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Ein feste Burg ist unser Gott (eg 362)
1. Musiktitel: Lautenmusik - Autor: Er ist Schüler und wohnt schon seit einiger Zeit nicht mehr zu Hause. Er hat die Chance, an einer guten Klosterschule zu lernen.
Aber nun weiß er auf einmal nicht mehr, was aus ihm werden soll. Er ist unsicher und will die Lage mit seinen Eltern besprechen. Darum macht er sich auf die Reise. Allerdings hat er auf dieser Reise einen Unfall; er kommt nicht zuhause an, sondern landet wieder in seiner Stube in der Klosterschule - und langweilt sich. Darum lernt er Laute spielen. Sein Leben lang wird die Liebe zur Musik bleiben.
Sprecher: Ich liebe die Musik und es gefallen mir die Schwärmer nicht, die sie verdammen. Weil sie 1. ein Geschenk Gottes ist und nicht der Menschen, 2. weil sie die Seelen fröhlich macht, 3. weil sie den Teufel verjagt, 4. weil sie unschuldige Freude weckt; darüber vergehen die Zornanwandlungen, die Begierden, der Hochmut, ... und 5. weil sie in der Zeit des Friedens herrscht. *
Autor: Martin Luder, so heißt der Schüler, der vor gut 500 Jahren in Erfurt in seiner Stube das Laute spielen gelernt hat. Ein paar Jahre später wird er sich Martin Luther nennen. Luther - er hat diesen Namen vom griechischen Wort eleutherios der Freigemachte abgeleitet. Diese Namensänderung ist für ihn ein Bekenntnis: wer glaubt, ist frei und ist getröstet. Das hat Luther langsam, manchmal unter Schmerzen, dann aber mit einer immer größeren Gewissheit lernen können: Nichts hält die Glaubenden mehr gefangen, denn Gott ist auf ihrer Seite; und Gott ist stärker als alle inneren und äußeren Feinde. Diese tröstliche Gewissheit drückt Luther in einem seiner berühmtesten Lieder aus. Und damit die große Erleichterung auch wirklich zu spüren ist, gibt er seinem Lied eine beschwingte, nahezu hüpfende Melodie:
Choral 2 / 1. Strophe: Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen, er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen. Der alt böse Feind, mit Ernst ers jetzt meint, groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist. Auf Erd ist nicht seinsgleichen.
Sprecherin: Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen, er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen. Der alt böse Feind, mit Ernst ers jetzt meint, groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist. Auf Erd ist nicht seinsgleichen.
Autor: Luther ist schon lange kein Schüler mehr, als er dieses Lied um 1527 dichtet und komponiert. Er hat große Erfolge mit seinen Schriften gefeiert, er hat die Bibel übersetzt, vor dem Kaiser hat er seinen Glauben verteidigt und dafür bei angesehenen Leuten, vor allem aber beim einfachen Volk, große Anerkennung gefunden. Aber eins ist immer geblieben: die Unsicherheit, ob alles richtig war, was er angezettelt hat. Anfechtung so hat er diese Erfahrung genannt. Er hat sogar einmal gesagt: die Anfechtung erst macht einen Christen. Ein Christenmensch zeichnet sich dadurch aus, dass er alle Erfahrungen, die er machen muss, nicht allein macht sondern, dass er weiß: Jesus Christus ist mit dabei. Selbst dann, wenn mir diese Gewissheit abhanden kommt. ** Die inneren Stimmen haben Luther immer wieder vorgehalten, was er alles in seinem Leben falsch gemacht hat und dass solch ein unmöglicher Mensch nie und nimmer bei Gott ankommen kann. So klar und deutlich haben sie ihm dies vor Augen gemalt, dass er oft nachts nicht schlafen konnte.
Sprecher: Hie brach mir wahrlich der Schweiß aus und das Herz begann mir zu zittern und zu pochen. Der Teufel weiß seine Argumente wohl anzusetzen und hat eine schwere, starke Sprache und es gehen solche Disputationen nicht mit langen und vielen Bedenken zu, sondern in einem Augenblick ist eine Antwort um die andere. ***
Autor: Für Luther gibt es nur eine Möglichkeit aus diesen Fallen heraus zu kommen: sich strikt an Jesus Christus zu halten. Sich in allen Fragen an Christus zu orientieren, wird der eigentliche Schlüssel für Luthers Theologie, für sein geistliches Leben, für seine Seelsorge, für seine politischen Einschätzungen. Alles andere hat keinen festen Grund.
Choral 3 / 2. Strophe: Mit unserer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren; es streit für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren. Fragst du wer er ist? Er heißt Jesus Christ, der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott, das Feld muss er behalten.
Autor: Fragst du wer er ist? Er heißt Jesus Christ, der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott, das Feld muss er behalten. Das Feld um das es hier geht, das sind wir! Zusammen mit seinem Sohn Jesus Christus kämpft Gott um uns. Und deswegen gehören diese beiden, Gott und Jesus Christus, so unauflöslich zusammen. Es gibt eine Phase in Luthers Leben, in der ihm dies besonders wichtig wird: als er um das Verständnis des Abendmahls gerungen hat. Da steht für ihn alles auf dem Spiel: wer ist Jesus Christus? Und wie kommt er im Abendmahl vor? Das sind die entscheidenden Fragen für ihn. Diese Fragen sind deswegen so entscheidend, weil es darum geht, ob der Trost, von dem im Abendmahl geredet wird, wirklich gut begründet ist. Auf dem Höhepunkt der Streitereien um das Abendmahl schreibt Luther dieses Lied. Es hat mit dem Abendmahl auf den ersten Blick gar nichts zu tun, sehr wohl aber mit einem Menschen, der von inneren und äußeren Nöten umgetrieben wird.
