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Von der Rechtfertigung
Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer! Ich freu mich immer auf den Samstagmorgen, weil wir uns dann einmal richtig frische Brötchen holen.
Bei uns ist der Bäcker nur gerade um die Ecke, da kann ich auch noch mit Hausschuhen hinlaufen.
Für mich ist so ein Samstagmorgen ein wunderbares Beispiel dafür, was ich mit Rechtfertigung umschreibe. Sich rechtfertigen, entschuldigen das müssen wir ja immer wieder einmal. Es hat so einen unangenehmen Beigeschmack. Es gibt aber noch ein Rechtfertigen das schmeckt einem richtig gut ganz ohne dummen Beigeschmack, wie frische Brötchen.
Ich meine das Rechtfertigen, von dem wir in der Kirche sprechen. Dieses Rechtfertigen hat einen großen Vorteil: ich mache es nicht selber; Es ist wie der Samstagmorgen, den mache ich auch nicht selber, der kommt von ganz allein. Ich brauche mich auch nicht dafür zu entschuldigen, dass ich nicht so frisch und wohl rasiert daher komme es ist doch Samstag. Ich brauche mich nicht dafür zu rechtfertigen, dass ich noch nicht alles geschafft habe, was ich sonst eigentlich um 8.00 schon erledigt hätte es ist Samstag. Da brauche ich nichts zu schaffen, zu erledigen. es ist alles in Ordnung. Warum? Weil es einen Ablauf gibt, den ich nicht beeinflussen kann. Es ist der Wochenrhythmus und da kommt der Samstag, ohne dass ich etwas dazu getan hätte.
Ganz ähnlich ist es mit der Rechtfertigung vor Gott; sie geschieht, ohne, dass ich irgendeinen Einfluss darauf nehmen könnte. Gott rechtfertigt mich. Er macht das in der Geschichte von Jesus Christus. In dieser Geschichte komme ich selbst drin vor. In seiner Geschichte kommt die ganze Menschheit vor.
Wie? Es fängt mit der Weihnachtsgeschichte an. Ich finde es bemerkenswert, dass diese Geschichte immer wieder die Menschen anzieht. Jedes Jahr sind die Kirchen in unserem Land an diesem Tag richtig voll. Die Menschen kommen, weil sie diese alte Geschichte von der Geburt des Kindes im Stall hören, weil sie die alten Lieder singen wollen vielleicht auch, weil sie sich in eine heile Welt zurücksehnen. Ach, es gibt so viele Gründe. Für mich ist der wichtigste Grund, dass sie selbst in der Geschichte vorkommen. Wenn wir diese alte Geschichte hören, die Lieder singen, uns in die Figuren hineinversetzen, dann werden wir Teil dieser Weihnachtsgeschichte; wir entdecken, das ist keine Geschichte die vor 2000 Jahren gespielt hat und nun vorbei ist. Diese Geschichte, die Geburt des Sohnes Gottes greift nach mir, sie ergreift mich. Es rührt mich an, dass Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde sich auf uns Menschen einlässt; (ich stelle mir vor:) In diesem schreienden Kind, das in die Windeln macht und das schon bald auf der Flucht ist zeigt Gott, dass er wirklich auf meiner Seite ist auf der Seite eines Menschen, der sich oft selbst nicht helfen kann, nicht vor und zurück weiß, bedrängt wird von Fragen, die er nicht lösen kann. So kommen sie zusammen: Gott und Mensch!
So komme ich, so kommt die ganze Menschheit in der Geschichte Jesu vor. In seiner Geschichte haben sich Gott und Mensch zusammengetan und nichts wird sie mehr trennen können. Allein wegen dieser Geschichte bin ich gerechtfertigt vor Gott. Ich muss das nur noch glauben.
Es ist wie am Samstagmorgen. Der kommt von ganz allein. Ich muss mich nur noch entsprechend verhalten und nicht so tun, als wäre Montag oder Donnerstag und schaffen und arbeiten und organisieren und mich dafür entschuldigen, dass ich da bin. Das alles mache ich heute nicht; ich lebe einfach - gerechtfertigt!
Ich wünsche Ihnen einen schönen Samstag!
Von der Rechtfertigung
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