt lernten. Die auffälligste Neuerung beschreibt die Melanchthonforscherin Nicole Kuropka aus Wuppertal aber so:        

Sprecherin: Zitat Nicole Kuropka: „Die am schnellsten ersichtliche Neuerung ist die Verkürzung der Lehrbücher. Waren in der Scholastik die Standardwerke in ein unermessliches Seitenmeer ausgeufert, verfasste Melanchthon gezielt kurze Lehrbücher, die den Studenten die Inhalte in knapper und präziser Weise nahe brachten. Damit der Lehrstoff nicht zu trocken wird und vor allem verständlich bleibt, fügte Melanchthon immer wieder lebensnahe Beispiele ein, anhand derer er die Regeln verdeutlichte. Dabei legte Melanchthon Wert darauf, die spätere berufliche Praxis im Blick zu behalten, und die Studenten nicht mit sophistischen Sprachspielen zu verwirren, sondern mit ganz praktischen Fragen zu unterrichten.“       

Autorin: Wie viel Stoff müssen die Schüler lernen? Wie können Theorie und Praxis so verbunden werden, dass das Lernen die Menschen wirklich lebenstüchtig macht? – Darüber wird auch heute in jedem Kultusministerium und jedem Lehrerkollegium diskutiert.
Aber mehr noch, Melanchthon und Luther wollten Bildung für alle. Denn Bildung war damals ein Privileg, das nur einer winzigen Minderheit vorbehalten war. Melanchthon war an dieser Stelle ganz pragmatisch: Ein Volk braucht Bildung, damit es nicht in der Barbarei versinkt. Damit die Menschen sich nicht von einigen Volksverhetzern den Kopf verdrehen lassen. Damit sie nicht alles glauben, was ihnen vorgeschwätzt wird.
Die Grundlage für eine solche Bildung ist die Sprachkompetenz, meint Melanchthon und man wundert sich, wie aktuell auch dieser Gedanke ist. Wer die geistigen Fähigkeiten von jungen Menschen entwickeln will, muss auf deren Sprache achten, fordert er.          

Musik –Scha Schtil

O Ton - Martin Bock D3 / 08: Wenn man Melanchthon als Sprachkünstler noch mal aufnimmt, er war ja immer auch am Hebräischen interessiert und am Griechischen. Das hebräische Wort für Bildung hat einen ganz sinnlichen Sinn: Dass heißt, dass man einem Kind den Gaumen mit Dattelsaft einreibt. Wenn man jemanden bildet, muss man jemandem Lust machen, den Geschmack auf die Zunge zu bekommen und den danach immer wieder auch zu suchen. Ich glaube, genau darum ging es Melanchthon. Dass man mit Worten Menschen richtig Lust macht, etwas nachzusprechen und auf die eigenen Worte zu kommen.

Autorin: Dr. Martin Bock ist Leiter der Melanchthonakademie in Köln. Für diese älteste evangelische Stadtakademie in Deutschland verbindet sich ihr Name mit einem Auftrag: Jahr für Jahr versucht die Akademie ganz im Sinne von Melanchthon, Menschen Lust zu machen auf Bildung. Ihr Kursangebot trifft viele unterschiedliche Geschmäcker: Man kann dort Hebräisch lernen oder einen Tanztag besuchen, an einem Lyrikabend teilnehmen oder eine Begegnungsreise in die Türkei buchen. Man kann theologische und politische Fragen erörtern, aber auch etwas für seine Gesundheit tun.  In diesem Jahr haben die Mitarbeitenden anlässlich von Melanchthons 450. Todestag einige sehr ungewöhnliche Aktionen entwickelt.    

O-Ton: Dorothee Schaper. D3 / 08: Melanchthon war fasziniert von der Schönheit der Sprache. Er war verliebt in die Sprache und hat damit gespielt. Wir haben einen muslimischen Kalligraphen gefunden, der für uns Melanchthon Zitate (…) kalligraphiert hat. Und wollten damit klar machen, die Schönheit der Sprache ist etwas, was religionsübergreifend fasziniert und was etwas Wichtiges ist. Gerade die Schönheit der Sprache der Heiligen Schriften.

Autorin: Dorothee Schaper ist Studienleiterin an der Stadtakademie in Köln. Sie hat ein weiteres Anliegen des Reformators aufgegriffen: „Bildung für alle“ – dieses Motto findet sie heute - 450 Jahre nach Melanchthons Tod – immer noch aktuell. Dafür wollte die Akademie in diesem Jahr ein Zeichen setzen. Sie entwickelten ….         

O-Ton: Dorothee Schaper. D3 /10: … ein Projekt, wo ehrenamtliche Menschen eins zu eins Schüler betreuen, die vielleicht noch nicht die große Lust am Lesen haben, oder die große Lust, Buchstaben und Bücher zu entdecken haben. Diese Lust soll geweckt werden, indem Ehrenamtliche einmal in der Woche eine Stunde mit Schülern und Schülerinnen zusammen sitzen und Bücher entdecken. Das ist ein Projekt, was es schon in anderen Städten gibt und womit gute Erfahrungen gemacht wurden und wo sich Bildungscoache draus ergeben haben, um bildungsfernen Schülern einen Zugang zu ermöglich.