Choral 4 / 3. Strophe: Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen. Der Fürst dieser Welt, wie saur sich stellt, tut er uns doch nicht; das macht, er ist gericht: ein Wörtlein kann ihn fällen.
Autor: Manchmal scheint es, als ob sich alles und alle gegen einen verschworen haben. Der Fürst dieser Welt, Luthers Bezeichnung für das Böse schlechthin, hat ungeheure Macht in unserem Leben. Es kann sogar soweit gehen, dass er einem das Liebste, was man hat, nimmt. Wie soll man damit fertig werden? Lässt er sich wirklich mit einem kleinen Wörtlein aus dem Weg schaffen? In der letzten Strophe seines Liedes besingt Luther den Trotz, zu dem wir fähig werden, wenn wir auf Jesus Christus hoffen.
Choral 5 / 4. Strophe: Das Wort sie sollen lassen stahn und kein Dank dazu haben; er ist bei uns wohl auf dem Plan mit seinem Geist und Gaben. Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib: laß fahren dahin, sie habens kein Gewinn, das Reich muss uns doch bleiben.
Sprecherin: Das Wort sie sollen lassen stahn und kein Dank dazu haben; er ist bei uns wohl auf dem Plan mit seinem Geist und Gaben. Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib: laß fahren dahin, sie habens kein Gewinn, das Reich muss uns doch bleiben.
Autor: Mit diesem Lied streitet Luther gegen alle falschen Einflüsterungen, dass unser Leben nichts wert sei, dass alles keinen Sinn habe. Leider ist dieses Lied zu oft dazu benutzt worden, um mit großem Getöse die Überlegenheit der Reformation zu inszenieren. Das läuft dem Anliegen Luthers an dieser Stelle völlig zuwider. Alle, die mit diesem Lied nur sich selbst und ihren Glauben feiern wollen, die dürften kaum etwas verstanden haben. Alle aber, die an Jesus Christus festhalten, können in diesem Lied den einzigen Trost im Leben und im Sterben entdecken.
1. Musiktitel: Lautenmusik
*zit. nach M. Rößler, Luther , Martin in: Handbuch zum EG II; S. 207 **vgl. E. Hirsch, Das Wörtlein, S. 95: ... es liegt dem Teufel daran, dem Menschen das Gottesverhältnis, das der Glaube an das Evangelium gibt zu zerstören. ***zit. nach O. Hof, Schriftauslegung, S. 166
Musikinformationen: Musiktitel: 1 + 6 Musiktitel: Ein feste Burg Komponist: Martin Luther Bearbeiter: Bären Gässlin Dichter: Martin Luther Ensemble: Bären Gässlin Ensemble-Mitglied: Ernst, Isabell; Heimrath, Johannes; Korth, Michael; Simon, Christine
Musiktitel: 2 + 5 CD-Name: Anno Domini Geistliche Chormusik aus zwei Jahrtausenden Titel: Ein feste Burg ist unser Gott Track: 6 - 1. Strophe: Straßengesang mit Tambourin Text und Melodie: Martin Luther (1483-1546) Chor: Bach-Chor-Siegen Leitung: Ulrich Stötzel
Musiktitel: 3 + 4 Büro-Archiv Nr. 029 CD: Die größten Choräle aus fünf Jahrhunderten CD1 - Track 7; Text und Melodie: Martin Luther 1529 Sätze: Johann Sebastian Bach 1685-1750 (1+4) Lukas Osiander 1534-1604 (2) Gerhard Schnitter (3) Chor: Das Solistenensemble Leitung: Gerhard Schnitter
Verwendete Literatur: Blankenburg, Walter, Ein feste Burg ist unser Gott / Psalm 46 in: Handbuch zum EKG, Band 3, 2, S. 58-69 Brecht, Martin, Martin Luther Bd 1 + 2, Hirsch, Emanuel, Das Wörtlein, das den Teufel fällen kann, in: ders., Lutherstudien 2, S. 93-98 Hof, Otto, Über Trübsal und Anfechtung, in: Schriftauslegung und Rechtfertigungsglaube, Aufsätze zur Theologie Luthers, Karlsruhe 1982, S. 161-180 Leppin, Volker, Martin Luther, Gestalten des Mittelalters und der Renaissance, Darmstadt 2006 Rößler, Martin, Martin Luther, in: Handbuch zum Evangelischen Gesangbuch, Band 2, Göttingen 1999, S. 204-208 Staats, Reinhart, Ein feste Burg ist unser Gott - Die Entstehung des Lutherliedes im Abendmahlsstreit 1527, in: ThLZ 123, 1998, Sp. 115-126 Luthers Werke, Weimaraner Ausgabe - Tischreden, Bd. 1
Ein feste Burg ist unser Gott (eg 362)
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