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sola fide - an ihren Narben werden sie erkannt
Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer! Eine Erfahrung macht mich in meinem Glauben immer wieder unsicher. Die Erfahrung, wenn Gebete um Heilung nicht erhört werden.
Dabei sind die biblischen Geschichten so eindeutig:
Kaum hat es sich in der Gegend herumgesprochen, dass Jesus aus Nazareth heilen kann, schon kann Jesus sich nicht mehr vor Anfragen und Bitten retten. Die Leute bringen ihre Kranken zu ihm, viele humpeln selbst zum Wunderheiler aus Nazareth und bei einigen wird nur die Bitte um Heilung überbracht, weil die Kranken selbst nicht transportfähig sind. So zum Beispiel bei dem Knecht eines römischen Hauptmannes. Da kommt der Römer persönlich und sagt zu Jesus: Mein Knecht liegt zuhause, er ist gelähmt und leidet sehr! Jesus bietet ihm an zu kommen. Aber der römische Hauptmann weiß, dass Jesus als Jude nicht in das Haus eines Ungläubigen gehen darf. Deswegen sagt er nur: Auch ich befehle meinen Knechten dies oder das zu tun und es geschieht. Ich bin nicht wert, dass du in mein Haus kommst, aber sprich nur ein Wort, dann wird mein Knecht gesund... Jesus ist verblüfft: Solchen Glauben habe ich in ganz Israel noch nicht gefunden... Geh nach Haus, dein Knecht ist gesund.
Der Glaube hilft? Der Glaube macht gesund? Die Bibel ist da ganz eindeutig: der Glaube an Jesus aus Nazareth ist die einzige Kraft, um gesund zu werden an Leib und Seele. Sola fide allein durch den Glauben; diese Formel kommt von Martin Luther und sie hat bis heute zentrale Bedeutung im Glauben der evangelischen Kirche.
Das ist der Glaube, den die Bibel meint; alles von Ihm erwarten! Aber wenn ich dann nicht gesund werde, wenn der Mensch, den ich lieb habe trotzdem immer schwächer wird - hat Gott dann mein Gebet nicht erhört? Offensichtlich schützt mein Glaube, mein Gebet mich nicht davor, an Gott irrezuwerden. Es kann sogar sein, dass ich wegen meines Glaubens, weil ich unbedingt an Gott festhalten will - Gott verliere, nur noch Dunkelheit um mich herum wahrnehme, weil sich nichts ändert, weil alles nur noch schlimmer geworden ist. Mir alle Selbstsicherheit abhanden gekommen ist.
Als Jesus am Kreuz stirbt, da kann er nur noch schreien: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?! Was ist jetzt aus seinem Glauben geworden, was hat Jesus davon, dass er bis zum Schluss sich an Gott wendet ist dieser Schrei alles, was von seiner Beziehung zum himmlischen Vater noch übrig geblieben ist? Jesus lebt das: Und wenn auch alles gegen dich spricht, Gott, ich halte mich an dir fest. Und du - hältst du mich auch fest?
Genau das hat Gott zu Ostern getan. Er hat Jesus aus dem Tod herausgeholt. Darum kennt der Glaube beides: die völlige Dunkelheit, die Nacht, die Schmerzen, den Tod und die Hoffnung, dass die Dunkelheit einmal aufhören wird, dass die Schmerzen gestillt und die Tränen abgetrocknet werden. Ja, selbst der Tod wird einmal überwunden sein.
Allein der Glaube? ja, nur der Glaube ist so verwegen, so verrückt, dass er auch noch im völligen Dunkel auf das Licht hofft, dass er angesichts des Todes, mitten im Sterben auf Gott setzt. Nach seiner Auferstehung wird Jesus an seinen Verletzungen erkannt. Die Jünger können erst nicht glauben, dass er lebt, darum zeigt Jesus ihnen seine Wunden; er ist es, Jesus, der verletzt, der getötet wurde. Also nicht allein an ihren Taten, an ihren Narben werden wir Gott und die Menschen erkennen!
Was das alles für einen Glauben heißt, der um Heilung bittet? Vielleicht werde ich nicht mehr so gesund, wie ich einmal war. Vielleicht werden die Verletzungen, die mir das Leben zugefügt hat, immer an mir sichtbar bleiben. Aber mein Gebet hält den Blick frei auf den Gott, der das Leben will über den Tod hinaus.
sola fide - an ihren Narben werden sie erkannt
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