Musik: Herbert Grönemeyer: Zum Meer (von der CD: Mensch)  

„Wer hat dich geplant, gewollt
Dich bestellt und abgeholt?
Wer hat sein Herz an dich verlor’n?
warum bist du gebor’n?
Wer hat dich gebor’n?
Wer hat sich nach dir gesehnt?
Wer hat dich an sich gelehnt?
Dich wie du bist akzeptiert
dass du dein Heimweh verlierst.
Dreh dich um, dreh dich um,
dreh dein Kreuz in den Sturm.
Wirst dich versöhnen, wirst gewähren
Selbstbefreien für den Weg zum Meer…“

Autorin: „Dreh dich um, dreh dich um,
dreh dein Kreuz in den Sturm.
Geh gelöst, versöhnt, bestärkt
Selbstbefreit den Weg zum Meer…“
…so endet dieses Lied von Herbert Grönemeyer. Damit beschreibt er einen Weg, der für die evangelische Bildungsarbeit heute zentral ist: Dass Menschen versöhnt, befreit und bestärkt ihren Weg durch die Stürme des Lebens finden.
Für Melanchthon und seinen Freund Martin Luther braucht es dafür allerdings noch mehr als nur Bildung und Pädagogik, nämlich Glauben, Frömmigkeit.   

Sprecher / Melanchthon: „Zwei Begriffe sind es, auf die gleichsam das gesamte Leben auszurichten ist: Frömmigkeit und Bildung“.

Autorin: Bald nach seiner Ankunft in Wittenberg nahm Melanchthon Studenten bei sich in der Wohnung auf, da die Wohnungsnot immer größer wurde. Denn die Universität in Wittenberg war dank des Wirkens von Martin Luther und Philipp Melanchthon im 16. Jahrhundert die meistbesuchte deutsche Universität. Mit diesen Studenten lebte Melanchthon eng zusammen. Sie führten Theaterstücke auf, veranstalten dichterische Wettkämpfe und öffentliche Disputationen. Melanchthon schrieb für sie aber auch viele Gebete, für jeden Tagesabschnitt, vom Aufstehen über das Mittagessen bis hin zur Nachtruhe. Am 24. August 1522 wurde Melanchthon zum ersten Mal Papa. Seine älteste Tochter Anna kam auf die Welt, drei weitere Kinder sollten noch folgen. Im Jahr danach verfasst er ein Tischgebet für Kinder: 

Sprecher / Melanchthon:
Allmächtiger Vater
Du regierst alle deine Geschöpfe und hältst sie in deinen Händen.
Du erhältst die Vögel der Luft
und gibst ihnen Nahrung.
Durch deine Fürsorge werden auch die Fische im Wasser ernährt.
Zum Frühlingsbeginn kriecht die Schlange aus ihrem Loch,
die den Winter unter der Erde verbracht hat.
Was soll ich die Würmer, die kleinen Tiere der Erde, aufzählen?
Sieh, das kleine Häuflein ruft dich beim Essen an und lobt dich, Gott,
mit seinem unmündigen Mund.
Du machst, dass dir gehört, wer von dir erschaffen wurde.
Die von deiner gnädigen Hand ernährt werden, denen wollest du
ein gnädiger Vater sein.
Amen          
 
Musik Jochen Rieger, CD Choräle beflügeln, Titel In dir ist Freude

Autorin: Von keinem Reformator sind uns mehr Gebete erhalten, als von Philipp Melanchthon. Denn dieser Mann war bei all seiner universalen Gelehrsamkeit, seiner Umtriebigkeit für die Sache der Reformation, bei all seiner Aufgeklärtheit ein frommer Mann. Glaube und Bildung sind bei ihm nicht zu trennen. Fünf Jahre vor seinem Tod, im Jahr 1555 verdeutlicht er seinen Studenten mit sehr persönlichen Worten die Kraft des Gebetes:

Sprecher / Melanchthon (Rhein): Sooft ich mit Ernst gebetet habe, bin ich gewiss erhört worden und habe mehr erlangt, als ich erbeten habe. In Psalm 55, Vers 23 heißt es: „Wirf dein Anliegen auf den Herrn; der wird dich versorgen.“ Ach wer das Werfen gut lernen würde, der würde erfahren, dass es gewiss so ist. Wer dieses Werfen nicht lernt, der bleibt ein verworfener, ein unterworfener und umgeworfener Mensch.“ 
           
Autorin: Ich lade Sie ein, heute am Reformationstag, 450 Jahre nach Melanchthons Tod, mit mir dieses Werfen zu üben und zu beten:
Vater Unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name,
dein Reich komme,
dein Wille geschehe
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung
Sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Musik Jochen Rieger, CD Choräle beflügeln

Gott segne und behüte uns,
Gott lasse sein Angesicht über uns leuchten und sei uns gnädig
Gott erhebe sein Angesicht auf uns
Und schenke uns und dieser Welt seinen Frieden.
AMEN
          
Musik: Jochen Rieger, CD Choräle beflügeln, Titel: Alles ist an Gottes Segen

Das war die evangelische Sendung zum Reformationstag. Es verabschiedet sich Pfarrerin Antje Rösener.

Audiobeitrag Ev. Sendung zum Reformationstag - Das Gespräch ist die Mutter des Segens


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